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Der VfB und seine Trainer:Wolle Spaß? Schmeiße raus!

Vor fünf Jahren schlug der VfB Stuttgart einen verhängnisvollen Weg ein. Damals kam der Maestro aus Italien - heute ist die Mannschaft fast untrainierbar.

Inzwischen lässt sich auf den Tag genau sagen, wann der VfB Stuttgart anfing, ein wunderlicher Verein zu werden. Es war der 17. Juni 2005, in Deutschland wurde gerade der Confederation Cup ausgetragen, und dem VfB gelang es tatsächlich, dieses Vorspiel der heiligen WM für einen Tag aus den Schlagzeilen zu verdrängen.

Stuttgart's coach Giovanni Trapattoni gestures during his team's German Bundesliga soccer match in Stuttgart

Einer von vielen Vorgängern des jüngst entlassenen Christian Gross beim VfB Stuttgart: Giovanni Trapattoni.

(Foto: REUTERS)

Am 17. Juni stellte der VfB seinen neuen Trainer vor. Der neue Trainer sagte, er habe noch nicht fertig, es war der selbstironische Scherz eines eleganten Charismatikers, und die VfB-Vorständler platzten vor Stolz. Giovanni Trapattoni! Ein Welttrainer!! Bei unserem VfB!!! Und die Marketingstrategen ließen auf der nächstgelegenen Bundesstraße den lustigen Spruch plakatieren: "Wolle Spaß? Fahre rechts!" Nach rechts ging's zum Stadion.

Nun, da der Klub in Christian Gross bereits den über-über-nächsten Trainer entsorgen musste, wird immer deutlicher, welch folgenreiche Fehlentscheidung die Personalie Trapattoni war. Die verirrte Laune, sich mit einem aus der Mode gekommenen Maestro schmücken zu wollen, hat sich gerächt: Im Grunde ist der Klub seit damals nicht mehr Herr des Verfahrens. An jenem Tag im Februar 2006, als der frisch eingestellte Manager Heldt als erste Amtshandlung den Welttrainer entlassen musste, begann jenes Trainerspiel, das "Wolle Spaß? Schmeiße raus!" heißen müsste.

Kurioses Kuddelmuddel

Seit damals hat der Klub keine ausgeruhte Trainerentscheidung mehr treffen können, er wurde so dramatisch zwischen Anti-Lauf (Vorrunde) und Lauf (Rückrunde) hin- und hergeschüttelt, dass sich die Trainer im Grunde selbst ein- und ausstellten. Armin Veh, Markus Babbel und Christian Gross waren anfangs so erfolgreich, dass kein Mensch an andere Trainer dachte. Als der Erfolg sie verließ, war es Herbst - und der Trainermarkt leer.

So ist der Klub von einem Notausgang zum nächsten gehastet, und inzwischen sieht auch die Elf aus wie eine Summe vieler Not-Entscheidungen. Der eine Trainer wollte dieses System spielen, der andere jenes, der eine wollte mehr auf die Jugend setzen, der andere weniger. Der Vorstand hat es zugelassen, dass aus der Elf über die Jahre ein zwar begabtes, aber kurios gemischtes Kuddelmuddel geworden ist, das am Ende auch den erfahrenen Gross überforderte.

Mit schwankender Personalpolitik (mal eigene Jugend, mal teure Transfers) haben es die Verantwortlichen geschafft, aus ihren Trainern das Schlechteste hervorzuholen. Für Jens Keller, den neuen Mann, ist es keine leichte Aufgabe, die Ära Trapattoni endlich zu beenden.