Der Spielplan der Bundesligasaison Tausendundeine Kleinigkeit

Reiterspiele und Rasenheizung: Mit freundlichem Fatalismus nehmen die Aufsteiger ihr schweres Startprogramm zur Kenntnis.

Von Christof Kneer

Götz Bender ist nicht erreichbar im Moment, er befindet sich im Urlaub. Bender ist bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) angestellt, es hat aber kein Problem gegeben mit seinem Urlaubsschein.

Augen zu und durch: Der Spielplan der diesjährigen Saison hält zu Beginn zwei schwere Spiele für Alexander Klitzpera und seine Aachener bereit.

(Foto: Foto: ddp)

Die DFL muss zwar viel arbeiten zurzeit, weil der deutsche Fußball als solcher wieder aus dem Urlaub zurück ist, aber ein Teil von Benders Arbeit ist ja längst erledigt. Vereinfacht gesagt, ist Götz Bender der Mann, der unter Zuhilfenahme eines Computerprogramms den Bundesliga-Spielplan entwirft, es ist ein Job, der eine hohe Eigenmotivation verlangt.

Im Grunde muss sich Bender ja dauernd selbst loben, weil er genau weiß, dass er sonst nie auf die nötige Lob-Ration kommt.

Es ist ja noch niemals vorgekommen, dass sein Telefon geklingelt hat und dass ein Bundesligamanager dran war und dass der dann gesagt hat: Herr Bender! Was Sie wieder für einen entzückenden 14. Spieltag komponiert haben! Ein Gedicht!

Götz Bender ist also gerade im Urlaub, vielleicht ist das auch besser so. Er bekommt dann nicht so mit, welche Debatte sich in der Liga ausgebreitet hat. Es ist eine leise Debatte, sie wird eher in den Hinterzimmern geführt, und es ist nicht so, dass jemand Götz Bender Vorwürfe machen würde. Die Branche weiß ja, dass Bender nicht gewinnen kann gegen seinen Computer und gegen die 1001 Kleinigkeiten, mit denen er den Computer speist. Aber natürlich diskutiert die Liga trotzdem das Thema der Woche: dass die drei Aufsteiger alle mit Auswärtsspielen starten mussten (die sie alle verloren).

Freundlicher Fatalismus

Und dass sie jetzt, beim ersten Heimspiel, schwer schlagbare Prominenz empfangen, nämlich die Bayern (in Bochum), den HSV (in Cottbus) und Schalke 04 (in Aachen). Es ist eine kuriose Parallelität, und ebenso parallel knüpfen die Betroffenen ihre Argumentationsketten. "Was sollen wir uns den Kopf zerbrechen über Dinge, die wir eh' nicht ändern können", sagt Bochums Manager Stefan Kuntz. "Wir können das eh' nicht ändern", sagt Cottbus' Manager Steffen Heidrich. Und Aachens Manager Jörg Schmadtke sagt, dass man das eh' nicht ändern könne.

Einen freundlichen Fatalismus haben sich die Aufsteiger angewöhnt, und flankierend geben sie sich Mühe, die Gefahren in Chancen umzudeuten. "Gegen die Bayern geht es nur um Bonuspunkte, die man ohnehin nicht von vornherein einplanen kann", sagt Bochums Kuntz. "Gegen ein Team wie den HSV werden die Spieler besonders heiß sein", sagt Cottbus' Heidrich. Und Aachens Schmadtke sagt süffisant, dass es ja auch die Theorie gebe, wonach es ein Vorteil sei, "die Großen früh in der Saison zu bekommen".

Aber natürlich wissen sie es besser. Sie wissen, dass es ein Unterschied ist, ob man - Beispiel Aachen - die Spiele in Leverkusen und gegen Schalke am 13. und 14. Spieltag bestreitet oder am ersten und zweiten. Für Aachen und Cottbus ist die erste Liga ja immer noch eine Art Promiparty, auf die man überraschend eingeladen wurde - man macht sich fein, geht da hin und trifft am Eingang gleich den Partyschreck. Man bleibt dann von Anfang an am Rande stehen, man findet gar nicht richtig rein in die Party, und irgendwann muss man dann wieder gehen.

"Normalerweise ist es nicht unsere Absicht, alle Aufsteiger auswärts starten zu lassen", sagt Holger Hieronymus, Geschäftsführer Spielbetrieb der DFL. Das letzte Wort überlassen sie ja nicht dem Computer, am Ende entscheiden sie doch selbst.

Weltreiterspiele und Rasenheizung

Aber vorher füttern sie den Computer mit allen relevanten Informationen, z.B.: Welcher Verein kann am Spieltag X kein Heimspiel haben, weil die Rolling Stones im Stadion sind oder die Kaninchenzüchter? Wie viele Heimspiele sind dem Ruhrgebiet gleichzeitig zuzumuten? Welche Stadt ist am Spieltag Y zu meiden, weil George Bush kommt und kein Polizist mehr frei ist?

"Nach Berücksichtigung aller Parameter wirft der Computer dann fünf, sechs Versionen aus, und dann entscheiden wir uns für eine", sagt Hieronymus. Diesmal hatten Aachen und Bochum selbst darum gebeten, die Saison fern der Heimat zu beginnen - Aachen, um am dritten Spieltag den Weltreiterspielen in der eigenen Stadt auszuweichen; und Bochum, weil die neue Rasenheizung erst jetzt fertig geworden ist.

Nur in Cottbus hat Manager Heidrich "kurz mal überlegt, ob der Spielplan was mit dem Fernsehgeld zu tun haben könnte". Je höher die Platzierung, desto mehr Geld wird ausgeschüttet, "und es könnte doch sein, dass die etablierten Klubs den Wunsch haben, gleich oben zu stehen". Er wolle sich "da mal bei der DFL erkundigen", sagt er, aber die DFL wird ihm sagen, dass das damit nichts zu tun hat.

Heidrich wird das vermutlich nicht weiter stören, er ist ja auch als Spieler schon mal mit Cottbus aufgestiegen. Sie haben damals gleich in Bremen gespielt und 1:3 verloren, und am zweiten Spieltag setzte es eine 1:4-Heimniederlage gegen Dortmund. Und am Ende, sagt Heidrich, seien sie "dann doch drei Jahre in der Bundesliga geblieben".