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Der Donnerstag in Sotschi:Deutsche Wucht im Eiskanal

Luge - Winter Olympics Day 5

Tobias Wendl und Tobias Arlt bilden die eine Hälfte der deutschen Rodel-Staffel.

(Foto: Getty Images)

Alle vier deutschen Olympiasieger treten gemeinsam in einem Rodel-Wettbewerb an - was soll da noch schiefgehen? Die "rote Maschine" greift im Eishockey ins Geschehen ein, Andreas Birnbacher könnte die Biathlon-Misere der Deutschen beenden. Die Tagesvorschau auf den Donnerstag.

Von Julian Beyer

Slopestyle, Finale: Die Akrobaten auf den Skiern beginnen den Olympia-Tag um 7:15 Uhr mit dem ersten Lauf. Für Deutschland geht der 24-jährige Münchener Benedikt Mayr an den Start. Der Ski-Freestyler hat sich in seiner jungen Karriere schon mehrmals das Kreuzband gerissen und sogar den Rücken gebrochen. Die waghalsigen Sprünge auf der Piste kann er trotzdem nicht lassen. Der Einzug ins Finale (gegen 10:30 Uhr) ist fest eingeplant. Mayrs Chancen auf eine Medaille sind aber eher überschaubar. Die Favoriten kommen aus den USA und Norwegen.

Skilanglauf, Finale über zehn Kilometer: In der Loipe sind die norwegischen Läuferinnen dominant wie keine zweite Nation. Zweimal Gold aus zwei Wettkämpfen haben sie schon geholt. Ab 11 Uhr soll über zehn Kilometer im klassischen Stil der nächste Erfolg her. Weltmeisterin Therese Johaug und Norwegens erfolgreichste Olympionikin, Marit Bjørgen, sind die großen Anwärter auf Gold. Die deutschen Athletinnen stehen nach dem Fehlstart im Skiathlon am Samstag unter Druck. Diesmal soll für Stefanie Böhler, Denise Herrmann, Nicole Fessel und Katrin Zeller zumindest ein Platz unter den besten zehn her.

Shorttrack, Finale: Im 500-Meter-Endkampf wird es ab 13 Uhr spannend. Die Weltmeisterin und Goldgewinnerin von 2006 und 2010, Wang Meng aus China, ist aufgrund einer Knöchelverletzung nicht dabei. Der Ausgang des Rennens ist damit komplett offen. Eine Favoritin ist die Debütantin Fan Kexin. Die 20-jährige Chinesin hat die Vorläufe souverän mit der schnellsten Hallenzeit gemeistert - das lässt sich von den Deutschen nicht behaupten: Sie sind gar nicht erst dabei. Im Iceberg Skating Palace findet am Donnerstag außerdem das Halbfinale der 500-Meter-Staffel bei den Männern statt - ebenfalls ohne deutsche Beteiligung. Besser sieht es auf den größeren Distanzen aus: Bei den Vorläufen über 1000 Meter um 11:25 Uhr geht Robert Seifert aus Dresden an den Start. Für ein Weiterkommen muss er sich aber ziemlich reinhängen. Bei den Vorläufen über 1500 Meter ist Seifert als Vierter ausgeschieden.

Biathlon, Finale über 20 Kilometer: Bisher lief es nicht gut für die deutschen Skijäger - aber das soll sich ändern. Hier sind Medaillen zumindest im Bereich des Möglichen. Über 20 Kilometer geht Simon Schempp aussichtsreich ins Rennen. Bei der Verfolgung am Montag hat er eine Medaille um drei Millimeter verpasst. Sein Schuss ging hauchdünn neben die Zielscheibe, weshalb er letztlich nur auf Rang sechs landete. Trotzdem sagte er: "Es ist noch nicht zu Ende. Ich habe gesehen, dass ich ganz vorne reinlaufen kann." Für eine Überraschung könnte sein Teamkollege Andreas Birnbacher sorgen. Birnbacher geht in seinen ersten Wettkampf in Sotschi und ist ausgeruhter als die Konkurrenz um Martin Fourcade aus Frankreich. Der Goldgewinner in der Verfolgung und Norwegens Biathlonheld Ole Einer Bjørndalen gelten indessen als Gold-Kandidaten.

Eisschnelllauf, Finale über 1000 Meter: Dies wird das letzte offizielle Rennen von Jenny Wolf. Die 35-Jährige macht Schluss mit dem Eisschnelllaufen und will künftig als Schriftstellerin arbeiten. Vorher greift die Berlinerin um 15 Uhr über 1000 Meter an. "Ich möchte noch einmal olympisches Feeling genießen", sagt sie. Medaillenchancen hat sie über diese Distanz aber kaum. Irene Wüst aus den Niederlanden, Weltmeisterin Olga Fatkulina aus Russland und die Südkoreanerin Sang Hwa Lee dürften schwer zu schlagen sein. Über Letztere ist bei genauer Recherche Interessantes zu erfahren: Lees Hobbys sind Lego spielen und Nägel lackieren. Na dann ...

Rodeln, Finale der Staffel: Vor dieser Staffel zittert ganz Sotschi. Beim Team-Wettbewerb der Rodler schickt Deutschland nur Goldgewinner an den Start. Felix Loch, Natalie Geisenberger, Tobias Wendl und Tobias Arlt haben allesamt schon den Titel "Olympiasieger 2014" in der Bewerbungsmappe stehen. Um 17:15 Uhr wollen sie als Team die zweite Medaille im Eiskanal holen. Selbst die starken Österreicher dürften gegen die deutschen Rodler hinterherfahren.

Curling, Vorrunde: Im Ice Cube Curling Center gehen die Wettkämpfe mit dem 5. und 6. Spieltag weiter. Ab 6 Uhr spielt bei den Frauen unter anderem die Schweiz gegen Schweden. Bei den Männern geht's um 11 Uhr los. Das Tages-Highlight ist das Spiel zwischen Kanada und Dänemark. Die Olympiasieger von 2010 aus Nordamerika stehen mit nur einem Sieg und zwei Niederlagen mächtig unter Druck.

Skeleton, 1. und 2. Lauf: Auf dem Bauch mit über 100 Sachen in der Stunde durch den Eiskanal: "Wir sind alles Adrenalin-Junkies", sagt Anja Huber. In Vancouver holte die Deutsche 2010 Bronze, jetzt blickt sie auf eine desolate Weltcup-Saison zurück. Diese Außenseiterrolle gefällt ihr, sie erklärte: "Für mich gibt es nur noch den Angriff nach vorne." Für Deutschland starten außerdem Sophia Grieben und Marion Thees. Der erste Lauf beginnt um 8:30 Uhr im Sanki Sliding Center, der zweite um 9:40 Uhr. Medaillen gibt es aber erst nach dem vierten Lauf am Freitag.

Eishockey, Vorrunde: Für die deutschen Frauen steigt um 9 Uhr gegen Japan die letzte Partie in Sotschi. Das Problem: Die Eishockeydamen sind mit zwei Niederlagen bereits ausgeschieden. Beim Spiel Schweden gegen Russland um 18 Uhr geht es dagegen um den Gruppensieg - die russischen Zuschauer werden endlich laut sein. Bei den Männern legen unterdessen die NHL-Profis endlich los. Die USA spielen gegen die Slowakei. Für die favorisierten Russen geht's in der ersten Begegnung gegen Slowenien, ein echter olympischer Erfolg liegt aber lange zurück. 1992 in Albertville gewann die russische Mannschaft zum letzten mal Gold im Eishockey. Im eigenen Land ist das Ziel jetzt klar: "Ich will, dass sich meine Jungs an unsere goldene Zeit erinnern. Sie sollen wieder die großartige rote Maschine von früher werden", sagt Verbandspräsident Wjatscheslaw Fetissow.

Eiskunstlauf, Kurzprogramm: Wenn um 16 Uhr der Eiskunstlauf im Iceberg Skating Palace beginnt, dauert es eine ganze Weile, bis Peter Liebers aufs Eis darf. Der Berliner hat eine der begehrten hohen Startnummern gezogen und ist erst als 27. von 30 Läufern an der Reihe. Seine Kür tanzt er einen Tag später. Chancen auf eine Medaille hat Liebers durchaus. Die Konkurrenz um den Weltranglistenersten Yuzuru Hanyu aus Japan und den Europameister Javier Fernandez aus Spanien ist aber stark.

© SZ.de/dpa/sid/yer/jbe

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