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Depressionen im Profi-Fußball:Teresa Enke fordert mehr Prävention

Fordert mehr Sportpsychologen in Profivereinen: Teresa Enke.

(Foto: Imago Stock&People)

Mehr Sportpsychologen in Profi-Klubs und eine bessere Schulung der Trainer: Die Witwe von Robert Enke verweist auf den Nachholbedarf im Umgang mit seelischen Krankheiten bei Profifußballern. Ein wichtiges Ziel sei indes verwirklicht.

Wenn die deutsche Nationalmannschaft am Freitagabend in Köln ihr vorletztes WM-Qualifikationsspiel bestreitet, wird auch Teresa Enke im Stadion sein. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat die Witwe des ehemaligen Nationaltorwarts Robert Enke eingeladen. Die Öffentlichkeit scheut sie ohnehin nicht, denn Teresa Enke hat ein Anliegen, das Aufmerksamkeit verdient hat.

Sie fordert eine bessere Schulung von Trainern und eine verstärkte Einbindung von Sportpsychologen in Profi-Klubs, um Depressionen bei Fußballern vorzubeugen. "Wir müssen gerade Trainer darin schulen, den Druck für einen jungen Fußballer zu erkennen, den Moment, wenn es zuviel wird", sagt sie im Interview mit dfb.de. Ihr Ehemann Robert Enke hatte 2009 Selbstmord begangen.

"In den Profivereinen ist es zunehmend wichtig, dass ein Austausch zwischen Sportpsychologen und Sportpsychiatern stattfindet. Motivation alleine reicht nicht aus. Die Enke-Stiftung wird darauf hinwirken, dass die Prävention im Kontext von seelischer Gesundheit etwa in den Nachwuchsleistungszentren an Bedeutung gewinnt", sagt Teresa Enke. Sie ist Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, die sich der Erforschung und Behandlung von Depressionen und Herzkrankheiten bei Kindern widmet.

Profi-Fußballer müssen außerdem besser abgesichert werden, sagt Teresa Enke: "Wo gehe ich hin als Leistungssportler? Auf diese Frage müssen wir noch bessere Antworten geben. Etwa auch für die Phase zum Karriereende. Wir müssen mehr Schnittstellen schaffen." In diese Aufgabe würden die Stiftung "und auch ich persönlich weiter unsere ganze Kraft stecken", sagt sie. Den Fußball grundsätzlich menschlicher machen zu können, schließt sie allerdings aus: "Fußball ist ein Leistungssport. Das wird sich nie ändern, und das wollen wir auch nicht verändern."

"Ich musste weg aus Hannover"

Enke ist dennoch davon überzeugt, dass der Selbstmord ihres Mannes ein Umdenken im Profisport bewirkt hat, zumindest im Umgang mit psychischen Erkrankungen: "Die Leute gehen offener mit ihrer Krankheit um. Markus Miller (Torwart von Hannover 96, Anm. d. Red.) und Lindsay Vonn (Skifahrerin, Anm. d. Red.) sind doch zwei Beispiele. Beide haben öffentlich gemacht, dass sie depressiv sind, und es hat kaum mehr Wellen geschlagen. Zwei Tage Schlagzeilen, und dann war's weg."

Teresa Enke ist mit der Arbeit der Stiftung zufrieden. "Das Engagement der drei Stiftungsgründer - Hannover 96, der DFL und des DFB - hat nie nachgelassen. Gleichzeitig erreichen uns nach wie vor zahlreiche Privatspenden", sagt sie und berichtet von einem 16-jährigen Jungen, der 200 Euro von seinem Ferienjob der Stiftung übergeben hat: "Der Stiftung begegnen viele Leute mit großer Sympathie. Das liegt an meinem Mann, Robert ist der Grund dafür."

Die Rückkehr in ein alltägliches Leben sei über den persönlichen Verlust hinaus sehr schwierig gewesen. "Was mich am Anfang sehr belastet hat, war schon, dass keiner unbefangen mit mir umgehen konnte. Jeder hat immer gedacht, man müsse traurig schauen, oder man dürfe nicht lachen in meiner Gegenwart", sagt sie: "Ich musste weg aus Hannover und in eine Stadt ziehen, in der ich mein Leben führen kann."

Heute wohnt Teresa Enke in Köln. Dort, wo am Freitagabend wieder viele frühere Mannschaftskollegen von Robert Enke ihrem Beruf nachgehen werden: dem Profi-Fußball.

© SZ.de/sid/fued
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