Dennis Schröders Probleme in der NBA„Ich fühle mich nicht besonders wohl“

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Dennis Schröder versucht, das Spiel zu ordnen, aber vieles fällt ihm derzeit schwer in Sacramento. Zuletzt warf er beinahe alles daneben.
Dennis Schröder versucht, das Spiel zu ordnen, aber vieles fällt ihm derzeit schwer in Sacramento. Zuletzt warf er beinahe alles daneben. (Foto: David Zalubowski/AP/dpa)
  • Dennis Schröder durchlebt nach dem EM-Titel eine Krise bei den Sacramento Kings und traf zuletzt keinen einzigen seiner zehn Feldwürfe gegen Oklahoma.
  • Die Sacramento Kings verloren alle vier Partien dieser Woche teils deutlich und stehen nach dreizehn Saisonspielen mit einer der schlechtesten Bilanzen der Liga da.
  • Schröder fühlt sich in seiner Rolle als Spielverwalter unwohl, da er anders als im Nationalteam nicht die Freiheiten hat, sein explosives Spiel zu entfalten.
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Sein Klub wird regelrecht vermöbelt, er trifft keinen einzigen Wurf: Dennis Schröder ist nach dem EM-Titel mit dem Nationalteam in eine Krise geraten – es vertieft sich ein Problem, das seine gesamte NBA-Karriere prägt.

Von Jonas Beckenkamp

Wie diese Woche verlief für Dennis Schröder? Nun ja, ziemlich bescheiden. Am vergangenen Wochenende musste er sich in der NBA-Partie gegen Oklahoma mit zwei Punkten aus Freiwürfen begnügen. Er traf keinen einzigen seiner zehn Versuche aus dem Feld. Am Montag folgte ein ähnlicher Unglücks-Auftritt gegen Minnesota, nur einer von sechs Würfen saß – drei Zähler. Am Mittwoch dann eine Nullnummer gegen Denver, da probierte es der deutsche Basketball-Welt- und Europameister überhaupt nur dreimal Richtung Korb. Und schließlich magere neun Punkte gegen Atlanta, als er mit seinem Klub Sacramento Kings zwischenzeitlich fast mit 40 Zählern zurücklag. Alle vier Partien gingen mit seinem Team, für das er seit dieser Saison spielt, verloren (am Samstag folgte gar eine fünfte Pleite). Teils wurden die Nordkalifornier regelrecht vermöbelt.

Man muss tief ins Zahlendickicht eintauchen, um in Schröders Karriere eine ähnliche Episode zu finden – und zwar bis zu seinen Anfängen in Amerikas Basketballkosmos. Lediglich in seinem Rookie-Jahr 2013 blieb er über mehrere Partien derart wirkungslos. Damals musste er als 20-Jähriger erst mal klarkommen im Muskelbetrieb der NBA. Null Punkte? Passiert jedem mal, selbst dem ganz jungen Dirk Nowitzki. Aber heute ist das anders, da deutet eine solche Phase darauf hin, dass etwas schiefläuft für Schröder, 32, der diese Woche vor Reportern einen bemerkenswerten Satz sagte: „Ich fühle mich gerade nicht besonders wohl, und dann bin ich nicht effektiv.“

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Eine treffende Selbstanklage angesichts seines bisher größten Durchhängers in der Liga. Wie es dazu kam? Der sonst mit reichlich Selbstbewusstsein ausgestattete Braunschweiger ist ins Grübeln geraten. Und wer zu viel grübelt, dem zittern die Hände, so ist das im Basketball. Noch im September feierte Schröder mit dem deutschen Nationalteam den EM-Titel in Riga, er schwebte als bester Mann im besten Team durchs Turnier. Jetzt folgte der Aufprall im Nirwana der NBA.

Nach 13 Saisonspielen liegt in Sacramento einiges in Trümmern, dabei wollte die Franchise mit Schröder und anderen Altgedienten wie Russell Westbrook, 37, Zach LaVine, 30, oder DeMar DeRozan, 36, eine Art Oldie-Tour in die Playoffs starten. Die verfehlte man zwischen 2006 und 2023 ganze 16 Jahre (Rekord in den großen US-Profiligen), weshalb dem Standort Sacramento seit Langem ein Loser-Image anhaftet. Aktuell weisen nur vier Teams eine miesere Siegesbilanz auf, und dafür gibt es Gründe. Das dauerhaft in der Kritik stehende Kings-Management hat nämlich übersehen, dass Basketball nicht nur aus Körbewerfen besteht, sondern auch aus Grundtugenden des Sports, „fundamentals“, wie Amerikaner sagen. Etwa Verteidigung. Genau die stellte Coach Doug Christie, selbst ein alter Abwehrrecke aus besseren Kings-Tagen, nach der 117:144-Pleite gegen Minnesota zu Wochenbeginn infrage.

Wir müssen uns fragen: Wollen wir jeden Abend alles geben oder sind wir damit zufrieden, wenn wir einfach mal schauen, was passiert?
Doug Christie, Coach von Schröders Verein Sacramento Kings

„Ich bin absolut nicht einverstanden, was wir gezeigt haben. Das waren nicht wir“, regte sich Christie in der Pressekonferenz auf. „Das war nicht unser Standard und wir müssen uns fragen: Wollen wir jeden Abend alles geben oder sind wir zufrieden, wenn wir einfach mal schauen, was passiert? Beim Verteidigen muss man Herz und Stolz zeigen.“ In der Tat erinnert der Basketball der Kings mitunter an Freiplatz-Zockerei: Irgendwer probiert irgendwas, der Rest steht herum und wartet auf bessere Zeiten. Genauso uninspiriert wirkt die Defensive, in der sogar umsichtige Verteidiger wie Schröder plötzlich leicht zu schlagen sind. „Es beginnt bei mir“, nahm er sich deshalb in die Pflicht und erinnerte ans Einmaleins der Sportart. „Wir müssen einander helfen. Unsere Gegner gelangen zu leicht in die Zone, und dann kommen wir ins Schwimmen.“

Dennis Schröders Trainer Doug Christie (re.) versucht derzeit fast täglich, seine Kings wachzurütteln. Nach dem neuerlichen 100:133 gegen Atlanta sagte er, er sei „verdammt nochmal beschämt“ vom Team.
Dennis Schröders Trainer Doug Christie (re.) versucht derzeit fast täglich, seine Kings wachzurütteln. Nach dem neuerlichen 100:133 gegen Atlanta sagte er, er sei „verdammt nochmal beschämt“ vom Team. (Foto: Ed Szczepanski/Imagn Images via Reuters Connect)

Und vorn? Rühre seine Verunsicherung daher, dass er – anders als im deutschen Nationalteam – mehr seine Kollegen in Szene setzen soll, anstatt selbst zu werfen: „Wir haben viele Scorer auf dem Feld, entsprechend muss ich schauen, dass wir die richtigen Spielzüge laufen.“ Es ist der ewige Zwiespalt zwischen dem DBB-Schröder und seiner NBA-Version. Spielt er für Deutschland, kann er wirbeln, wie er will. Diese Freiheiten kommen seinem explosiven Tempostil entgegen, bei der WM und kürzlich bei der EM unterstrich er seine Fähigkeiten unter optimalen Voraussetzungen. Spielt er in den USA, ist Schröder abhängig von seiner jeweiligen Mannschaft. Er ist einer von vielen, wirkt gebremst, wenn er nur Zulieferer ist. Er hat längst gemerkt, dass kein NBA-Klub um ihn herum ein Team aufbaut und ihm das Zepter überlässt, dafür reicht sein Status im Liga-Zirkus nicht aus.

So ist aus dem Antreiber des Europameisters in Sacramento wieder nur ein Spielverwalter geworden. Als Teil einer Gruppe ohne Feinabstimmung bleiben da kaum Erfolgsaussichten – ein Schicksal, das ihn auch schon bei zahlreichen Stationen zuvor ereilte: in Brooklyn, Houston oder Toronto. Ganz glücklich wirkt Schröder nicht auf seiner Tour durch die Liga, deren „Hire&Fire“-Gebaren er selbst als „moderne Sklaverei“ bezeichnet hatte. Bei Vereinswechseln fehlt NBA-Profis oft jegliches Mitspracherecht, so hat der Wandersmann aus Germany nun schon zehn Vereine durch.

Und je länger sein Roadtrip dauert, desto weiter entfernt sich Schröder von einem funktionierenden Umfeld. Und damit von der Chance auf einen letzten, vielleicht krönenden Playoff-Ritt, von Titeln abseits seiner Nationalteamkarriere. Die NBA-Spielzeit ist erst wenige Wochen alt, aber wenn Gerüchte aus US-Medien wie dem Magazin Sports Illustrated stimmen, planen Schröders Kings schon jetzt einen Neuanfang. Würde heißen: Die besten Leute abgeben, Saison abschenken, möglichst weit hinten landen und auf Talente im Draft hoffen. Bescheidene Aussichten für den Weltmeister, der sich immerhin mit einer Tatsache trösten kann: Sein Dreijahresvertrag bringt ihm knapp 45 Millionen Dollar ein.

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MeinungBasketball in der NBA
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