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DEL:Tief in die Taschen gegriffen

EHC Red Bull München - Eisbären Berlin

Chris Bourque und Zach Redmond freuen sich über den Sieg der Münchner gegen die Berliner Eisbären.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Beim DEL-Vorbereitungsturnier besiegt der fittere EHC München die Berliner Eisbären knapp. Auf beiden Seiten überwiegt aber die Vorfreude auf den Ligastart im Dezember - und es wird deutlich, welcher Kraftakt dafür nötig war.

Von Christian Bernhard, München

Marcel Noebels war stinksauer. Der Angreifer der Berliner Eisbären zertrümmerte seinen Schläger wutentbrannt an der Bande, während seine Gegner Chris Bourque und Zach Redmond sich grinsend um den Hals fielen. Noebels hatte am Samstag einen Treffer der Marke "Tor des Monats" erzielt, falls es diese Wahl im Eishockey gäbe, und mit seinen Eisbären lange Zeit geführt, doch am Ende des dritten Gruppenspiels im Magentasport Cup zwischen dem EHC Red Bull München und den Berlinern jubelten die Münchner: 3:2 nach Verlängerung gewannen sie, da Bourque im Schlussdrittel mit zwei Treffern (44., 59.) aus einem 0:2 ein 2:2 machte - und Redmond die Scheibe in der Verlängerung so glänzend auflegte, dass der Verteidiger sie nur noch über die Linie drücken musste. "Wir waren da, wenn es darauf ankam", betonte Bourque nach Spielende.

Es kommt nun auch wieder öfter darauf an. Seit Donnerstag wissen die Spieler und Trainer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), dass das Vorbereitungsturnier, an dem acht der 14 DEL-Klubs derzeit teilnehmen, in der Tat auch ein Vorbereitungsturnier für die diesjährige DEL-Saison ist. Am 17. Dezember wird die Spielzeit beginnen, mehr als neun Monate nachdem sie Corona-bedingt vor dem Start der letztjährigen Playoffs beendet wurde. Das sorgt beim DEL-Rekordmeister aus Berlin und dem Meister von 2016 bis 2018 aus München für große Erleichterung. Eisbären-Kapitän Frank Hördler ist darüber "absolut happy" und verspürt eine "absolute Vorfreude".

Ticketeinnahmen machen rund 40 Prozent des Etats vieler Klubs aus

Möglich gemacht haben den Restart ein erneuter Gehaltsverzicht der Spieler und das Entgegenkommen vieler Sponsoren. "Wir wissen natürlich auch, was die Klubs, die Besitzer, wir Spieler aber auch die Fans opfern mussten", betont Hördler. Leicht war dieser Prozess keinesfalls. "Die vergangenen Wochen und Monate waren nicht einfach, auch nicht für uns Eisbären", berichtet Berlins Geschäftsführer Peter John Lee. DEL-Vereine erwirtschaften bis zu 80 Prozent ihres Umsatzes an den Spieltagen vor Ort, alleine die Ticketeinnahmen machen rund 40 Prozent des Etats vieler Klubs aus. "Wir haben alle tief in unsere Taschen gegriffen", sagt Lee, jeder habe seinen Teil dazu beigetragen, dass es drei Monate später als eigentlich geplant losgehen könne.

Die Favoritenrolle für die anstehende Saison schob Berlins Leo Pföderl am Samstag schon mal elegant den Münchnern zu. "München hat heuer wieder die beste Mannschaft", sagte der Stürmer. "Da müssen wir nicht drüber reden." Davon war am Samstag - exakt 1000 Tage, nachdem die deutsche Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang Silber gewonnen hatte - allerdings lange Zeit wenig zu sehen. Die Münchner, die ohne die angeschlagenen Angreifer Mark Voakes und Yasin Ehliz antraten, begannen bereits unkonzentriert: Ein grober Fehlpass von Silbermedaillengewinner Yannic Seidenberg ermöglichte Silbermedaillengewinner Noebels bereits nach 30 Sekunden eine Top-Chance, die der Stürmer nicht nutzte. In Minute zwölf gingen die Eisbären aber in Führung. Frank Hördler zog von der Blauen Linie ab und Parker Tuomie fälschte die Scheibe vor Münchens Torhüter Kevin Reich erfolgreich ab. Damit ging auch das zweite Turniertor der Berliner auf das Konto des 25-jährigen Angreifers, der im Sommer nach sieben Jahren in Nordamerika wieder zu seinem Jugendklub in Berlin zurück gekehrt war. "Beide Mannschaften spielen sehr aggressiv", sagte Seidenberg nach den ersten 20 Minuten.

Die beweglichen und spritzigen Berliner bereiteten dem Hauptrundensieger der letztjährigen Saison auch im Mitteldrittel einige Probleme. Bei einem Pfostentreffer von Pierre-Cedric Labrie hatten die Münchner noch Glück (25.), doch gegen das schicke Kabinettstückchen von Noebels, der sich die Scheibe vor Reich durch die Beine zog und sie dann gefühlvoll ins Tor lupfte, war nichts auszurichten (29.). Anders als die meisten anderen DEL-Klubs ist der EHC in einem, für die ungewissen Corona-Umstände, guten Spielrhythmus. Schon vor dem Start des Cups bestritt er zehn Testspiele, der Auftritt gegen die Eisbären war Spiel Nummer 13 seit dem Spätsommer. Das kam nach der zweiten Drittelpause bei Bourques späten Toren und Redmonds Treffer in der Verlängerung zum Tragen. "Im letzten Drittel fehlte uns vielleicht ein bisschen die Erfahrung und Abgeklärtheit, um die Scheiben rauszukriegen", sagte Berlins Tuomie. Bis zum 17. Dezember haben die Eisbären und alle anderen DEL-Klubs ja noch Zeit, um an solchen Details zu feilen.

© SZ/jki
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