Interviews mit Leo Pföderl sind für beide Seiten eine Herausforderung. Der Eishockey-Nationalspieler von den Eisbären Berlin erachtet das Frage-Antwort-Spiel als notwendiges Übel, als Programmpunkt, der eben dazugehört wie der Räderwechsel im Frühjahr: Je eher man es erledigt, desto schneller hat man es hinter sich. Journalisten – besonders solche, die des Bairischen nicht mächtig sind – müssen damit leben, dass die mit einem Lächeln vorgetragene Standardantwort des gebürtigen Bad Tölzers (nur leicht verkürzt, d. Red.) dann meistens lautet: „Ja. Mei. Och.“ Schönen Tag noch und bis zum Herbst, wenn die Winterreifen drauf müssen.
Pföderl, 32, lässt lieber Taten sprechen, und das heißt: Tore. Am Sonntag waren es zwei im zweiten Finalspiel gegen die Adler Mannheim, zum 3:0 und 4:0, Endstand 5:1 für die Eisbären, die in der Best-of-seven-Serie nun 2:0 führen. Seit 2019 stürmt und trifft Pföderl für Berlin und macht darum wenig Aufhebens. Aber am Sonntag setzte er eine neue Wegmarke in der Geschichte der Deutschen Eishockey Liga (DEL), die ihn zu einem verbalen Statement zwang: Sein 4:0 gegen Mannheim, ein humorloser Direktschuss, der einem lockeren Schuss aus dem Handgelenk folgte, welcher mit 125 km/h ins Mannheimer Netz gerauscht war, war Pföderls 50. Playoff-Treffer. So oft wie er hat kein anderer Spieler in der Geschichte der DEL in K.-o.-Spielen das Netz ausgebeult, nicht einmal die notorischen Torjäger Patrick Reimer und Michael Wolf, die beiden Führenden in der sogenannten ewigen Torschützenliste. Pföderl findet sich dort mit 278 Treffern mittlerweile unter den top Fünf, Tendenz steigend – sein Vertrag in Berlin läuft noch bis 2029.
Pföderls Antworten sind wie das Spiel der Berliner: schnörkellos und auf maximale Effizienz getrimmt
Sein persönliches Jubiläum nahm der gelernte Maurer genauso trocken zur Kenntnis, wie er seine Schüsse vom Schläger lässt, als würde er eine Kelle Mörtel auf Ziegel klatschen: „Ja. Nehm’ i mit, und weiter geht’s“, sagte er bei Magentasport. In der Nachsynchronisation seines Klubs hieß das später: „Ich freue mich über mein 50. Tor in den DEL-Playoffs, mein Fokus gilt aber den nächsten Spielen.“
Pföderls Tore sind wie seine Antworten – schnörkellos, getrimmt auf maximale Effizienz – geradezu typisch für die Spiel- und Herangehensweise der Berliner Eisbären, die in dieser Saison von einer horrenden Verletzungswelle heimgesucht wurden: Kapitän Kai Wissmann machte sein erstes Spiel nach einem Achillessehnenriss erst im Januar, in Korbinian Geibel, Patrick Khodorenko, Lean Bergmann, Blaine Byron und zuletzt Torhüter Jake Hildebrand fallen weitere Leistungsträger zum Teil seit Monaten aus. Aber Jammern hilft nicht. Stattdessen nutzen die Berliner, in der Hauptrunde nur auf Platz sechs ins Ziel eingelaufen, die Chancen, die sich ihnen bieten. Und Mannheim gewährte ihnen am Sonntag einfach zu viele. Jeder vierte Schuss der Berliner landete im Tor, zum Vergleich: Mannheim erzielte bei 19 Versuchen gerade mal den Ehrentreffer (was unter anderem auch am maximal sachlichen Torwartspiel von Eisbären-Goalie Jonas Stettmer liegt). Auch Pföderl, als Anhänger des Fußballklubs TSV 1860 München Kummer gewohnt, musste eine Strecke von 13 Spielen ohne eigenen Treffer hinter sich bringen. Jetzt, im Finale, ist er da.
Zwei Siege fehlen Rekordmeister Berlin noch zum fünften Titel seit 2021. Am Dienstag (19.30 Uhr, Magentasport und DF 1) geht die Serie weiter, am Donnerstag könnte sie in Berlin bereits enden. Leo Pföderl würde dann vermutlich wieder mit einer Bierflasche auf dem Eis stehen und auf Reporterfragen mit einem versonnenen Grinsen antworten. Ja, mei, schee is halt. Und im Herbst geht’s weiter.

