DEL-PlayoffsEine Härte, die niemand sehen will

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Das Spiel zwischen Ingolstadt und München wurde nicht nur durch Auseinandersetzungen wie diese, sondern vor allem durch ein brutales Foul an Edwin Tropmann geprägt.
Das Spiel zwischen Ingolstadt und München wurde nicht nur durch Auseinandersetzungen wie diese, sondern vor allem durch ein brutales Foul an Edwin Tropmann geprägt.
Schäfer/Fotostand/Imago

155 Strafminuten: Das hitzige DEL-Viertelfinale zwischen Ingolstadt und München läuft völlig aus dem Ruder. Ingolstadts Edwin Tropmann wird nach einem Check bewusstlos abtransportiert – die Spieler sind „geschockt“.

Von Christian Bernhard

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Wenn die letzten 100 Sekunden in einem Playoff-Eishockeyspiel nicht mehr gespielt werden, dann muss etwas Schlimmes vorgefallen sein. Am späten Dienstagabend war in der Ingolstädter Eisarena genau das der Fall. Denn als die Schiedsrichter die Scheibe freigaben und beide Mannschaften auf Anordnung der Unparteiischen die Zeit herunterlaufen ließen, ohne aktiv zu werden, waren der Sport und der 7:2-Sieg des ERC Ingolstadt gegen den EHC Red Bull München in den Playoffs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in den Hintergrund geraten.

Kurz zuvor war es beunruhigend still in der Arena geworden, nachdem Münchens Nationalspieler Fabio Wagner ERC-Verteidiger Edwin Tropmann beim Spielstand von 2:7 aus Münchner Sicht mit einem brutalen Check an den Kopf aufs Eis geschickt hatte. Tropmann, zuvor schon das Ziel mehrerer Münchner Attacken, musste minutenlang auf dem Eis behandelt werden, zehn Rettungskräfte inklusive Sanitätern und beiden Teamärzten kümmerten sich um den bewusstlosen 21-Jährigen, ehe er auf einer Trage vom Eis und direkt ins Klinikum gebracht wurde. Ingolstadts Manager Tim Regan sagte am späten Dienstagabend, Tropmann sei in einem „stabilen Zustand“. Erst auf dem Weg ins Klinikum sei er wieder ansprechbar gewesen – wo er sich nach Klubangaben auch am Mittwoch noch befand, zur weiteren Abklärung seiner Kopf- und Nackenverletzungen.

Die Spieler seien „absolut geschockt“, sagt Ingolstadts Manager

Die Pressekonferenz der beiden Trainer wurde nicht abgehalten, weder Spieler des ERC noch des EHC sprachen zur Presse. „Die Jungs sind in keinem guten Zustand in der Kabine“, sagte Regan über seine Spieler, sie seien „absolut geschockt“. Münchens Manager Christian Winkler machte sich kurz nach Spielschluss auf den Weg zur Ingolstädter Kabine, um sich nach dem Gesundheitszustand von Edwin Tropmann zu erkundigen. Das sei das Allerwichtigste, „alles andere ist zweitrangig“, sagte er. „Ich hoffe, dass es nicht ganz so schlimm ist, wie es auf dem Eis ausgehen hat.“

Regan und Winkler waren sich darin einig, dass Szenen wie diese nicht zum Eishockeysport gehören. „So etwas wollen wir nicht sehen, darüber brauchen wir nicht reden“, sagte Winkler. Das habe „nichts mit Eishockey zu tun“, unterstrich Regan, „das schadet unserem Produkt und der Gesundheit der Spieler“. Vielleicht sei auf Münchner Seite Frustration aufgrund des Spielstands vorhanden gewesen, „aber in diesem Maß gibt es keine Entschuldigung“, sagte Regan. Beide Klubverantwortlichen sprachen in den Katakomben leise und waren sichtlich berührt. Regans Sichtweise, dass „die Trainer die Mannschaft im Griff haben müssen, vor allem bei diesem Spielstand“, hielt Winkler entgegen: „Der Trainer kann nicht aufs Eis laufen.“

Dass es in den Playoffs härter zur Sache geht, ist nicht neu, doch dieses Spiel lief aus dem Ruder. Die unrühmlichen Zahlen dazu: 155 Strafminuten, 125 davon auf Münchner Seite. Wagner war der vierte Münchner Spieler, der aus disziplinarischen Gründen vorzeitig in die Kabine geschickt wurde. Die Stimmung war auch nach Spielschluss aufgeheizt: Teile der Ingolstädter Fanszene postierten sich in der Nähe des Münchner Mannschaftsbusses, Dutzende Polizeikräfte machten ihm den Weg frei. Auch auf der Autobahn Richtung München bekam der Bus noch Polizeischutz.

Die Emotionen hätten sich nicht erst in diesem Spiel hochgeschaukelt, sagt Münchens Manager Winkler

Dass Fabio Wagner das üble Foul begangen hatte, war für viele Beteiligte schwer zu erklären. Der 30-Jährige war erst im vergangenen Sommer, nach elf Jahren in Ingolstadt, fünf davon als Kapitän, nach München gewechselt. Wagner, der auf die Erfahrung von 625 DEL-Spielen, zwei Olympia-Teilnahmen und fünf Weltmeisterschaften blicken kann, war bislang nicht für solche Szenen bekannt gewesen – er gilt als harter, aber nicht als unfairer Spieler. Fabio Wagner sei keiner, „der versucht, Spieler zu verletzen“, sagte Winkler, in diesem Fall seien die „Emotionen mit ihm durchgegangen“. Wagner muss mit einer langen Sperre rechnen. Er entschuldigte sich tags darauf via sozialer Medien bei Tropmann („tut mir aufrichtig leid“ (…), „ich trage die volle Verantwortung“).

Für Mittwoch kündigten Regan und Winkler ein Gespräch miteinander an – denn die Playoff-Viertelfinalserie, in der es jetzt 2:2 steht, geht schon am Donnerstag in München weiter (19.30 Uhr). Auf die Frage, wie man bis dahin am besten die Spieler adressieren könne, antwortete Regan: „Das ist eher eine Frage für Red Bull München, wie sie Eishockey präsentieren wollen.“ Winkler hatte in seinem Statement im Kabinengang darauf verwiesen, dass sich die Vorgänge „nicht erst heute hochgeschaukelt“ hätten: „Wir haben auch einen Spieler, der daheim liegt, dem es auch überhaupt nicht gut geht.“ Er meinte damit Ryan Murphy, der nach einem Check gegen den Kopf von Morgan Ellis in Spiel zwei, für den der ERC-Verteidiger für ein Spiel gesperrt worden war, an einer Gehirnerschütterung laboriert. Es gehe jetzt darum, „die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen“, um am Donnerstag ein „normales Eishockeyspiel“ zu sehen, sagte Winkler. „So normal, wie es sein kann.“

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