EHC-Aus gegen MannheimDie Münchner Lücke zwischen Meisteranspruch und Wirklichkeit

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Maximilian Kastner mit dem Gesichtsausdruck zur Münchner Halbfinalserie gegen Mannheim.
Maximilian Kastner mit dem Gesichtsausdruck zur Münchner Halbfinalserie gegen Mannheim. Thorsten Hetterich/Jan Huebner/Imago
  • Der EHC Red Bull München verliert das Halbfinale gegen Mannheim mit 1:4 Spielen und verpasst zum dritten Mal nacheinander das DEL-Finale.
  • Trotz Meisteranspruch klafft eine Lücke zur Wirklichkeit: 14 EHC-Spieler sind älter als 30 Jahre, im deutschen Spielersegment zwischen 23 und 30 Jahren gibt es nur einen Akteur.
  • Nach SZ-Information ist die Verpflichtung von Straubings Angreifer Elis Hede für die kommende Saison fix, während mehrere NHL-Klubs Interesse an Nachwuchstalent Veit Oswald zeigen.
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Zum dritten Mal nacheinander verpasst der EHC Red Bull München das Finale der Deutschen Eishockey Liga. Wer eine Erklärung sucht, findet sie beim Blick auf den Kader.

Von Christian Bernhard

Das Spiel war noch nicht zu Ende, die Serie auch ebenfalls nicht, und schon gar nicht die Saison. Und doch hätte Tobias Rieder die Halbfinalserie aus Sicht seiner Mannschaft wohl kaum besser zusammenfassen können als mit diesem Satz, den er 20 Minuten vor Ende des Spiels in der Drittelpause sprach: „Wir sind nicht abgezockt genug“, sagte der Stürmer des EHC Red Bull München am Freitagabend beim Stand von 1:2 aus EHC-Sicht im fünften Halbfinalspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gegen die Adler Mannheim.

Rieder hatte zuvor getroffen, es war sein achtes Tor in diesen Playoffs, was ihn zum erfolgreichsten Torschützen der diesjährigen Endrunde macht. Doch sein Tor reichte nicht: 1:4 verloren die Münchner in Mannheim, und damit auch die Halbfinalserie mit 1:4 Spielen. Ins Finale zogen damit die Mannheimer erstmals seit 2019 ein.

EHC-Trainer Oliver David und Kapitän Patrick Hager trauerten insbesondere den ersten zwei Halbfinalspielen nach, die der EHC trotz guter Leistungen jeweils in der Verlängerung verloren hatte. „Das waren die Knackpunkte“, erklärte Hager. „Wir haben die meiste Zeit sehr gut gespielt, haben nur nicht mehr Spiele gewonnen“, sagte David, der das Saisonende mit dem unweigerlichen Gang der Natur verglich: Am Beginn jeder Saison sei das Leben, am Ende eine Art Tod. „Wir starten wieder, wie der Frühling. Die Blumen werden wieder blühen. Wir haben neue Samen gesät, diese werden wachsen.“

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Manager Christian Winkler hatte vor der Saison einen großen Umbruch vollzogen, elf neue Stammspieler wurden während der Spielzeit integriert. „Das ist ein halbes neues Team“, betonte David, ebenso neu in München wie sein Co-Trainer Rob Leask. Nach einem problematischen Saisonstart („Am Anfang haben wir uns wirklich schwergetan“, sagte der neue Verteidiger Phillip Sinn) fing sich das Team und holte als Hauptrundenvierter noch 100 Punkte.

Das Ziel aber war wie stets in den vorangegangenen Jahren der Gewinn der Meisterschaft. Das haben Spieler und Verantwortliche immer wieder deutlich gemacht. Erst kürzlich, inmitten der Playoffs, erklärte Winkler: „Wir treten jedes Jahr an, um Meister zu werden. Ich sage immer: Für alles andere, wenn wir etwa sagen würden, wir wollen Dritter oder Vierter werden, würden wir zu viel Geld ausgeben.“ Kapitän Hager unterstrich das am Freitag, nach dem Saison-Aus: „Der Anspruch in München ist, jedes Jahr zu gewinnen. Und das ist auch richtig so.“ Die Qualität sei groß genug gewesen, „um dieses Jahr auch gewinnen zu können“.

Insgesamt 14 EHC-Spieler sind älter als 30 Jahre

Aber: Der bis dato letzte Titel liegt mittlerweile drei Jahre zurück. Und in den vergangenen drei Spielzeiten waren die Münchner vom Titel ziemlich weit entfernt. Die Hauptrunden in der DEL beendeten sie zweimal auf Rang fünf und diese Saison auf Platz vier, in den Playoffs gab es nicht nur jetzt, sondern bereits im Halbfinale 2024 (gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven) ein deutliches 1:4-Scheitern in der Serie. Vergangene Saison war bereits im Viertelfinale Schluss, auch gegen die Mannheimer. Der Meisteranspruch und die Wirklichkeit klaffen nunmehr schon die dritte Spielzeit in Serie auseinander.

Ein Blick auf den Kader zeigt mögliche Erklärungen. In Phillip Sinn, 22, und Philipp Krening, 21, verfügt der EHC über vielversprechende Talente, die allesamt die Konzernakademie in Liefering bei Salzburg durchlaufen haben. Veit Oswald, 21, war der beste U23-Spieler der DEL-Saison. Im deutschen Spielersegment zwischen 23 und 30 Jahren haben die Münchner aktuell allerdings nur einen Spieler: Verteidiger Maximilian Daubner, 28.

Einige der stärksten deutschen DEL-Spieler in dieser Kategorie waren mal in München (Mannheims Justin Schütz, Berlins Frederik Tiffels) oder haben sich in der jüngeren Vergangenheit für andere deutsche Klubs entschieden (Alexander Ehl und Leon Gawanke für Mannheim; Dominik Bokk für Köln; Leon Hüttl für Ingolstadt). Der Vertrag mit Nationalspieler Luis Schinko, 25, der im vergangenen Sommer nach München gewechselt war, wurde bereits nach wenigen Monaten aufgelöst. Schinko kehrte nach Wolfsburg zurück.

So ist der Kader in die Jahre gekommen: Sechs deutsche Stammspieler, darunter Rieder, Yasin Ehliz, Maximilian Kastner und Mathias Niederberger, sind 33 oder älter, insgesamt haben 14 EHC-Spieler die 30-Jahre-Marke schon überschritten. Frischer Wind dürfte aus Niederbayern kommen. Nach SZ-Information ist die Verpflichtung von Straubings Angreifer Elis Hede für kommende Saison fix. Der 25-Jährige ist aktuell bei der deutschen Nationalmannschaft und erzielte in dieser DEL-Saison 19 Tore. Ob auch Veit Oswald, Münchens auffälligster junger Spieler der Saison, kommende Spielzeit das EHC-Trikot tragen wird, ist insofern fraglich, da mehrere NHL-Klubs, darunter die Edmonton Oilers von Leon Draisaitl, Interesse angemeldet haben.

Der 37-jährige Kapitän Patrick Hager will an der Zukunft der EHC jedenfalls weiter teilhaben. „Im Vergleich zu den letzten zwei Jahren haben wir einen super Turnaround geschafft“, sagte er beim Sender Magentasport. „Wenn wir den Kern der Mannschaft behalten, können wir darauf sehr gut aufbauen.“

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