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Saisonabbruch:Eine Eishockey-Saison ohne Playoffs und ohne Meister

EHC Red Bull München - Straubing Tigers

Münchens Trainer Don Jackson (m.): In der Tabelle ganz oben, aber doch kein deutscher Meister

(Foto: dpa)
  • Der deutsche Meistertitel 2019/2020 wird nicht vergeben: Die DEL sagt wegen des Coronavirus die Playoffs ab.
  • Der EHC München ist Hauptrundensieger, nicht nur dort reagierten die Verantwortlichen mit professioneller Besonnenheit: "Der EHC Red Bull München begrüßt die Entscheidung der DEL. Gesundheit und Sicherheit stehen vor sportlichen oder wirtschaftlichen Interessen."
  • Auch in der DEL2 gibt es keinen Meister und auch keinen sportlichen Absteiger.

Der EHC Red Bull München wäre zweifellos ein würdiger Titelträger gewesen. Das Team von Trainer Don Jackson hat die Hauptrunde der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit 108 Punkten als Erster vor Titelverteidiger Adler Mannheim (102) abgeschlossen und sich zum sechsten Mal in Serie für die Champions League qualifiziert. Aber so zu gewinnen? Immerhin ging es um die 100. deutsche Meisterschaft in der Geschichte.

Die Entscheidung der bayerischen Staatsregierung, wegen des Coronavirus Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern nicht mehr zuzulassen, traf die DEL am Dienstag härter als jeder Bodycheck; auch Bremen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen haben Veranstaltungen dieser Größenordnung untersagt. Damit waren sieben der zehn Playoff-Teilnehmer (Nürnberg, Ingolstadt, Augsburg, Straubing, München, Bremerhaven und Düsseldorf) von der Regelung betroffen. Die Maßnahme gelte vorerst "bis zum Ende der Osterferien", erklärte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag - bis 19. April also.

Nicht nur die erste Playoff-Runde, die an diesem Mittwoch mit den Paarungen Ingolstadt gegen Augsburg und Nürnberg gegen Wolfsburg beginnen sollte, stand somit zur Disposition, sondern die gesamten Playoffs - die Finalserie sollte am 17. April beginnen. Stundenlang berieten die 14 DEL-Gesellschafter am Dienstag in Telefonkonferenzen - mögliche Alternativen waren, die Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen oder die Zuschauerzahl zu begrenzen. Am Abend verkündeten sie dann ihren Beschluss, die Saison vorzeitig zu beenden. Die Playoffs 2020 fallen aus.

"Dass wir die Entscheidung so treffen müssen, tut uns für alle Klubs, Partner und insbesondere Fans in ganz Deutschland unheimlich leid. Wir haben aber angesichts der aktuellen Entwicklungen die Pflicht, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen", wird DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke in einer Mitteilung der Liga zitiert. "Wir als DEL stellen die Gesundheit von unseren Fans, Spielern und Mitarbeitern in den Fokus." Und, ach so: "Aufgrund der vorzeitigen Beendigung der Saison gibt es in diesem Jahr keinen deutschen Meister." Fans, die im Vorverkauf bereits Tickets erworben haben, sollen ihr Geld zurückerhalten. Details sollen am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Köln folgen.

Nicht nur in München reagierten die Verantwortlichen der Klubs mit professioneller Besonnenheit. "Der EHC Red Bull München begrüßt die Entscheidung der DEL. Gesundheit und Sicherheit stehen vor sportlichen oder wirtschaftlichen Interessen", hieß es beim dreimaligen deutschen Meister. Den vierten DEL-Titel eventuell am Kabinettstisch statt auf dem Eis zu erhalten, wäre ein Titel ohne Glanz gewesen. Auch in der DEL 2 ist der Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Geschäftsführer René Rudorisch sagte: "Gerade in Folge einer so spannenden und sportlich extrem ausgeglichenen Saison, wie wir sie in der Hauptrunde erleben durften, tut uns dieses vorzeitige Ende der Saison weh und wir bedauern dies für die gesamte DEL-2-Familie. Allerdings gehen auch an uns behördliche Vorgaben und aktuelle Entwicklungen nicht vorüber." Die Löwen Frankfurt stehen als Hauptrundensieger fest. Auch in der DEL2 gibt es keinen Meister und auch keinen sportlichen Absteiger.

Auch internationale Turniere sind betroffen. Die ab 31. März in Kanada geplante WM der Frauen ist abgesagt. Das Turnier der Männer (8. bis 24. Mai) in der Schweiz steht auf der Kippe. René Fasel, Präsident des Weltverbands IIHF, sagte: "Wenn sich das Virus weiter ausbreitet, werden wir die WM ausfallen lassen. Für mich ist es undenkbar, 64 WM-Spiele ohne Zuschauer zu bestreiten."

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© SZ vom 11.03.2020/ska
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