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Bryson DeChambeau:Der Golfer mit dem 350-Meter-Schlag

Arnold Palmer Invitational Presented By MasterCard - Final Round

Kraftprotz: Golfprofi Bryson DeChambeau feiert seinen spektakulären Sieg beim Turnier am Wochenende.

(Foto: Mike Ehrmann/AFP)

Bryson DeChambeau hat das Potential, seine Sportart zu verändern. Dass der US-Profi mit seinen Kraftschlägen aneckt, nimmt er in Kauf.

Kommentar von Felix Haselsteiner

"You must play boldly to win", man muss mutig spielen, um zu gewinnen, ist ein Satz, der den Golfsport seit 1960 prägt. Arnold Palmer hat ihn damals gesagt, nach seinem Sieg bei den US Open in Cherry Hills, bei dem er sieben Schläge Rückstand aufholte und etwas tat, was bis dahin niemand für möglich gehalten hatte: Er schlug seinen Ball auf dem ersten Loch, einem Par 4, vom Abschlag direkt auf das Grün, 300 Meter weit - so etwas hatte es im Golfsport noch nie gegeben. Heute gilt Palmers Schlag als ein historischer Moment des Sports, an dem neu definiert wurde, was möglich ist. Palmers Mut prägte alle, die mit ihm spielten oder ihm nachfolgten: Spieler wie Jack Nicklaus, Severiano Ballesteros, Tiger Woods - und nun auch Bryson DeChambeau.

DeChambeau, 27, hat am Wochenende das Arnold Palmer Invitational gewonnen, das auf Palmers Heimatplatz Bay Hill in Orlando, Florida, ausgetragen wird. Einem Ort, an dem die Aura des Siegers von 1960 auch Jahre nach seinem Tod noch spürbar ist. Es hätte für DeChambeau kaum einen besseren Ort geben können, um die These zu bekräftigen, dass er den Golfsport mal wieder an einen Punkt geführt hat, an dem definiert wird, was möglich ist.

DeChambeaus Revolution beruht auf Physik, Diät und einer neuen Atemtechnik

DeChambeau setzte am Samstag und Sonntag auf Bahn sechs, die sich sichelförmig um einen großen See zieht, dazu an, das Grün mit dem ersten Schlag zu erreichen. Allerdings nicht auf einem Par drei, auf dem das jeder Hobbygolfer kann, oder auf einem Par vier wie einst Palmer - sondern auf einem Par fünf. 350 Meter weit schlug DeChambeau seinen Ball übers Wasser, kurz vor das Grün. Am Samstag riss er danach die Arme in die Höhe. Die Zuschauer brachen in Jubel aus. Es herrschte Volksfeststimmung.

Der Abschlag war die auf einen Schlag komprimierte Form des Ansatzes, mit dem DeChambeau vorhat, den Sport zu verändern: Mit Hilfe physikalischer Gesetze, einer extrem muskelfördernden Diät und neuerdings einer speziellen Atemtechnik, mit der er seine Herzschlagzahl kurzfristig erhöht, will DeChambeau weiter und gleichzeitig präziser schlagen als jeder vor ihm. Das funktioniert, ohne Frage, die Titel bei den US Open im vergangenen Jahr und nun in Bay Hill sind die Bestätigung dafür, genauso wie die große Anerkennung von seinen Mitspielern. Und doch könnten Vergleiche mit den Legenden verfrüht sein.

"You can't Bryson-proof a golf course", sagte DeChambeau am Sonntag: Man könne einen Platz nicht gegen sein wuchtiges Spiel absichern, auch wenn man ihn weiter verlängern und verengen würde. Von seinem nerdigen, kraftvollen Ansatz ist keiner mehr überzeugt als DeChambeau selbst, das erinnert an den jungen Tiger Woods. Wenn er selbst keine Fehler macht, ist er nahezu unbesiegbar, so die These, die Woods meist bestätigte und DeChambeau erneut aufstellt, unterlegt mit beeindruckenden Statistiken und mathematischen Berechnungen. Das sportliche Potential, damit in die Geschichtsbücher zu kommen, hat der 27-Jährige zweifellos. Und genau darum geht es ihm, dem Grenzgänger des Golfs, und eben weniger darum, so beliebt zu werden wie Palmer und Woods. DeChambeau, das muss man ihm bei aller Polarisierung lassen, zieht seinen Weg durch. Sein Hieb über den See war so gesehen nicht hochmütig, sondern vor allem eines: konsequent.

© SZ/moe/klef
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