Süddeutsche Zeitung

Debatten beim FC Schalke 04:Zweifel am dauerhaften Glück

Zwei Siege und zwei Unentschieden haben zuletzt die Bilanz von Schalkes Trainer Jens Keller verschönert. Dennoch reißen die Spekulationen über mögliche Nachfolger, die im Sommer kommen sollen, nicht ab. Nicht nur der Name Armin Veh geistert neuerdings durch Gelsenkirchen.

Nein, es ist seit dem 4:1-Sieg in Wolfsburg noch niemand auf Horst Heldt zugekommen und hat ihm zu dieser hervorragenden Trainerwahl gratuliert. "Die Größe haben die Wenigsten", merkt Schalkes Sportchef an, und das klingt womöglich deshalb ein wenig bitter, weil es auch genau so gemeint ist.

Was das Willkommen betrifft, das der Trainer Jens Keller seit dem Amtsantritt in Gelsenkirchen erfahren musste, ist Heldt immer noch schockiert, obwohl sich die Situation zuletzt entspannt hat. "Jeder Trainer bekommt doch eine Chance, sich entwickeln zu dürfen, aber Jens Keller hat sie nie bekommen", sagt er, "vom ersten Tag an wurde er abgekanzelt, und das nicht nur vom Boulevard".

Das Gute am Rheinländer Horst Heldt ist aber, dass er auch in ernsten Dingen gern noch einen Spaß macht. Er kann sich daher auch darüber amüsieren, dass die harten Trends in Schalke manchmal schneller die Richtung wechseln, als man braucht, um die drei Strophen von "Blau und Weiß, wie lieb ich Dich" zu singen. Und demnächst werde es dann die Schlagzeile "Heldt schmeißt Erfolgstrainer raus" geben, scherzt er.

Zwei Siege und zwei Unentschieden haben zuletzt Kellers Bilanz verschönert, und auch wenn man den Aufschwung ins Verhältnis zu den Schwächen der jeweiligen Gegner setzen muss, so folgt er doch einer ablesbaren Entwicklung der Mannschaft. "Es ist jetzt eine Idee zu erkennen", sagt Heldt und findet das überhaupt nicht verwunderlich: "Die Spieler haben von Anfang an gemerkt, dass er gute Arbeit macht."

Nun stehen allerdings zwei gefährliche Hürden im Weg: die Begegnung mit Borussia Dortmund am Samstag und das Rückspiel gegen Galatasaray Istanbul am nächsten Dienstag bieten andere Herausforderungen als zuletzt Fortuna Düsseldorf und der VfL Wolfsburg.

Sollte Schalke über diese Hindernisse erfolgreich hinwegkommen, dann entspräche es der verdrehten Logik des Fußballgeschäfts, wenn der Interimstrainer Keller zum Kandidaten für eine solide Dauerbeschäftigung ernannt würde. Zumal der Verein diese Lösung ausdrücklich nicht ausgeschlossen hatte, als der 42-Jährige im Dezember den Job übernahm.

Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass Keller auch in der nächsten Saison die Mannschaft betreut. Heldt will sich dazu zwar nicht äußern, aber aus dem Subtext seiner Aussagen geht doch deutlich hervor, dass er nicht an ein dauerhaftes Glück mit Keller glaubt. Er fürchtet offenbar, dass der Mangel an Akzeptanz bei der nächstbesten Gelegenheit wieder zur Geltung käme.

In den vergangenen Tagen hatte wieder das alte Gerücht Konjunktur, dass Armin Veh, 52, längst als Nachfolger ausersehen wäre, der kicker berichtete von einem "unterschriftsreifen Vertrag", während andere Kenner in der Branche verbreiten, dass beide Seiten längst Einigkeit erzielt haben.

Heldt will nichts kommentieren

Horst Heldt will das nicht kommentieren, was einerseits verständlich ist, da die laufende Saison in ihre entscheidende Phase einbiegt und Keller keinen Sportchef braucht, der ihm in den Zeiten des Aufschwungs die Perspektive versagt. Was andererseits aber auch bezeichnend ist, da Veh sozusagen die nächstliegende Lösung wäre: renommierter Fachmann, profilierte Persönlichkeit und obendrein mit Saisonschluss ungebunden.

Vehs Arbeitsverhältnis mit Eintracht Frankfurt endet am 30. Juni, über die Fortsetzung des Engagements haben beide Seiten noch nicht gesprochen. Bei der Eintracht verfolgt man die Spekulationen um Schalke mit Argwohn und nicht ohne Ärger. Doch die Frankfurter können sich gegen das Gerede ebenso wenig wehren wie die Schalker. In beiden Klubs sind die Verantwortlichen darum bemüht, den Einfluss der ungewissen Personalien auf den laufenden Hochbetrieb zu begrenzen.

Die persönliche Beziehung zwischen Heldt und Veh ist durch Härten erprobt. Sie wurden 2007 beim VfB Stuttgart zusammen Meister, zogen in demselben Sommer ins Pokalfinale ein (2:3 gegen Nürnberg) - und knapp anderthalb Jahre später hat der Manager den Meistertrainer entlassen. Dem guten Verhältnis hat das offenbar dennoch nicht geschadet.

Immer noch nicht widerlegt ist außerdem die Meldung, dass Schalke dem Champions-League-Sieger Roberto di Matteo, 42, einen Antrag gemacht habe. Der Schweizer aus Schaffhausen, der 34 Länderspiele für Italien bestritt und bis in den Herbst den FC Chelsea betreute (mit dem er im Mai 2012 gegen den FC Bayern triumphierte), ist begehrt. Zuletzt hat ihn angeblich AS Rom anzuwerben versucht, er soll abgesagt haben.

Di Matteo auf Schalke? Klingt erst mal unwahrscheinlich, dass ein polyglotter Mann seiner Reputation samt seiner drei Kinder aus London nach Gelsenkirchen-Buer umzieht. Aber das hat man bei Raúl auch schon gesagt, und der spanische Weltstar hat sich dann in Düsseldorf - dem Schalker Villenvorort - sehr wohl gefühlt. Konsequenterweise sagt Heldt auch zu diesem Namen nichts. Hier und jetzt, so betont er, heißt Schalkes Trainer Jens Keller.

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SZ vom 06.03.2013/jbe
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