Debatte um Hall of Fame Gäb lehnt Täve Schur ab

Soll die DDR-Radsportlegende Täve Schur in die Ruhmeshalle des deutschen Sports aufgenommen werden - obwohl er bis heute den DDR-Sport verklärt? Hans-Wilhelm Gäb ist dagegen. Der Sporthilfe-Ehrenvorsitzende hatte die Hall of Fame einst initiiert.

Der ehemalige Chef der Sporthilfe-Stiftung und Hall-of-Fame-Mitbegründer Hans Wilhelm Gäb, 81, hat sich strikt gegen eine Aufnahme des DDR-Radsportidols Gustav-Adolf "Täve" Schur in die Ruhmeshalle des deutschen Sports ausgesprochen. "Kein Mensch käme auf die Idee, einen im Sport erfolgreichen Nazi, wenn er auch heute noch die Untaten des Regimes verherrlichte, in die Hall of Fame aufzunehmen. Warum dann Schur, der mit 86 Jahren immer noch als Propagandist einer Diktatur auftritt, die erwiesenermaßen tausende Menschenleben auf dem Gewissen hat?", sagte Gäb der Nachrichtenagentur sid. Er stellte sich damit gegen die Nominierung Schurs durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sowie gegen die Tolerierung des Vorschlags durch die Deutsche Sporthilfe.

Der ehemalige Auto-Manager, Tischtennis-Nationalspieler und Sporthilfe-Vorstand ist heute Aufsichtsrats-Ehrenvorsitzender der Sporthilfe. Er hatte die Hall of Fame 2008 mit initiiert, um "die Erinnerung an große Gestalten des deutschen Sports wachzuhalten". Nun räumte er ein, "dass wir die Fülle der mit der Hall of Fame verbundenen Probleme nicht im vollen Umfang erkannt haben". Schur, dessen erste Nominierung 2011 abgelehnt worden war, hatte zuletzt erneut die Doping-Geschichte der DDR verharmlost. Den DDR-Sport als kriminell zu bezeichnen, sei "völliger Quatsch", sagte er der Zeitung Neues Deutschland. Einige Mitglieder der Hall of Fame erklärten, dennoch für die Aufnahme Schurs gestimmt zu haben, darunter die Olympiasiegerinnen Ulrike Nasse-Meyfarth und Heide Ecker-Rosendahl.