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Debatte um Fußball-WM in Katar:Zwanziger kritisiert Niersbach

Theo Zwanziger

"Man hat auch eine gesamtpolitische Verantwortung": Theo Zwanziger

(Foto: dpa)

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger tadelt seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach: Der DFB müsse sich aktiv in die Debatte um die umstrittene Fußball-WM 2022 in Katar einmischen. Auch seine Kollegen im Fifa-Exekutivkomitee weist Zwanziger zurecht.

Theo Zwanziger, ehemaliger Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach in der Diskussion um die WM in Katar kritisiert. Zwanziger monierte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein aus seiner Sicht zu passives Verhalten des DFB und seines aktuellen Präsidenten. "In wichtigen sportpolitischen Fragen wünschte ich mir natürlich, dass sich auch der DFB einschaltet. Aber das macht jeder in einer Führungsposition so, wie er es für richtig hält", sagte Zwanziger.

Es gebe als Funktionär im Fußball nicht nur die schönen Seiten; "auf der Tribüne sitzen, tolle Spiele sehen, interessante Leute treffen in den Vip-Räumen", sagte Zwanziger: "Man hat auch eine gesamtpolitische Verantwortung, die sichtbar werden muss."

In der vergangenen Woche hatte die englische Tageszeitung "Guardian" berichtet, dass 44 nepalesische Gastarbeiter in nur zwei Monaten wegen Herzinfarkts oder Arbeitsunfällen im WM-Gastgeberland 2022 gestorben seien. Die Arbeitsbedingungen sollen unmenschlich sein, auch von Zwangsarbeit war die Rede.

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Eine Neuvergabe der WM wird es aber nicht geben, hatte FIFA-Präsident Joseph Blatter am Freitag klargestellt. Offen bleibt nur, wann sie ausgetragen wird. "Im Juni/Juli kann dort nicht gespielt werden. Das steht für mich fest. Außer, man legt Katar unter eine Kühlhaube. Jeder, der da ohne Rücksicht auf Verluste mit dem Kopf durch die Wand will, der ist verantwortlich für jeden Todesfall, der dann dort passiert", sagte Zwanziger.

Im Deutschlandfunk berichtete der ehemalige DFB-Chef aber auch davon, dass es im FIFA-Exekutivkomitee Mitglieder gebe, "die sagen: 'Wir sind für den Fußball zuständig, für die Organisation der Spiele und das, was um das Spiel herum passiert". Die Einhaltung der Menschenrechte habe der Staat Katar zu gewährleisten.

Zwanziger, selbst im FIFA-Exekutivkomitee, sagte: "Wenn wir Fußball rund um die Welt spielen wollen, dann werden wir immer wieder mit Menschenrechtsfragen konfrontiert, aber wir müssen uns klar bekennen und für Menschenrechte einsetzen." In dieser Hinsicht gehen die Meinungen im Komitee laut Zwanziger weit auseinander: "Das wird sehr schwer für Sepp Blatter (FIFA-Präsident, Anm. d.Red.), diese Bandbreite am Ende nach außen zu vertreten."