bedeckt München

Debatte im Fußball:Doping? Darf nicht sein

Borussia Dortmund's coach Klopp reacts during their Champions League round of 16 first leg soccer match against Juventus at the Juventus stadium in Turin

"Wenn sie etwas gekriegt haben, dann haben sie es sicher nicht gewusst" sagte Jürgen Klopp in der ARD

(Foto: REUTERS)

Sie verharmlosen, leugnen und ziehen das Thema ins Lächerliche. Jürgen Klopp, Robin Dutt und Mehmet Scholl haben sich über Doping im Fußball geäußert. Ihre Ansichten machen beklommen.

Kommentar von Thomas Hummel

Ausgerechnet Jürgen Klopp, Robin Dutt und Mehmet Scholl. Drei aus der Fußball-Branche, die als intelligente Vertreter gelten. Drei, denen man zutraut, auch mal Probleme ihres Arbeitsgebietes kritisch zu kommentieren. Die weitläufig beliebt sind beim Fußballvolk und damit eine nicht zu unterschätzende Meinungsmacht haben. Ausgerechnet sie! Binnen zehn Minuten sendete die ARD nach dem Pokalspiel Dynamo Dresden gegen Borussia Dortmund Ansichten der drei zum Thema Doping im Fußball - und diese Ansichten machten beklommen.

Robin Dutt ist seit Kurzem Sportdirektor des VfB Stuttgart. Der Verein steht aktuell im Verdacht, Ende der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre Anabolika-Doping seiner Spieler aktiv unterstützt zu haben. Dutt war jahrelang Trainer beim SC Freiburg (der zweite Verein unter Verdacht), bei Bayer Leverkusen und Werder Bremen, zwischenzeitlich Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Die Frage an ihn am Dienstagabend: Wie effektiv wäre denn Doping möglicherweise im Fußball, Herr Dutt? Die Antwort: "Völlig uneffektiv, weil wir eine Mischsportart haben, technisch-taktische Komponenten. Der Spieler wäre mit Dummheit gestraft, würde er sich versuchen, darüber irgendwie zu optimieren. Er würde sich sicherlich in der Leistung eher verschlechtern."

Doping macht den Sportler schlechter?

Dann kam Dortmund-Trainer Klopp zur Spielanalyse ins ARD-Studio zu Moderator Reinhold Beckmann. Frage an Klopp: Systematisches Doping im Fußball, für Sie vorstellbar? Antwort: "Fußballer sind in dem Bereich wirklich nicht systematisch unterwegs, in keiner Zeit gewesen."

Falls sich jemand in Freiburg (beim schwer unter Beschuss geratenen Doktor Armin Klümper) habe behandeln lassen, könne es Doping gegeben haben. Aber "ohne, dass es jemand mitbekommen hat". Klopp glaubt, "die haben ein bisschen vor sich hingetestet". Falls im Fußball gedopt werde, dann "immer von medizinischer Seite, die mal etwas ausprobiert". Unter den Fußballern, die zu dieser Zeit gespielt hätten, sei keiner, dem er Doping nur im Ansatz zutrauen würde. "Wenn sie etwas gekriegt haben, dann haben sie es sicher nicht gewusst."

Mehmet Scholl bestätigte Klopp: "Ich kann mir vorstellen, so wie Kloppo das gesagt hat, man probiert das einfach mal. Man hat einfach die Fußballer so ein bisschen als Versuchskaninchen benutzt. Vielleicht wusste der ein oder andere auch, was er da nimmt. Aber nicht, welche Wirkung es auf den Körper hat."

Klopp und Scholl haben die Bösen in diesem Spiel identifiziert: die Ärzte. Und stellen allen Fußballern eine Art Blankoscheck aus. Nach dem Motto: Sobald jemand auf den Platz rennt und gegen den Ball haut, ist seine Seele rein und er rührt nichts an, was seine Leistung verbessert. Oder sie vertreten Meinungen à la Dutt: Es bringt ja gar nichts. Fußballer, die dopen, verschlechtern sich. Scholl formuliert das so: "Fußball ist so eine komplexe Sportart. Nehmen wir mal an, du nimmst was zum Muskelaufbau. Darunter leidet die Koordination und die Schnelligkeit, ne, nicht die Schnelligkeit, aber die Koordination. Nimmst du was für die Kondition, dann wirst du langsamer. Ne, im Fußball macht das nicht wirklich Sinn."

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite