Debatte beim FC Bayern Zünftiges Fingerhakeln

Matthias Sammer ist über die Phase, in der er geliebt werden will, längst hinaus. Vielleicht war er auch nie drin in dieser Phase. Er ist ein ebenso radikaler wie höchst erfolgreicher Verfechter der Theorie, wonach aus Reibung Wärme entsteht, und als Vertreter dieser strengen Glaubensrichtung passt er optimal zum FC Bayern - sollte man meinen. Allerdings hat Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Moskau-Spiel ein paar Sätze gesagt, die aufs Gegenteil schließen lassen.

Nach Präsident Hoeneß hat auch er Sammer einen öffentlichen Verweis erteilt. Es gebe zwar den Satz "Wehret den Anfängen", so Rummenigge, aber man könne "mit solchen Äußerungen auch mediale Steilpässe abschießen, die am Ende kontraproduktiv sind". Der Mannschaft werde Sammers Tadel "nicht gefallen haben, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es dem Trainer gefallen hat, und uns hat's auch nicht gefallen".

Ein derartig muskulöse Rhetorik gehört durchaus zur Hauskultur dieses Vereins, dessen Angestellte 2001 die Champions League gewannen, nachdem der damalige Präsident Beckenbauer die Spieler zuvor noch als "Uwe-Seeler-Traditionself" verleumdet hatte. Ob der aktuelle Konflikt - hier Rummenigge/Hoeneß, da Sammer - aber noch zur Klubfolklore zählt, traut sich im Moment keiner vorherzusagen.

FC Bayern München Papa Hoeneß darf alles

Debatte beim FC Bayern

Papa Hoeneß darf alles

Matthias Sammer kritisiert, Uli Hoeneß kontert: Der FC Bayern beginnt seine internationale Spielzeit mit einem Ruckreden-Duell. Der oberflächliche Zwist legt einen strukturellen Konflikt offen - es geht um die Rolle, die Sammer zukünftig im Klub einnehmen soll.   Von Christof Kneer

Dass Hoeneß und Rummenigge ihrem Sportvorstand öffentlich ins Wort fallen, lässt auf grundsätzlichere Verspannungen schließen. Uli Hoeneß' vorsichtiger Satz, wonach Sammer "erst mal das Sportliche in den Vordergrund stellt" (SZ vom 17.9.), deutet auf eine unterschiedliche Auslegung des Jobprofils hin. Rummenigge und Hoeneß wünschen sich offenbar einen umfassend tätigen Klubrepräsentanten, der seine hohen Kompetenzen in Kaderplanung, Trainerpflege und Mentalitätsschärfung um jene handwerklichen Fähigkeiten erweitert, die es zur Abwicklung komplexer Transfers braucht.

Sammer sieht sich eher nicht als Verhandler, er findet, dass er nicht die Details von 40-Millionen-Deals verantworten muss, wenn die routinierten Rummenigge und Hoeneß das ohnehin besser können. Gleichzeitig hat er womöglich nicht das Gefühl, dass die Wichtigkeit seines Jobansatzes überall im Haus verstanden wird.

Zur bayerischen Folklore gehört, sich nach zünftigem Fingerhakeln unter Zuhilfenahme von ein paar Maß Bier wieder zusammenzuraufen. Das funktioniert immer; nein: fast immer. Am Samstag beginnt das Oktoberfest.

FC Bayern in der Einzelkritik

Coolster Jungspund Alaba