Debatte beim FC Bayern:Hoeneß sucht den neuen Hoeneß

Uli Hoeneß

Sucht seinen Nachfolger: Uli Hoeneß.

(Foto: dpa)

Präsident Uli Hoeneß hat die Abteilung Attacke beim FC Bayern einst begründet. Mit Christian Nerlinger scheiterte der erste Versuch, einen Nachfolger zu installieren, nun soll Matthias Sammer in die Vakanz hineinwachsen. Doch der Sportdirektor ist auf einem kaum messbaren Feld unterwegs.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Das Problem von Matthias Sammer ist zunächst einmal, dass er auf einem schwer messbaren Feld unterwegs ist. Denn Sammer tut beim FC Bayern nach seinem Selbstverständnis genau das, was er als Spieler tat: Er arbeitet im defensiven Mittelfeld, im Dunkeln, im Maschinenraum des Fußballs. Nur selten, nur wenn es ihm geboten erscheint, drängt er ins Rampenlicht.

So vor einem Jahr, als er trotz eines 2:0-Siegs in Bremen den Stil der Mannschaft "lätschern" nannte. So im Mai in Dortmund, als er gegen den dortigen Leitwolf Jürgen Klopp in einer Macho-Schrei-und-Kraftprotz-Nummer in den Ring stieg. So auch jetzt, ein Jahr nach Bremen, da er die im Frühsommer 2013 so hochdekorierte Mannschaft in der "Komfortzone" vermutet und aufzuschrecken versucht. Wieder eine Provokation als kalkulierte Dienstleistung.

Soll er, (auch) dafür sei er da, meint Uli Hoeneß - die "Abteilung Attacke" im Verein ist schließlich gerade unterbesetzt. Nur möge Sammer seine Attacken besser planen. Der Präsident selbst, der die Abteilung Attacke einst begründet hat, fällt auf unbestimmte Zeit aus. Sein Steuerverfahren zieht sich, über die Zulassung der Anklage entscheidet das Landgericht München II wohl nicht vor Mitte November. Unabhängig vom Ausgang aber wird Hoeneß einmal als ein anderer zurückkehren, als einer, der seine öffentlichen Auftritte anders dosieren wird.

In die Vakanz soll Sammer hineinwachsen, so war es geplant, lange bevor die Steuersache bekannt wurde. Sammer wurde im Sommer 2012 in einem Hoeneß-Solo in den Verein und sofort in das Langfrist-Engagement des Sportvorstandes berufen. Die Planstelle war so ausgeschrieben, dass daraus ein Job auf Lebenszeit werden soll. Es ist bereits der zweite Versuch von Hoeneß, sein Erbe zu regeln, nachdem der erste mit dem Sportdirektor Christian Nerlinger für gescheitert erklärt worden war.

Durch die Steuersache hat die Erb- folge neue Dringlichkeit erfahren, noch aber ist nicht einmal die Zeit des Kennenlernens vorbei, sind nicht einmal die Arbeitsfelder im Klub eindeutig umrissen. Im Groben: Sammer sieht seine Aufgaben vorrangig in der Mentalitätspflege der Profis; Hoeneß meint, er müsse sich mehr um Finanzfragen, den Gesamtverein, die Bayern-Familie kümmern. Sammer sagt: Ich bin aber der Sammer. Hoeneß sagt: So wie der FC Bayern mit Hoeneß war, hat er Erfolg gehabt. Sammer kann entgegnen, dass dort, wo er war, der Erfolg ebenfalls stets zu Hause war, ob als Europameister von 1996, als junger Meistertrainer mit Dortmund 2002, später als DFB-Chefideologe für erfolgreiche Talente. Und auch in München kann der Triple-Gewinn im ersten Amtsjahr kaum gegen ihn verwendet werden.

Hoeneß sucht den neuen Hoeneß. Ob er ihn in Sammer schon entdeckt hat? Ein bisschen anders tickt der schon.

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