Deutscher Eishockey-Bund:Präsident in Misskredit

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DEB-Präsident Franz Reindl fühlt sich aus seiner Sicht unbegründet mit Vorwürfen aus den eigenen Reihen konfrontiert.

(Foto: Horn/Eibner/Imago)

Der Eishockey-Bund beauftragt Anwälte mit der Untersuchung der Vorwürfe gegen Präsident Franz Reindl und kündigt juristische Schritte an - unter anderem gegen den "Spiegel".

Von Johannes Schnitzler, München

Fünf Minuten sind keine allzu lange Vorwarnzeit, vor allem, wenn alle Parteien sich auf schwankendem Boden bewegen. Aber immerhin: Fünf Minuten dürften ausreichend gewesen sein, um die Information zu überfliegen, die der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) am Donnerstagabend vorab an seine Mitglieder verschickt hatte, ehe er sie kurz darauf an die Presse versandte. Betreff: "Mediale Berichterstattung über den DEB / Aktuelle Situation, unabhängige Aufklärung". Der DEB, heißt es darin, habe die Kölner Kanzlei Verte Rechtsanwälte damit beauftragt, die seit Monaten im Raum stehenden Vorwürfe gegen DEB-Präsident Franz Reindl "unabhängig aufzuklären". Außerdem gehe der DEB "medienrechtlich" gegen den Spiegel vor. Das Magazin hatte Anfang Juni während der laufenden WM in Lettland als erstes über einen möglichen Interessenkonflikt Reindls berichtet, der seit 2014 als ehrenamtlicher Präsident des DEB fungiert, von 1994 bis 2020 aber auch als bezahlter Geschäftsführer der DEB GmbH tätig war, einer DEB-Tochter, an der sich der Verband sowie der Schweizer Vermarkter Infront zu je 50 Prozent beteiligten. Reindl könnte womöglich verdeckte Zahlungen von Infront erhalten haben und nicht mehr unabhängig zum Wohl des Verbandes agiert haben, so lautet einer der Vorwürfe.

Anfang Juni hatte Reindl seine Bewerbung um den Vorsitz der Internationalen Eishockey-Föderation IIHF bekannt gegeben. Einen Tag vor der IIHF-Wahl am 25. September hatte der Spiegel abermals über Reindls angeblich fragwürdige Geschäfts- und Verbandsführung berichtet. "Das DEB-Präsidium weist sämtliche Vorwürfe geschlossen als unbegründet zurück", teilte der Verband nun am Donnerstag mit, zwei Tage nach einer Präsidiumssitzung.

Auch gegen den Vorsitzenden des Landeseissportverbands Schleswig-Holstein, Wolff-Dietrich Prager, will der DEB juristisch vorgehen. Prager habe in der Nacht vor den IIHF-Wahlen Delegierte "in unlauterer und nicht tolerierbarer Art und Weise" beeinflusst und "mit ungerechtfertigten diskreditierenden Worten Herrn Reindl und das gesamte deutsche Eishockey beschädigt". Reindl war bei der Wahl überraschend deutlich an dem Franzosen Luc Tardif gescheitert und hatte danach "verbotene Checks von hinten" moniert.

Es müsse dringend geklärt werden, "ob eine verdeckte Finanzierung des Präsidenten vorliegt", sagt die Ethik-Kommission des DOSB

Die Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter Vorsitz des ehemaligen Bundesinnenministers Thomas de Maizière hatte nach Hinweisen aus den Landesverbänden auf ein womöglich strafrechtlich relevantes Fehlverhalten Reindls eine Stellungnahme abgegeben. Die Kommission sei zwar grundsätzlich nicht zuständig, schrieb de Maizière. Er rate jedoch "dringend" dazu, den Sachverhalt umfassend und unabhängig prüfen zu lassen. Auch DOSB-Ombudsmann Felix Rettenmaier hatte in einem Bericht für die Kommission betont, dass der DOSB nicht zuständig sei. Der Hinweisgeber habe aber "glaubhaft versichert", dass er innerhalb des DEB keinen adäquaten Ansprechpartner finde, der seinen Hinweisen "neutral, transparent und im Rahmen eines fairen Verfahrens" nachgehe. Es müsse geklärt werden, "ob eine verdeckte Finanzierung der ehrenamtlichen Funktion des Präsidenten vorliegt", forderte de Maizière.

Wie erschüttert das Vertrauen zwischen dem Präsidium und Teilen der Landesverbände sein muss, zeigt die Einleitung zu dem Schreiben vom Donnerstag an die DEB-Mitglieder: "Wir bedauern es überaus, dass durch inakzeptable Äußerungen einiger weniger Personen sowie das Durchstecken von Informationen derzeit öffentlich teilweise entgegen den Tatsachen ein unzutreffendes und vorverurteilendes Bild über den DEB und unseren Präsidenten Franz Reindl gezeichnet wird."

In der Mitteilung selbst heißt es: "In der gesamten Kampagne geht leider die bedeutende sportliche, organisatorische und besonders auch wirtschaftliche Entwicklung des DEB und des Eishockeysports in der siebenjährigen Amtszeit dieses Präsidiums und der äußerst kollegiale Umgang mit fast allen der 102 Mitglieder unter." (Mitglieder in diesem Sinn sind die Klubs der Deutschen Eishockey Liga, der DEL2, der Frauen-Bundesliga, der vom DEB organisierten Nachwuchsligen und Spielklassen sowie die Landesverbände; Anm. d. Red.). Die Stellungnahme endet mit einer Kampfansage: "Der DEB verwehrt sich gegen Falschbehauptungen und Vorverurteilungen und wird sämtliche rechtlichen Maßnahmen ergreifen, um den DEB, seine Funktionsträger und Mitarbeiter zu schützen." Die "Untersuchungen" leite Christian Schmitz, Fachanwalt für Wirtschafts- und Steuerstrafrecht.

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