David Alaba gegen Leverkusen Mal Libero, mal Abrissbirne

Neue Rolle, grandiose Leistung: David Alaba (rechts) verteidigt gegen Stefan Kießling.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Gegen Leverkusen überrascht Pep Guardiola mit einer taktischen Variante: David Alaba rückt phasenweise in die Innenverteidigung - und bietet eine spektakulär gute Leistung.
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Aus dem Stadion von Thomas Hummel

Die Hosen von Kyriakos Papadopoulos und David Alaba zeugten von zwei Innenverteidigern, die ihren Job so unterschiedlich wie nur möglich interpretieren. Die weiße Hose des Leverkuseners war am Ende tiefbraun vom vielen Bodenkontakt, so häufig war er den anstürmenden Bayern-Spielern entgegen gegrätscht. Der Stoff David Alabas dagegen leuchtete noch in der 90. Minute strahlend rot bis unters Stadiondach. Ein Alaba und Grätschen? Hat er gar nicht nötig.

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Costa bespaßt die Münchner Fans

Nun machte Papadopoulos gar kein schlechtes Spiel. Auch wenn seine Mannschaft 0:3 verlor und sogar noch ein paar Gegentore mehr hätte beklagen können. Was schon viel aussagt über die Stärke des Gegners, den Leverkusens Trainer Roger Schmidt unumwunden "die beste Mannschaft der Welt" nannte. Der FC Bayern zeigte sich so konsequent gut, dass die Gegenwehr bröckelte wie ein Haus, in das die Abrissbirne zu oft hineinfliegt. Und die Münchner Konsequenz begann ganz hinten, in der Innenverteidigung.

Die Bayern wechselten fluid zwischen Dreier- und Viererkette

Als der Aufstellungszettel verteilt wurde in München, stellte sich die Frage: Wer verteidigt bei den Bayern eigentlich? Medhi Benatia verletzt, Jérôme Boateng gesperrt, Dante auf der Ersatzbank. Es fand sich kein einziger Spieler unter den ersten Elf, der in der Spalte Innenverteidiger stehen würde. Spekulationen kursierten unter Fans und Beobachtern - und am Ende hatten irgendwie alle recht. Die Bayern wechselten fluid zwischen Dreier- und Viererkette hin und her, Lahm rechts, Bernat links. In der Mitte Alaba und Xabi Alonso, der bei eigenem Ballbesitz gerne ins Mittelfeld aufrückte.

In Alaba und Xabi Alonso hatten die Münchner zwei Spieler ganz hinten, die mit ihren Pässen die offensiv verteidigenden Leverkusener zermürbten. Jeder Ball saß, Geschwindigkeit, Richtung, und oft genug dorthin, wo es dem Gegner am meisten weh tat. Bayern-Trainer Pep Guardiola mag Innenverteidiger, die den Spielaufbau beherrschen. So hatte er schon früher in Barcelona seine letzte Linie besetzt. Dazu sah sein Plan vor, das extreme Pressing der Leverkusener mit weiten Flanken auf die andere Spielfeldseite zu überwinden. Und wer kann bessere lange Flanken schlagen als Xabi Alonso? Perfekt umgesetzt beim 1:0. Langer Pass des Spaniers auf Douglas Costa, der ist auf und davon, Tor Thomas Müller. "Xabi Alonso war wahnsinnig gut darin zu interpretieren, wo der freie Raum war", erklärte Guardiola.

Alaba verlor fast keinen Zweikampf

Alaba und Alonso sorgten auch für Guardiolas so geliebte Spielkontrolle. Vor allem der Österreicher wirkte hinter der Abwehr bisweilen wie früher ein Libero, der mit dem ersten Pass die Spielweise seiner Mannschaft bestimmt. Oft gab er den Ball an den spanischen Strategen weiter. "Wir wollten Alonso dort wegen seiner Spielverlagerungen. Wenn er Innenverteidiger spielt, bekommt er von hinten nur Druck von Manuel Neuer", scherzte der Trainer, "er hat das ganze Spiel vor sich. Xabi war sehr wichtig heute."

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Die gegnerischen Angriffe in letzter Linie zu verteidigen, darin liegt allerdings nicht die Stärke des 33-Jährigen. Dafür hatte Guardiola eben Alaba. Der verlor in der ersten Halbzeit gar keinen Zweikampf, auch nach der Pause endeten spätestens bei ihm die Angriffe des Gegners. "Gott sei Dank hat das gut geklappt. Es ist kein Geheimnis, dass ich mehrere Positionen spielen kann", kommentierte Alaba. Sein Trainer habe seit langem gedacht, er könne auch hinten spielen: "Er ist ein schneller Spieler, er liest sehr gut die Angriffe des Gegners." Auch das half, Leverkusen fast durchgängig zu kontrollieren. "Wir haben fast keine Chancen zugelassen", sagte Guardiola fast ungläubig, "gegen diesen Gegner - Wahnsinn!"

"Dante ist ein wichtiger Spieler für uns"

Alaba bot eine spektakulär gute Verteidiger-Leistung. Dennoch sieht er sich lieber woanders. "Am wohlsten fühle ich mich im Mittelfeld oder links hinten", sagte er. Auch deshalb wäre es ihm etwas unrecht, wenn Kollege Dante den Verein verlassen würde. "Dante ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Auf dem Platz und außerhalb ist er ein wichtiger Charakter für die Mannschaft. Ich hoffe, dass er bleibt", erklärte Alaba zum Brasilianer.

Dennoch dürfte die Nicht-Berücksichtigung zu Beginn ein Zeichen sein an Dante, dass er sich nur kaum Hoffnungen machen darf auf mehr Einsatzzeiten in München. Und so wurde sein inniges Abklatschen nach Spielende schon als Abschied von den Kollegen gedeutet. Was der FC Bayern allerdings am Abend dementierte: Es gebe in Sachen des möglichen Wechsels keinen neuen Stand, sagte Mediendirektor Markus Hörwick. Erst am Sonntag sickerten Informationen über die Zukunft des Brasilianers durch: Dante zieht es zum Ligarivalen aus Wolfsburg.


Quelle: Opta Sportdaten

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