Darts-WM:Er ist der Beste - und er weiß es

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Bislang nicht zu schlagen bei dieser WM: der Niederländer Michael van Gerwen. (Foto: Mike Owen/Getty Images)

Michael van Gerwen sieht sich selbst als größten Titelfavoriten bei der Darts-WM - und er zeigt auch, weshalb. Der Niederländer hat noch zwei Rechnungen mit diesem Turnier offen.

Von Carsten Scheele

Das Selbstvertrauen des Michael van Gerwen gehört zu den Dingen, um die man sich bei dieser Darts-WM besser keine Sorgen macht. Warum auch? Es gibt einen Topfavoriten, findet MvG, und das ist der Niederländer himself. Er war der beste Spieler der Saison, hat die meisten großen Turniere gewonnen, also sollte der Weltmeister in ein paar Tagen van Gerwen heißen. Soweit logisch.

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Tatsächlich macht "Mighty Mike", der das Turnier schon 2014, 2017 und 2019 gewann, bei dieser WM von allen Spielern aus dem engeren Favoritenkreis den stärksten Eindruck. Er spielt seine Matches souverän von vorne, liegt im Drei-Darts-Average beständig über der 100-Punkte-Marke, trifft die Doppelfelder ebenso sicher wie die Triple. Ganz schwer, so einen zu besiegen. Und seine Nerven, ach, um die ist es in engen Spielsituationen sowieso bestens bestellt.

Er müsse ja niemandem etwas beweisen, sagte van Gerwen dieser Tage in London: Er wisse, dass er der Beste sei. Und alle anderen wüssten es auch. "Alles läuft zu meinen Gunsten", sagte der Niederländer.

Als van Gerwen von Suljovic gekitzelt wurde, schlug er kraftvoll zurück

Mit solchen Sprüchen kann man sich schnell unbeliebt machen, es sei denn, man unterfüttert sie mit den entsprechenden Leistungen. Und van Gerwen ist im "Ally Pally" noch auf keinen Gegner getroffen, der ihn ernsthaft hätte gefährden können. Auch nicht sein Landsmann Dirk van Duijvenbode am Freitagabend, den sie "Auberginenkönig" nennen, der im Achtelfinale klar 1:4 gegen van Gerwen verlor. Alle Hoffnungen auf ein großes Match wurden schnell zunichte gemacht - van Duijvenbode war chancenlos.

Er probierte es in seiner Verzweiflung mit Psychospielchen, verlangsamte den Rythmus, um van Gerwen aus dem Konzept zu bringen. Ohne Erfolg. "Ich habe mir gesagt: Bleib ruhig und zerstöre ihn einfach", sagte van Gerwen später über die Taktik seines Landsmanns. Das tat er dann auch.

Ein härteres Stück Arbeit war da noch der Sieg in der dritten Runde gegen den Österreicher Mensur Suljovic gewesen. Suljovic, schon 50, spielte überraschend gut auf, so dass van Gerwen den Kampf begierig annahm. Heraus kam das bislang beste Spiel dieser WM. Suljovic gewann zwei Sätze, er kitzelte van Gerwen - einmal spielte er ein Finish von 161, das ihm van Gerwen offenbar nicht zugetraut hatte, sonst hätte er bereits zuvor versucht, das Leg zu gewinnen.

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Doch van Gerwen schlug mit brutaler Qualität zurück. Suljovic versuchte, so lange wie möglich mitzuhalten, irgendwann konnte er nicht mehr. "Meine Scoringpower war fantastisch", sagte van Gerwen. Und ja, doch, er war zufrieden mit sich selbst: "So zu gewinnen, wie ich es getan habe, gibt mir einen weiteren Schub."

Vor drei Jahren erlebte der Niederländer im Viertelfinale eine schwere Klatsche

Im Viertelfinale am Neujahrstag trifft van Gerwen auf den Engländer Chris Dobey - und er hat sowieso noch zwei Rechnungen mit diesem Turnier offen. Im vergangenen Jahr zog er, ebenfalls favorisiert, vor dem Achtelfinale nach einem positiven Coronatest zurück. Später erklärte er, viele andere Spieler hätten infiziert weitergespielt, seien nicht ehrlich gewesen. Er selbst hätte es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren können, einen positiven Test zu verschweigen - die Spieler durften damals selbst ihre Tests durchführen und dann bei der Turnierleitung abgeben, was Betrügern leichtes Spiel ermöglichte.

Und noch eine Geschichte soll sich nicht wiederholen: Vor zwei Jahren war MvG ebenfalls der Favorit, doch sein Auftritt im Viertelfinale gehörte zum Rätselhaftesten, was der Niederländer je fabriziert hat. 0:5 gegen Dave Chisnall. Damals wurde van Gerwen laut eigener Aussage "erledigt". Heute sagt er: "Ich möchte nicht nochmal in so eine Situation kommen."

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