Deutsche bei der Darts-WMGut in der Breite, zu schwach in der Spitze

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„Ich habe ihm gesagt: echt ein großartiges Spiel, Gabriel. Bleib dran“: Luke Humphries fällt Gabriel Clemens auf der Bühne erleichtert in die Arme und flüstert ihm anschließend etwas ins Ohr.
„Ich habe ihm gesagt: echt ein großartiges Spiel, Gabriel. Bleib dran“: Luke Humphries fällt Gabriel Clemens auf der Bühne erleichtert in die Arme und flüstert ihm anschließend etwas ins Ohr. (Foto: John Walton/PA Wire/dpa)
  • Alle acht deutschen Darts-Spieler sind bereits nach der dritten Runde der WM ausgeschieden, obwohl erstmals so viele wie nie am Start waren.
  • Gabriel Clemens stellte mit einem Durchschnitt von 101,49 Punkten einen deutschen WM-Rekord auf, unterlag aber Luke Humphries mit 2:4 Sätzen.
  • Die Runde der letzten 16 findet erstmals ohne deutsche Beteiligung statt, nachdem auch Martin Schindler, Ricardo Pietrezcko und Arno Merk ausschieden.
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Die entscheidende Phase der Darts-WM startet ohne deutsche Spieler. Bereits nach der dritten Runde sind alle acht Starter gescheitert – trotz eines Rekords von Gabriel Clemens.

Von Korbinian Eisenberger

Der „German Giant“ trägt seinen Künstlernamen auch in finsteren Stunden mit Würde, das bleibt festzuhalten vom letzten Sonntag des Darts-Jahres, an dem der Londoner Ally Pally zum deutschen Schicksalspalast avancierte. Der Saarländer Gabriel Clemens, nicht ohne Ehrfurcht als deutscher Riese tituliert, hatte sich am ausgiebigsten gewehrt. Im Drittrundenmatch bekam er es mit dem Weltranglistenzweiten Luke Humphries aus England zu tun, und dem 42-Jährigen gelang ein deutscher Rekord in der Historie der Darts-Weltmeisterschaft: ein durchschnittlicher Wert von 101,49 Punkten je drei geworfener Darts. Nie zuvor hatte ein Pfeilwurfspezialist aus der Bundesrepublik innerhalb der Londoner Palastmauern die Hundertermarke geknackt. Nur Humphries, den knackte Clemens eben nicht.

Bereits am Samstag war der Berliner Ricardo Pietrezcko vom vollbärtigen Schweden Andreas Harrysson bezwungen worden (2:4), am Sonntag zerschellte der an Nummer 13 gesetzte Brandenburger Martin Schindler am britischen Szene-Hardrocker Ryan Searle, ohne nur einen Satz zu gewinnen. Clemens, dem das härteste Los beschert worden war, kämpfte sich gegen Ex-Weltmeister Humphries nach 0:3-Satzrückstand auf 2:3 heran und vergab Satzdarts zum Ausgleich, ehe sein Gegner den finalen Pfeil im Doppelfeld zum 4:2-Sieg versenkte. WM-Debütant Arno Merk aus Oberbayern, der zuvor verblüffenderweise Doppelweltmeister Peter Wright besiegt hatte, fand am späten Sonntagabend im dreimaligen Weltmeister Michael van Gerwen aus den Niederlanden seinen Bezwinger (1:4).

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In Erinnerung bleiben wird der Auftritt von Clemens, der einen Pfeil nach dem anderen in das winzige Triple-20-Feld jagte, bevor er doch noch patzte. „Ich bin nicht ganz so gut gestartet, dann war ich ganz gut drin. Aber ich mache die zwei, drei Darts auf die Doppel nicht“, sagte Clemens beim TV-Sender Sport1, „bei einem 3:3 wäre es noch mal interessant geworden.“ So hatte das offensichtlich auch sein Gegner empfunden. Humphries fiel Clemens auf der Bühne erleichtert in die Arme und flüsterte ihm etwas ins Ohr. „Ich habe ihm gesagt: echt ein großartiges Spiel, Gabriel. Bleib dran“, berichtete der Weltmeister von 2024 später. Ehe er sich aufmachte zur Vorbereitung auf die Runde der letzten 16, die in Deutschland von zwei Sendern (Sport1, Dazn) live übertragen wird, aber fortan ohne deutsche Beteiligung stattfindet.

Schindler, Pietrezcko und Merk war die sogenannte Scoring-Power abhandengekommen

In der Breite stark, in der Spitze schwach: Wenn man so will, lautet so die deutsche Bilanz dieser WM, bei der erstmals acht Spieler für Deutschland im Londoner Palast vertreten waren, so viele wie nie. Vier davon erreichten die dritte Runde. Im Konzert der Präzisionsvirtuosen beherrschte jedoch keiner die vollständige Klaviatur dieser Disziplin. Schindler, Pietrezcko und Merk war die sogenannte Scoring-Power abhandengekommen, sie warfen zu wenige Punkte. Anders als Clemens, dem die Darts jedoch in entscheidenden Phasen auf die falsche Seite des Grenzdrahts rutschten.

Der 29 Jahre alte Schindler, als 13. des globalen Darts-Rankings ins Turnier gezogen, verließ London fast schon traditionell mit einer Enttäuschung im Gepäck. Die deutsche Nummer eins, in den vergangenen beiden Jahren mit großen Turniersiegen dekoriert, wirkte verblüfft bis verdattert. Searle sei über ihn „hinübergelaufen“, sagte Schindler: „Es ist passiert. Ich kann gar nicht sagen, warum es jetzt genau so war. Man kann das Spiel Darts nicht programmieren.“

Bei Sport1 war der Strausberger abermals nicht zu hören gewesen, Schindler verweigerte dem Sender während der WM Interviews. Sein Lager ist verstimmt, wegen eines Vorfalls im Sommer, als dem Spieler samt Management die Präsentation eines Interviews missfiel, dem Vernehmen nach ging es zudem um die ein oder andere Überschrift auf der Onlineplattform. Und so endet dieses Darts-Kapitel zumindest mit einer guten Nachricht für die Pressefreiheit: Martin Schindlers Boykott  ist vorerst beendet.

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