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Favoriten bei der Darts-WM:Schrill, frech und präzise

Peter Wright zeigt seine neue Frisur, Michael van Gerwen provoziert mit Gesten und Gerwyn Price hat einen Stiernacken: Die Favoriten bei der Darts-WM im Porträt.

Von Tim Brack, Johannes Kirchmeier und Dominik Schelzke

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Peter Wright

Darts-WM 2020

Quelle: dpa

Im Alexandra Palace läuft das Lied "Don't stop the Party", wenn Peter Wright beim Einzug Richtung Dartscheibe läuft. Und tatsächlich würde in diesem Moment niemand auf die Idee kommen, die Party zu stoppen. Denn Wright ist der bunteste, schrillste und ausgeflippteste Darts-Spieler der Profitour PDC. Er trägt seit Jahren Irokesenschnitt, davor favorisierte der Schotte Vokuhila, gerne auch gefärbt. Manchmal wandelt er sein Äußeres von Match zu Match. Bei dieser WM startete er nun im Kostüm des grimmigen Weihnachtselfen. Mit aufgemalten goldenen Knöpfen und einem Gürtel auf dem grünen Hemd. Am Kopf wurde er rot bemalt, der Iro schimmerte giftgrün, das sollte die Mütze darstellen.

Schon 2004 trat er in der Profitour PDC an, 2014 stand er immerhin im WM-Finale. Doch auch ohne viele Titel ist Snakebite, wie White genannt wird, einer der beliebtesten Darts-Spieler. Er ist ein Entertainer, der die Show auch selbst genießt. "Ich liebe das", sagte er der dpa. "Ich bin eine total andere Person im Vergleich zu dem schüchternen und zaghaften Peter Wright zu Hause. Dort bin ich mehr ein Hausmann, aber beim Darts werde ich zu 'Snakebite'. Das ist wie bei der Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde."

(Johannes Kirchmeier)

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Michael van Gerwen

2020 William Hill World Darts Championship - Day 10

Quelle: Getty Images

Es ist eine spezielle Tradition des Darts-Sports, dass sich die Spieler ausgefallene Kampfnamen geben. Die Palette reicht dabei von kurios bis einfallslos. Michael van Gerwen wählte zumindest den treffendsten Spitznamen aus: Mighty Mike. Der mächtige Mike. In der jüngeren Vergangenheit wirkte der glatzköpfige 30-Jährige sogar fast allmächtig. 2014, 2017 und 2019 wurde er Weltmeister, in den vergangenen vier Jahren gewann er immer die Premier League, in der die besten Spieler des Profiverbands PDC antreten. Eine ähnliche Dominanz strahlte nur der zurückgetretene Rekord-Weltmeister Phil Taylor aus.

Der Dauergewinner van Gerwen spaltet aber auch die Meinungen. Seine Jubelgesten auf der Bühne sind so ausgeprägt wie seine Dominanz - das gefällt nicht jedem. Von Gegnern wurde ihm schon Respektlosigkeit vorgeworfen, ein Zuschauer schüttete einmal Bier über ihn. Seine sportliche Qualität ist aber über jeden Zweifel erhaben. Van Gerwen hat die Fähigkeit, in scheinbar ausweglosen Situationen das Momentum auf seine Seite zu bringen: seine schnellen Wurf-Folgen, seine Resistenz gegen Druck und seine Präzision helfen ihm dabei ungemein.

(Tim Brack)

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Gerwyn Price

Gerwyn Price

Quelle: dpa

Der Waliser entspricht keineswegs dem Klischee eines bierbäuchigen Darts-Spielers. Sein Stiernacken erzählt viel mehr von seiner Vergangenheit im Rugby. Bis in die höchste walisische Liga hatte Price es geschafft, als er sich 2014 entschied, den Karriereweg im Darts zu verfolgen. Auf seinem Weg zu Platz drei der Weltrangliste verpasste ihm der Boulevard den Beinamen "Bad Boy des Darts". Tatsächlich hat Price viel dafür getan, um diese Bezeichnung zu verdienen. Berüchtigt ist sein Auftritt im Finale des Grand Slam of Darts 2018. Damals provozierte er den Schotten Gary Anderson aufreizend, gewann aber auch den Pokal. Anderson verweigerte zum Schluss den Handschlag.

Das Turnier konnte der "Iceman", wie Price auch genannt wird, auch in diesem Jahr gewinnen. Auf dem Weg zum Titel schaltete er unter anderem den großen WM-Favoriten Michael van Gerwen aus. Bei der Weltmeisterschaft kann Price erst im Finale auf den Niederländer treffen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg und Price hat es bislang nie über das Achtelfinale hinaus geschafft.

(Tim Brack)

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Nathan Aspinall

2020 William Hill World Darts Championship - Day 10

Quelle: Getty Images

Nahe am Weltmeistertitel war Nathan Aspinall schon einmal. Im Jahr 2015 stand er im Finale - der Jugend wohlgemerkt. Im Endspiel der PDC World Youth Championship traf er auf den Deutschen Max Hopp. Aspinall unterlag 5:6, nachdem er die Chance zum Matchgewinn im letzten Satz vergeben hatte. Es war die vielleicht größte Niederlage von "The Asp", so sein Spitzname. Gemeint ist die sogenannte Aspisviper, eine Giftschlange, die auch in Deutschland vorkommt.

Ansonsten hat der Weltranglisten-Zwölfte aus Stockport aber vor allem frühe Erfolge vorzuweisen. Bereits mit 21 Jahren schaffte es Aspinall in die PDC, er galt als riesige Nachwuchshoffnung im Dartsland Nummer eins, England. Nach einigen anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten in den ersten Jahren im Darts-Olymp lieferte Aspinall dann auch immer bessere Ergebnisse. Sein größter Erfolg war der Einzug ins Halbfinale im vergangenen Jahr, wo er Michael Smith unterlag - obwohl er seine jeweils drei Pfeile mit einem Durchschnitt von mehr als 100 Punkten auf der Scheibe unterbrachte. In diesem Jahr sicherte er sich nun die UK Open nach einem überzeugenden 11:5 im Finale gegen Rob Cross (Weltmeister 2018). The Asp ist mittlerweile bereit, sein Talent auch bei großen Turnieren zu zeigen.

(Johannes Kirchmeier)

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Glen Durrant

2020 William Hill World Darts Championship - Day 12

Quelle: Getty Images

Glen Durrant hat einen Großteil seines Lebens dem Dartsspiel gewidmet. Dass der 49-Jährige trotzdem nur auf Rang 27 der PDC-Weltrangliste geführt wird, hat nicht etwa mit schwachen Leistungen zu tun, sondern damit, dass er erst seit diesem Jahr bei der PDC spielt. Zuvor war der Mann mit dem hängenden Augenlied und dem Spitznamen "Duzza" beim Konkurrenzverband BDO (British Darts Organisation) äußerst erfolgreich aktiv. Als dreimaliger und aktueller Weltmeister suchte er Anfang 2019 nach neuen Aufgaben. Eine der schwersten dieser Art fand er bei der WM in der zweiten Runde, in der "Duzza" die Nummer sechs der Weltrangliste, Daryl "Superchin" Gurney, rauswarf. Nun besteht durchaus die Möglichkeit, dass bald ein Spieler die Weltmeister-Titel beider Verbände hält.

(Dominik Schelzke)

© SZ.de/tbr/dsz
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