Darmstadt zittert wieder:"Wir stecken auch noch drin"

SV Darmstadt 98 v Eintracht Frankfurt - Bundesliga

Keine Entspannung im Abstiegskampf für Darmstadt und Trainer Dirk Schuster

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Ein Negativlauf, der zur Unzeit kommt: Bei den Lilien wächst die Sorge, auf der Zielgeraden doch noch abzurutschen. Immerhin sind sie sich der Gefahr bewusst.

Von Frank Hellmann, Darmstadt

Es gibt eine ganze Reihe von Redewendungen, die Dirk Schuster beinahe auf Knopfdruck vortragen kann. Eine handelt vom "kleinsten Licht der Liga", das der SV Darmstadt 98 in der Bundesliga darstelle. Eine andere geht so, dass der Trainer sich nichts sehnlicher wünscht, als am 14. Mai den Klassenerhalt feiern zu können. Die Botschaft, die er damit seit Wochen und Monaten aussendet: Sollte sich der Aufsteiger am letzten Spieltag retten, wäre das wie eine gefühlte Meisterschaft.

Spätestens nach der Derby-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt (1:2) scheint klar zu sein, dass es früher mit dem Klassenerhalt wohl nichts wird. "Unsere Ausgangslage ist unverändert. Wir haben zwei Spieltage vor Schluss 35 Punkte, stehen über dem Strich und haben alles selbst in der Hand. Das hätte vor Saisonbeginn jeder unterschrieben", stellte Schuster auf der Pressekonferenz fast trotzig heraus. Aus seiner Sicht ist die Konstellation unverändert.

Nie in dieser Saison stand Darmstadt auf einem Abstiegsplatz - am Ende doch?

Und dennoch: Auf einmal hat der Neuling wieder mehr zu verlieren. Nie haben die Südhessen in dieser Saison auf einem Abstiegsplatz gestanden - sollte das am 34. Spieltag passieren, wäre das tragisch. Wohl auch deshalb schärfte Kapitän Aytac Sulu gegenüber den Kollegen die Sinne: "Wir haben immer noch die Gefahr abzusteigen und haben schon zigmal gesagt, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfen müssen."

Und vielleicht ist das Nervenkostüm doch angespannter als manch einer zugibt. Torwart Christian Mathenia verstieg sich in seinem Frust sogar zu einer deutlichen Schelte an den eigenen Anhängern, die die Gäste-Spieler beim Einlaufen als "Absteiger" verhöhnt und verspottet hatten. "Hier sollten mal alle auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Die Realität ist doch: Wir stecken auch noch drin. Wir müssen aufpassen, dass wir das nicht noch gesagt bekommen!"

Keinen Vorwurf richtete der Torhüter an seinen Torjäger: Dass Sandro Wagner beim Stande von 1:0 einen Elfmeter fast fährlässig vergab, nahm Mathenia schulterzuckend hin. "Er hat schon genug wichtige Tore geschossen." Der Mittelstürmer selbst sprach von einer "Gefühlssache", die falsche Ecke gewählt zu haben. "Das hat leider nicht geklappt." Überhaupt hatte Wagner einen denkbar schlechten Tag erwischt und war für die mangelnde Durchschlagskraft in vorderer Reihe verantwortlich.

"Zu schlampig im Passspiel"

In den letzten beiden Begegnungen bei Hertha BSC und gegen Borussia Mönchengladbach könnte - je nach Ausgang des Montagsspiels zwischen Werder Bremen und dem VfB Stuttgart - nun noch eine Menge auf dem Spiel stehen. Der Darmstädter Trainer ahnt längst, dass er auch als psychologischer Aufbauhelfer gefragt ist. Denn der Negativlauf der Lilien kommt zur Unzeit: Schon in Köln nahm sich der Emporkömmling eine ungewohnte Auszeit, nun wirkte es gegen Frankfurt in der zweiten Hälfte so, als habe jemand einen imaginären Stecker gezogen.

"Wir waren zu schlampig im Passspiel, wir sind nicht mehr nachgerückt", monierte Schuster. Härter wollte der 48-Jährige mit seinem Team nicht ins Gericht gehen. "Wir haben gegen Frankfurt eine Halbzeit lang wieder nachgewiesen, dass wir konkurrenzfähig sind", erklärte Schuster. "Nun sind wir in Berlin gefordert, das über einen längeren Zeitraum zu zeigen." Sonst könnte es passieren, dass das kleinste Licht der Liga am 14. Mai vielleicht doch nichts zu feiern hat.

© SZ vom 01.05.2016
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