Darmstadt - Schalke (17.30 Uhr) Sinnbild der launischen Diva

Bleibt er auf Schalke oder geht er? Max Meyer.

(Foto: Maja Hitij/Getty Images)

Max Meyer steht wie kein anderer im Schalker Team fürs Auf und Ab des Vereins. Ein Bekenntnis zum Verbleib vermeidet der Offensivspieler, dem der Klub die Zukunft anvertrauen wollte.

Von Ulrich Hartmann, Amsterdam/Gelsenkirchen

Vor dem Europa-League-Spiel in Amsterdam hatte Max Meyer noch angriffslustig gesagt: "Ich bin am besten, wenn ich in einer dominanten Mannschaft spiele, einer Mannschaft, die viel Ballbesitz hat und viel Fußball spielen will." Aber da hatte Meyer dieses Mal Pech. Er hat am Donnerstag nicht für Ajax Amsterdam gespielt - sondern für Schalke. Die selbsternannten Eurofighter spielten schwach. Am nächsten Donnerstag droht ihnen das Aus im Rückspiel.

Der offensive Mittelfeldspieler Meyer, 21, steht bezeichnend für die launische Diva Schalke. Kürzlich, als man dachte, sie sei spielerisch auf einem ganz guten Weg, ging sie in Bremen mit 0:3 unter. Als es danach schien, sie hätte jeden fußballerischen Zusammenhalt verloren, demontierte sie als nächstes den VfL Wolfsburg mit 4:1. Und als danach der dabei überragende Meyer vom ersehnten Gewinn der Europa League sprach, ließ sie sich in Amsterdam von Ajax wegputzen. Mit dem 0:2 war sie noch gut bedient. Schalke war nicht dominant, hatte wenig Ballbesitz und hätte vielleicht gerne Fußball gespielt - kam aber nicht dazu. Meyer wurde nach einer Stunde ausgewechselt.

Der gebürtige Oberhausener, der vor acht Jahren vom MSV Duisburg nach Gelsenkirchen gewechselt war, gilt nach wie vor als eine der größten Zukunftshoffnungen im Schalker Team. Um ihn herum würde man gerne eine Mannschaft mit Visionen aufbauen, allerdings spielt er in dieser Saison so wechselhaft, dass im Moment keiner weiß, ob er über den Sommer hinaus überhaupt in Gelsenkirchen bleibt.

Zukunftshoffnung Meyer bekennt sich nicht zu Schalke

Sein Vertrag läuft im Juni 2018 aus. Das bedeutet, dass Schalke nur noch in diesem Sommer eine relevante Ablöse für ihn bekommen kann. Meyer selbst bekennt sich nicht zu Schalke. "Ich mache mir Gedanken, mein Vertrag läuft ja 2018 aus." Die Aussichten auf einen Verbleib taxiert er zurzeit allenfalls auf "fifty-fifty" - und vertröstet auf den Sommer. "Aber selbst, wenn ich nicht verlängere, heißt das ja nicht, dass ich im Sommer weg bin." Dann könnte er 2018 beim Wechsel ein einträgliches Handgeld kassieren, weil sein neuer Klub keine Ablöse zahlen müsste.

Über Interessenten für Meyer gibt es allerhand Spekulationen. Britische Klubs natürlich. Meyer könnte bei einem Wechsel womöglich eine ähnliche Leistungsexplosion demonstrieren wie Julian Draxler, der in seinen finalen Monaten in Wolfsburg auch enttäuschte und in Paris dann richtig aufdrehte. Bezeichnend im Fall Meyer ist indes, dass nicht er, sondern der Linksverteidiger Sead Kolasinac zurzeit der begehrteste Schalker Spieler ist. Der Guardian berichtet soeben, der FC Arsenal habe bereits den Zuschlag bekommen. Kolasinac ist im Sommer ablösefrei.

Meyer hat in dieser Saison erst sieben Bundesligaspiele vom Anfang bis zum Ende und zwei komplette in der Europa League absolviert. In allen anderen Partien ist er ein- oder ausgewechselt worden. Der Trainer Markus Weinzierl hat Meyer in dieser Saison schon heftig kritisiert, bei Gelegenheit zuletzt aber auch besonders gelobt. Meyer hatte zuletzt betont, er benötige Vertrauen für gute Leistungen, also regelmäßige Einsätze - aber am Donnerstag in Amsterdam hat er diese These nicht belegen können. Er spielt viel zu unkonstant, als dass Weinzierl wirklich fest auf ihn setzen könnte. Vertrauen ist ja eine wechselseitige Angelegenheit.

Und so darf man gespannt sein, ob Meyer am Ostersonntag wieder in der Startelf steht, wenn die Schalker bei Darmstadt 98 gastieren. Vermutlich wird er mangels Alternativen tatsächlich eine neue Chance erhalten, vielleicht setzt Weinzierl darüber hinaus aufs Bedürfnis der Spieler nach Wiedergutmachung. Das stete Auf und Ab der Mannschaft besaß ja auch in der positiven Richtung immer wieder eine gewisse Zuverlässigkeit.