Darmstadt 98:Entscheidung durch die Ente

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Darmstadt 98: Die Darmstädter Luca Pfeiffer (li.) und Braydon Manu im Duell mit Paderborns Maximilian Thalhammer.

Die Darmstädter Luca Pfeiffer (li.) und Braydon Manu im Duell mit Paderborns Maximilian Thalhammer.

(Foto: Thomas Frey/dpa)

Darmstadt gewinnt zwar gegen Paderborn - doch wegen der Ergebnisse der Konkurrenz reicht das nur für Rang vier. Im Klub versteht man dies als einen Auftrag fürs neue Jahr.

Es war noch nicht mal Halbzeit, da hatten die 13 400 Darmstädter unter den 13 700 Fans schon jedes der unzähligen Verherrlichungslieder angestimmt, die man beim wichtigsten Spiel der Saison so singen kann. Und das aus gutem Grund. 3:0 stand es schon beim Seitenwechsel für Darmstadt, und der Zwischenstand aus Rostock, wo der Hamburger SV bei Halbzeit zurücklag, war auch so ganz nach dem Geschmack des Darmstädter Anhangs.

Dessen Wunschvorstellung waren ja vor der Partie Niederlagen für Werder Bremen und den HSV bei einem eigenen Sieg gegen Paderborn gewesen. Da der HSV sein Spiel in Rostock jedoch ebenso gewann wie die Bremer ihr Heimspiel gegen Regensburg, blieb den Lilien am Schluss nur Platz vier und eine Erkenntnis, die Sportvorstand Carsten Wehlmann so ausdrückte: "Wenn man sich die Konkurrenz so anschaut, ist ja auch klar, dass du eine kollektive Stärke im Kader brauchst." Was er damit auch sagen wollte: Mit einem Etat wie Darmstadt 98 ist es keine Schande, in der Endabrechnung knapp hinter Schalke, Bremen oder dem HSV zu landen.

Das sahen schließlich auch die Lilien-Fans so, die ihr Team noch lange nach Schlusspfiff feierten. "Wir sind stolz auf euch", rief der Capo der Ultras den sichtlich bewegten Spielern zu, die nach Schlusspfiff vor der Kurve standen. "Das ist nicht das Ende, das ist erst der Anfang." Dass es im Rennen um die Plätze zwei, drei oder vier vor allem auf die Ergebnisse aus dem Norden der Republik ankommen würde, stand dabei bereits Mitte der ersten Halbzeit fest. Da führten die Lilien nämlich schon mit 2:0, nachdem Tim Sharke (2.) und Luca Pfeiffer (25.) für ihr Team getroffen hatte.

Eine weitere gute Gelegenheit hatte Stürmer Phillip Tietz vergeben, der fast seinen 16. Saisontreffer erzielt hätte (19.) und der vor dem Spiel seinen Glauben an ein Happy End in eine schöne Metaphorik gepackt hatte: "Am Ende kackt die Ente." Tietz war es auch, der gegen zeitweise spielerisch durchaus überzeugende Paderborner das 3:0 vorbereitete. Nach schönem Chipball von Patric Pfeiffer legte er per Kopf quer und Luca Pfeiffer erzielte seinen zweiten Treffer zum 3:0 (38.).

Wenn die Gesänge im zweiten Durchgang dann doch etwas verhaltener klangen, lag das nicht nur daran, dass die Heimmannschaft nun nach getaner Arbeit ökonomischer spielte. Sondern auch daran, dass der HSV in Rostock zwischenzeitlich ausgeglichen hatte und bei einem weiteren Treffer die Lilien unabhängig von deren Ergebnis auf Platz vier verbannen würde. Als die Kunde der Hamburger Treffer zum 2:1 und 3:1 für den HSV dann die Runde machte, wurde es kurzzeitig totenstill im Stadion.

Selbst die Aufforderung aus der Fankurve - "Auf! Von nichts kommt nichts" - sorgte zunächst nur kurz für rhythmisches Klatschen, das erst drei Minuten nach Schlusspfiff in gehörigen Phonstärken wieder anschwoll, als die Mannschaft für eine trotz allem tolle Saison gefeiert wurde. Dass die Lilien diese Spielzeit auf Platz vier und nicht auf dem Relegationsrang beenden würden, hatte an diesem Sonntag eben vor allem mit dem Ergebnis in Rostock zu tun. Oder, um mit Philipp Tietz zu sprechen: Die Ente, die hatte eben auch an der Ostseestadion gekackt.

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