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Basketball in der NBA:Alle knien, nur ein Profi aus Orlando nicht

Trotz der Offensivleistungen im Texas-Derby treibt die NBA ihre gesellschaftliche Haltung in der Krise weiter um. Denn wie zu erwarten, beteiligen sich nicht alle Akteure am kollektiven Widerstand und der Solidarität mit der "Black-lives-matter"-Bewegung. So blieb etwa Orlando-Profi Jonathan Isaac vor dem Duell mit den Brooklyn Nets während der US-Nationalhymne stehen - alle anderen Spieler gingen wie schon ihre Kollegen am Vortag zum Auftakt des Restart-Turniers auf die Knie.

Isaac verzichtete auf einen BLM-Schriftzug auf seinem Trikot, er trug schlicht die Arbeitskleidung seines Klubs und begründete das im Anschluss an die Partie mit religiösen Gründen. "Auf die Knie zu gehen und dabei ein Black-lives-matter-Shirt zu tragen, ist für mich persönlich nicht die Antwort. Für mich werden schwarze Leben durch den Gospel unterstützt." Während seine Teamkollegen knieten, habe er gebetet, so Isaac.

Auch der langjährige Trainer der San Antonio Spurs, Gregg Popovich, und seine Assistenz-Trainerin Becky Hammon blieben vor der Partie gegen die Sacramento Kings stehen. Beide trugen dabei aber "Black-lives-matter"-Pullover. Der 71-jährige Popovich, ein scharfer Trump-Kritiker und mitunter kauziger Humanist, wollte keine Gründe für sein Verhalten nennen: "Jeder muss eine persönliche Entscheidung treffen. Die Liga war diesbezüglich großartig: Jeder hat die Freiheit zu reagieren, wie er möchte."

Der gemeinsame Kniefall aller NBA-Profis hatte den Restart überstrahlt, dabei gehört die Andacht im Stehen bei der US-Hymne vor den Spielen eigentlich zum Standard. NBA-Boss Adam Silver gestattete in diesen Zeiten aber eine Ausnahme: "Ich respektiere den gemeinsamen friedlichen Protest unserer Mannschaften für soziale Gerechtigkeit und werde unter diesen Umständen die lange existierende Regel, die das Stehen bei der Nationalhymne einfordert, nicht durchsetzen." Auch in dieser Hinsicht lieferte die NBA also einen Fingerzeig: Es mag wieder um Sport gehen - aber die Liga will Verantwortung übernehmen.

© SZ/mane

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