Dahlmeier bei der Biathlon-WM Die Gründe drei bis fünf

Dritter Grund: Dahlmeier weiß, wann sie eine Pause braucht

Enttäuschung lag in der Luft, vor vier Wochen in Oberhof: Da hatten die Organisatoren Laura Dahlmeier aufs Veranstaltungsheft gedruckt, doch dann kam sie nicht zu den ersten beiden Rennen. "Ich weiß aus den vergangenen Jahren, dass mir so eine Pause guttut und ich mit meinen Kräften haushalten muss, wenn ich gesund durch die Saison kommen will", sagte sie und reiste erst zum Massenstart an - den sie prompt auf Platz zwei beendete. Auf ihren Körper zu hören, ist tatsächlich eine Errungenschaft, die mit ihrem Erfolg zusammenhängt. Kaum ein Biathlet kommt ohne Erkältung durch die Saison, auch Dahlmeier hatten in der Vergangenheit immer mal Infekte geplagt. Außer in diesem Winter - ein gutes Timing.

Gefühl für die richtigen Pausen beweist sie auch am Schießstand: Wo andere den Kopf verlieren, die berühmte Nähmaschine den Körper durchschüttelt wie ein Cocktailglas, setzt Dahlmeier das Gewehr auch schon mal ab, wenn es sein muss, schnauft noch mal durch und feuert dann erst den letzten Schuss ab. Gedankenloses Ballern gibt es bei ihr nicht.

Biathlon-WM Erst Gold, dann Schwächeanfall
Laura Dahlmeier bei der Biathlon-WM

Erst Gold, dann Schwächeanfall

Laura Dahlmeier gewinnt im WM-Einzelrennen über 15 Kilometer ihre dritte Goldmedaille in Hochfilzen - im Ziel verlassen sie die Kräfte.   Von Joachim Mölter

Vierter Grund: Dahlmeier kann sich richtig quälen

Im Sommer vor drei Jahren verletzte sich Dahlmeier beim Klettern, sie stürzte ein paar Meter in die Tiefe und zog sich einen Bänderriss im Fuß zu - ihre zweite Leidenschaft birgt auch gewisse Risiken. Doch Verbieten ist zwecklos und Bundestrainer Gerald Hönig ist sich ohnehin sicher: "Ihr Hobby kommt dem Biathlon entgegen. Koordinativ, physisch und bei der Schnellkraft." Wer sie so manchen Anstieg auf Skiern hinaufhüpfen sieht, hat daran keinen Zweifel. Konditionell profitiert sie enorm, aber auch in Sachen Kampfgeist: Die Schlussrunde ist ihre große Stärke, etliche Sekunden hat sie da schon gutmachen und Rennen noch für sich entscheiden können. "Da kann sie rennen wie ein Pferd", sagte Koukalova nach dem Sprint in Hochfilzen. Dahlmeier nahm das Kompliment dankend an.

Fünfter Grund: Sie kann ihre Erfolge genießen

Wer Dahlmeier bei dieser WM beobachtet, der bekommt nicht den Eindruck einer getriebenen Athletin. 19 Minuten dauerte der Sprint in Hochfilzen, mehr als doppelt so lange das Prozedere danach: von Kamera zu Kamera sausen, Siegerehrung, Pressekonferenz, Interviews. So lief das bisher nach jedem Rennen und Dahlmeier zeigte ehrliche Freude. "Ich versuche einfach, alles zu genießen", sagt sie und strahlt das auch aus. Als sie nach dem gewonnenen Einzelwettkampf wieder zu Kräften gekommen war, machte sie auch kein Geheimnis daraus, wo sie gerade am liebsten wäre: "Im Bett, ich bin so k. o." Dahlmeier bleibt sich selber treu, was sie auch schon zu Beginn der WM klargemacht hatte: Bilder von daheim auf der Couch wird es von ihr nie geben. Privatsphäre ist Privatsphäre und Sport ist Sport. Um eine gesunde Einstellung muss man sich bei ihr keine Sorgen machen.

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