Neuer Handball-Weltmeister:Dänemark zum Dritten

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Torhüter und Welthandballer Niklas Landin stemmt den Pokal in die Höhe. (Foto: Jessica Gow/AFP)

Der Weltmeister verteidigt seinen Titel zum zweiten Mal nacheinander, das ist noch keiner Nation vorher gelungen. Das Turnier findet einen würdigen Sieger - und auch die Favoriten für die kommende EM in Deutschland stehen fest.

Von Ralf Tögel

Es war weit nach 22 Uhr, da schritt die 28. Handball-Weltmeisterschaft in Stockholm auf ihren finalen Höhepunkt zu. Und auch Niklas Landin lief nach vorne, genauer gesagt, ging er dem Präsidenten des Weltverbandes IHF, Hassan Moustafa, entgegen. Denn der 78-Jährige hatte sichtlich Probleme, die knapp 20 Kilogramm schwere WM-Trophäe - sie besteht aus purem Gold und ist versetzt mit Saphiren - zum neuen Weltmeister zu tragen. Also nahm ihm der Kapitän der dänischen Handballer den 70 Zentimeter großen Pokal ab, der eine Hand darstellt, die einen goldenen Handball in die Höhe hält.

Das Kunstwerk ist ein Geschenk des Emirs von Katar, hat einen Wert von sagenhaften 800 000 Euro und wurde von Scheich Tamim bin Hamad al-Thani in der ihm typischen Bescheidenheit zur Weltmeisterschaft 2015 im eigenen Land spendiert. Kleine Pikanterie am Rande: Der WM-Pokal der Handballer ist damit ein Vielfaches wertvoller als jener der Fußballer.

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Dann verlieren die deutschen Handballer bei großen Turnieren. Trotzdem geht der Blick nach vorne: Bei der EM 2024 im eigenen Land soll das Team um die Medaillen mitspielen - immerhin gibt es positive Signale.

Kommentar von Ralf Tögel

All das wird dem 34-jährigen Kapitän und Torhüter der dänischen Nationalmannschaft in diesem Moment egal gewesen sein, Landin nahm das riesige Goldstück in die Hände und stemmte es Sekunden später vor den Teamkollegen in die Höhe. Dänemark hat damit zum dritten Mal in Serie den Weltmeistertitel gewonnen, das kann keine andere Mannschaft von sich behaupten. Die Skandinavier sind ein würdiger Champion dieser WM in Polen und Schweden: Sie mussten im gesamten Turnierverlauf nur einen einzigen Punkt abgeben - beim 32:32-Remis gegen die Kroaten in der Vorrunde - und waren auch im Finale beim 34:29-Triumph gegen Frankreich das bessere Team.

Weder die Reisestrapazen noch die Schiedsrichteransetzung können die Dänen aus dem Rhythmus bringen

Selbst der Umstand, dass Dänemark für sein Halbfinale nach Danzig reisen musste und zum Finale zurück nach Stockholm, während die Franzosen am Ort bleiben konnten, brachte die Skandinavier nicht aus dem Rhythmus. Diese ungleich verteilten Reisestrapazen empfand auch Bundestrainer Alfred Gislason als Ärgernis, sein Team hatte jeweils vor dem Viertelfinale und dem ersten Platzierungsspiel gegen Ägypten einen Anreisetag zu bewältigen, was dem jeweiligen Gegner erspart blieb. Die IHF will die Kritik ernst nehmen, wie das allerdings bei der WM 2025 umgesetzt werden soll, dürfte interessant werden. Dann nämlich gibt es in Dänemark, Norwegen und Kroatien drei Gastgeber, die erfahrungsgemäß auch Anspruch auf wichtige K.o.-Spiele erheben.

Geschenk des Emirs von Katar: Der güldene WM-Pokal. (Foto: Michael Campanella/Getty Images)

Auch die Ansetzung der Schiedsrichter Gjorgji Nachevski und Slave Nikolov war beim dänischen Verband auf Kritik gestoßen. Zu Beginn der WM hatte ein dänischer TV-Sender einen Bericht des Unternehmens Sportradar veröffentlicht, der angeblich auffällige Spiele aus den Jahren 2016 und 2017 auflistete - darunter auch solche, die von den beiden für das Finale nominierten Nordmazedoniern geleitet worden waren. Der europäische Verband EHF sah nach einer Prüfung seinerzeit keine Auffälligkeiten und keinen Handlungsbedarf, was nun auch für den Weltverband galt.

Die Dänen hatten darüber hinaus wenig Grund zur Klage, denn als es zu Beginn der zweiten Halbzeit des Finales nochmals eng wurde, fielen ein paar Entscheidungen sehr wohlwollend für den Weltmeister aus. Freilich darf dies nicht als Grund für die Niederlage des Olympiasiegers gelten, erste Ursache war die deutlich schwächere Torhüterleistung.

Einmal mehr Sieggarant: Dänemarks Torhüter Niklas Landin. (Foto: Jan Woitas/dpa)

Denn während Vincent Gerard kaum einen Ball zu fassen bekam, zeigte der aktuelle Welthandballer Landin im dänischen Tor einmal mehr eine diesem Prädikat würdige Leistung. So konnten die Dänen schnell auf bis zu fünf Tore (12:7) enteilen. Dennoch war der Olympiasieger in der Lage bis zur Halbzeit auf 15:16 zu verkürzen, vor allem der wuchtige Rückraum um die beiden Linkshänder Dika Mem und Nedim Remili brachte die Franzosen zurück ins Spiel.

Letztendlich fand die französische Abwehr aber kein Mittel gegen die flinken dänischen Angreifer, immer wieder tankte sich Mathias Gidsel, der auch bester WM-Torschütze wurde, durch - oder Simon Pytlick traf aus dem Rückraum. Wichtigster Faktor im Angriff aber war Rasmus Lauge, der eigentlich nicht zur ersten Garde zählt, das Spiel aber mit zehn Treffern prägte.

Das nämlich ist die große Qualität solcher Spitzenteams, dass sie auf allen Positionen doppelt hochklassig besetzt sind - was im Übrigen auch für die Franzosen gilt. Da fiel es nicht weiter ins Gewicht, dass in Dänemarks Mikkel Hansen sowie dem Franzosen Nikola Karabatic die großen alten Männer des Welthandballs keine Akzente setzen konnten.

Beide Teams müssen diesbezüglich aber nichts befürchten, Gidsel ist 23 Jahre alt, Pytlick erst 22. Auch Frankreich verfügt über eine ganze Reihe hochkarätiger Nachwuchsleute, Elohim Prandi, 24, Thibaud Briet, 23, der verletzt passen musste, oder Dylan Nahi, 23, seien genannt. Es ist also dringend anzunehmen, dass auch bei der kommenden Europameisterschaft in Deutschland diese beiden Teams weit vorne zu erwarten sind.

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