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Bayern-Zugang Cuisance:Großes Talent, große Ansprüche

Michael Cuisance

Michael Cuisance bei einem Gladbacher Testspiel Mitte Juli.

(Foto: Matthias Balk/dpa)
  • Der Wechsel von Michael Cuisance von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern ist nun offiziell.
  • Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic sagt, der zentrale Mittelfeldspieler sei "ein großes Talent, das großes Potenzial hat".
  • In Gladbach hatte Cuisance, 20, wenig gespielt - laut Manager Max Eberl wollte er "quasi eine Stammplatz-Garantie".

Am Ehrentag klingelt das Handy eines Geburtstagkindes für gewöhnlich häufiger als an stinknormalen Tagen. Das dürfte auch bei einem Fußballprofi wie Michael Cusiance nicht anders sein. An diesem Freitag beging der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach seinen 20. Geburtstag, am späten Abend zog die Handy-Klingel-Rate dann sehr wahrscheinlich stark an. Es gab einen weiteren Grund zu gratulieren. Rund eine Stunde vor der Geburtstags-Deadline um 0 Uhr, verkündete Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic, dass Cuisance nach München wechseln wird. Zwar seien noch Details zu klären, aber: "Das wird ein Spieler des FC Bayern." Am nächsten Mittag war dann alles abgeschlossen, der Vertrag unterschrieben, der Medizincheck absolviert.

Es ist eine Personalie, die im allgemeinen Raunen um den Transfer von Philippe Coutinho ein wenig untergeht. Dabei ist auch dieser Wechsel spannend. Salihamidzic geriet am Freitag ob der Fähigkeiten Cuisances geradezu ins Schwärmen. Der zentrale Mittelfeldspieler sei "ein großes Talent, das großes Potenzial hat". Münchens Sportdirektor lobte die "Riesenstärke" im Ballbesitzspiel, der junge Franzose habe zudem "Mentalität, hervorragende Technik und einen hervorragenden linken Fuß". Was Cuisance auch hat, sind hohe Ansprüche, wenn man Gladbachs Sportdirektor Max Eberl glauben mag. Bei einer Veranstaltung der Rheinischen Post gab Eberl in dieser Woche Einblicke in den Austausch mit Cuisances Berater. "Wir führen seit vielen Wochen Gespräche mit dem Spieler und seinem Management. Es ist überraschend für mich", sagte Eberl, "dass die Unzufriedenheit so groß ist bei einem 19-Jährigen, dass er quasi eine Stammplatz-Garantie haben möchte, die bei uns kein Spieler hat."

Cuisances Unmut rührt aus der vergangenen Saison, als er unter dem damaligen Trainer Dieter Hecking gerade einmal in elf Ligaspielen zum Einsatz kam. Einmal nur spielte er über 90 Minuten. Dabei hatte seine Zeit in Gladbach nach seinem Wechsel aus der U19 der AS Nancy vielversprechend begonnen. In seinem ersten Jahr im Profifußball kam er auf 27 Einsätze. "Das ist sehr viel. Es ist eine Freude für mich, aber auch für meine Familie und meinen Berater", hatte Cuisance nach seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung im Sommer 2018 gesagt. Die Entwicklung ging aber eben nicht wie erwünscht weiter, was ihn und seinen Berater dann doch eher unglücklich machte. Aussagekräftige Eindrücke über den aktuellen Leistungsstand des Franzosen konnten die Bayern, die Cuisance "schon sehr lange beobachten" (Salihamidzic), immerhin bei der U20-Weltmeisterschaft in Polen sammeln. Dort spielte der Linksfuß Ende Mai in allen vier Partien der Franzosen von Beginn an, legte ein Tor auf und schoss zwei selbst.

Sanches beklagt sich über geringe Einsatzzeit

Die Aussage von Eberl über das Anspruchsdenken von Cuisance wirft dennoch die Frage auf, wie er sich beim FC Bayern einreiht. Leichter dürfte es für ihn dort eher nicht werden. In Niko Kovacs Mittelfeld kämpfen Coutinho, Thiago, Leon Goretzka, Javi Martinez, Corentin Tolisso, Thomas Müller und Renato Sanches um drei Positionen. "Er ist ein Spieler, der sich hier entwickeln wird, an dem wir viel Freude haben werden in Zukunft", sagte Salihamidzic. Die Aussagen des Sportdirektors deuten darauf hin, dass Cuisance - im Gegensatz zu Coutinho - nicht sofort weiterhelfen muss. Dennoch wird Kovac einen strengen Blick auf die Stimmung im Kader haben müssen. Mit dem Portugiesen Sanches hat er dort bereits einen unzufriedenen Spieler.

Beim Bundesliga-Auftakt gegen Hertha BSC (2:2) war der 21-Jährige in der 85. Minute für Thomas Müller eingewechselt worden. Fünf Minuten seien nicht genug, befand Sanches nach dem Spiel. "Das ist keine gute Situation für mich. Es ist zum zweiten Mal, dass ich zu einem anderen Verein will, aber man lässt mich nicht gehen", zitiert Sport1 den Portugiesen. Für den maximalen Frust so früh in der Saison brachte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge wenig Verständnis auf: "Es ist nicht angebracht, dass man nach dem ersten oder zweiten Spiel gleich erbost hier davonläuft." Sanches werde seine Chance bekommen, "wir sind alle von ihm überzeugt". Kovac habe dem Portugiesen in einem Gespräch "mehr oder weniger garantiert, dass er viel mehr Einsatzzeiten haben wird als in der Vergangenheit." Es bleibt abzuwarten, ob das Versprechen auch nach dem Wechsel von Cuisance Bestand hat.

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