Transfers bei Bayern und in Europa:Botschaft aus dem Ronaldo-Lager

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Transfers bei Bayern und in Europa: Cristiano Ronaldo sollte sich umschauen, dass er am Ende nicht mit ManUnited auf irgendwelchen Äckern in der Europa League ranmuss.

Cristiano Ronaldo sollte sich umschauen, dass er am Ende nicht mit ManUnited auf irgendwelchen Äckern in der Europa League ranmuss.

(Foto: Jon Super/AP)

Der FC Bayern musste zuletzt Gerüchte um den möglichen Wechsel des Portugiesen abmoderieren. Die Geschichte zeigt: Für manchen Fußballpromi sind die Zeiten gar nicht lustig.

Kommentar von Philipp Selldorf

Der FC Bayern mag mit seinem lustigen Treiben immer wieder mal Polemik herausfordern, aber die Absage an Cristiano Ronaldo haben sie wirklich hervorragend hinbekommen. Auf einmal war da ja am vorigen Freitag, verbreitet von der nicht unbedeutenden spanischen Sportzeitung AS, das Gerücht aufgetaucht, der 37 Jahre alte Portugiese stehe in mindestens loser Verbindung mit den Münchnern, um eine eventuelle Zusammenarbeit zu erörtern. Das Echo aus der Fußballwelt ließ die Säbener Straße erzittern. Beim FC Bayern hatten sich die Leute schon auf ein gemütliches Weißbier-Wochenende eingerichtet, aber jetzt mussten alle noch mal richtig ran. Schließlich übernahm Hasan Salihamidzic vorbildlich Verantwortung, trat hervor und sprach ausgewählte Worte.

Vergiss es, Cristiano, wir haben eh schon mindestens eine Diva zu viel in unserer Kabine, hätte der Sportvorstand Salihamidzic sagen können. Stattdessen erklärte er mit Taktgefühl und politischem Geschick: "Ronaldo ist ein Topspieler mit einer herausragenden Karriere. Das Gerücht, das im Umlauf ist, ist allerdings ein Gerücht, an dem nichts dran ist."

Kenner meinen, die AS-Meldung sei keine bodenlose Ente, sondern eine wohlplatzierte Botschaft aus dem Ronaldo-Lager gewesen. Inhalt: Superstar sucht Superklub! ManUnited, zuletzt ärmlich-erbärmlich nur Sechster in England, ist für den späten Ronaldo eine Nummer zu klein geworden, und die Europa League ist schon mal gar nicht seine Liga.

Außer Ronaldo ist nun also auch Neymar zu haben, aber wer soll solche Leute bezahlen?

Ohnehin sind für manchen Promi der Branche die Zeiten nicht lustig. So hat Paris Saint-Germains Präsident Nasser Al-Khelaifi dem guten alten Neymar kürzlich klar zu verstehen gegeben, dass er sehr gern woanders weiterspielen dürfe. Man wolle "kein Blingbling mehr" im Team und die Spieler müssten "jeden Tag 200 Prozent arbeiten", verlangt Al-Khelaifi - jede dieser Aussagen ist für Neymar geradewegs ein Affront erster Güte.

Außer Ronaldo ist nun also auch Neymar zu haben, aber wer soll solche Leute bezahlen? Selbst Superstars im Sonderangebot sind für die allermeisten Klubs zu teuer. Der FC Chelsea hätte dank neuer Besitzer zwar das nötige Budget und in Thomas Tuchel einen Trainer, der zumindest Neymar bereits zu zähmen wusste. Aber in Wahrheit muss Tuchel andere Lücken seines Kaders schließen.

Die Lösung für die kaum noch finanzierbaren und teils schwer erziehbaren Topleute: Sie gründen ihren eigenen Verein und bezahlen sich selbst, Geld haben sie ja genug. Wenn Ronaldo und Neymar rufen, haben sie schnell eine Elf beisammen; PSG, Manchester United und andere Großklubs wären als Hoflieferanten sehr gern behilflich. An überbezahlten und überzähligen alten Größen mangelt es an diesen Adressen nicht, wie ein erster Entwurf für das neue Superstar-Team offenbart.

Im Tor: Keylor Navas (PSG) - Abwehr: Dani Alves (FC Barcelona), Sergio Ramos (PSG), Gerard Piqué (Barcelona), Marcelo (Real Madrid) - Mittelfeld: Paul Pogba, Juan Mata (Manchester United), Julian Draxler (PSG) - Angriff: Edinson Cavani (United) - Angriff ohne Defensivaufgaben: Neymar, Ronaldo. Für diesen wilden Haufen würde die Uefa zweifellos sofort eine Wild Card ausstellen.

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