Ronaldo bei Juventus Turin Halbgott mit blauem Auge

Ein bisschen unzufrieden in Italien: Cristiano Ronaldo.

(Foto: AP)
  • Cristiano Ronaldo wartet bei Juventus Turin weiter auf seinen ersten Pflichtspieltreffer.
  • Schon werden kritische Stimmen laut, Ronaldo befinde sich auf "Diät", seit er in Italien spielt.
  • Seinem Trainer erfordert die Situation einiges an Geduld ab.
Von Birgit Schönau, Rom

Man kann jetzt nicht sagen, dass Cristiano Ronaldo etwas gegen die Kroaten hätte. Mit Mario Mandzukic zum Beispiel versteht er sich glänzend. Da gibt es keine Missgunst, keine Eifersucht, keinen Neid, auch wenn Mandzukic scheinbar mühelos das gelingt, was bei CR7 partout nicht klappen will: Tore schießen für Juventus. Zuletzt beim 2:1 in Parma, dem dritten Juve-Sieg an drei Spieltagen. Neun Punkte, sieben Treffer, davon zwei von Mandzukic. Kaum ist die Saison eröffnet, steht die Juve schon wieder ganz oben.

Und Ronaldo, der Superstar? Läuft so mit. Läuft allerdings nicht ganz rund. Auf dem Bahnhof von Parma, wo Juventus mit dem Schnellzug aus Turin eintraf, warfen sich die Fans ihm derart an den Hals, dass die Leibwächter einschreiten mussten. Auf dem Platz, bei einem echten Zweikampf ohne Bodyguards, kassierte er ein blaues Auge. Juve verhängte ein Fotografierverbot. Für Ronaldo. Mandzukic durfte selbstverständlich mitsamt allen Kampf- und Schmauchspuren geknipst werden.

Ständige Fragen nach dem Gemütszustand des Halbgottes

Massimiliano Allegri hält viel von Mandzukic. Er hält auch viel von Ronaldo, auch wenn die ständigen Fragen nach dem Gemütszustand des Halbgottes dem Trainer einiges an Geduld abverlangen. Wenn er sich entscheiden müsse, ob Juve zum fünften Mal in Serie Meister werden solle oder CR7 Torschützenkönig, dann wisse er schon, wie, sagt Allegri. "In Italien wird nun mal sehr aufmerksam verteidigt. Die schenken einem nichts." Mehr noch, die Hintermannschaften der italienischen Fußballprovinz stürzen sich nachgerade auf den Portugiesen, schließlich will man den eigenen Enkeln mal erzählen können, wie der Nonno damals den größten aller Angreifer ausgebremst hat. Und Mandzukic steht derart frei, dass er die Vorlagen neuerdings schon mit der Hacke liefert.

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"Ronaldo muss halt öfter angespielt werden", glaubt Allegri. "Und immer schön Ruhe bewahren." Vor allem: trainieren, trainieren, trainieren. Deshalb, so lautet jedenfalls die offizielle Begründung, macht Ronaldo nicht mit, wenn Portugal am Donnerstag im Testspiel gegen Kroatien antritt. Der Einsatz für die Nationalmannschaft könnte seinen "Eingliederungsprozess" beim neuen Klub in Turin stören. Also hat der Kapitän des Europameisters das Match gegen den WM-Finalisten und den Auftakt in der Nations League am 10. September gegen Italien abgesagt.

Portugal ohne Ronaldo! Der Affront wird mit Furor abgewiegelt und beschwichtigt. Schon im Oktober wolle der Held wieder fürs Vaterland den Ball treten, beteuert Nationaltrainer Fernando Santos. Und Portugals Regierungschef Antonio Costa begab sich am Samstag sogar ins kleine Stadion zu Parma, um den berühmtesten Portugiesen seit Vasco da Gama auf seinem Eroberungszug zu sehen. "Ich bin ein Riesen-fan von Cristiano Ronaldo", bekannte der Sozialist, "wie ja überhaupt alle seine Fans sind, nicht nur in Portugal, sondern auf der ganzen Welt."

Alle außer Luka Modric, vielleicht. Der hatte am Abend vor Ronaldos Spiel in Montecarlo eine Auszeichnung als bester Spieler der vergangenen Champions-League-Saison bekommen. In der ersten Reihe war dabei ein Platz frei geblieben - der seines ehemaligen Teamgefährten bei Real Madrid, Ronaldo. Der Portugiese hatte schlicht keine Lust, dem Kroaten zu applaudieren. Modric zu prämiieren, sei "absurd", behauptete Ronaldos Agent. Ihr Bruder habe 15 Tore geschossen und drei Vorlagen geliefert, rechnete die Schwester des Spielers vor - Modric habe einen Treffer und ein Assist vorzuweisen.