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Cristiano Ronaldo:CR7, der Cola-Feind!

Fußball EM - Training Portugal

Cristiano "Bitte nur Wasser" Ronaldo, so lautet sein vollständiger Name.

(Foto: Robert Michael/dpa)

Was hat der Portugiese mit einer einzigen Geste für eine Häme ausgelöst. Aber: Werben und Werben lassen ist doch immer noch der angenehmste Weg, die Welt zu retten.

Glosse von Claudio Catuogno

So viel Zucker ist da doch gar nicht drin in Coca Cola, oder? Und wenn schon: Sollte der Mensch nicht selbst entscheiden, was "verantwortungsvolles Genießen" für ihn bedeutet? Sagt das nicht auch die Gesundheitsministerin Julia Klöckner immer, in diesen Nestlé-Videos? Was ist das denn für eine Welt, in der man, wenn der Durst mal wieder über einen kommt, bloß schnell mit dem SUV zum Edeka an der Ecke fahren will - auf dem Gehweg davor wird man den ja wohl für ein paar Minuten abstellen dürfen -, um dann am Kühlregal von einer Lebensmittelampel gestoppt zu werden?

Also jetzt mal ehrlich, Freunde: Was kommt als Nächstes? Sollen wir in Zukunft nur noch bleifreies Benzin trinken dürfen? Will uns jetzt jemand vorschreiben, dass in Kartoffelchips echte Kartoffeln rein müssen, wenn uns doch die aus Mikroplastik viel besser schmecken?

Eben, liebe Anzeigenkundinnen und Anzeigenkunden, äh, liebe Leserinnen und Leser: Leben und leben lassen, werben und werben lassen, das ist doch immer noch der effektivste Weg, die Welt zu retten, oder zumindest der angenehmste. Wenn wir hier mal kurz die Coca Cola Company zitieren dürfen: "Jeder hat das Recht auf seine Getränke-Präferenzen mit unterschiedlichen Geschmäckern und Bedürfnissen." Schöner hätten wir es auch nicht sagen können. Darauf eine eisgekühlte Coke!

Andreij Jarmolenko ist schon jetzt der Freiheitskämpfer des Turniers

So, nach diesem Werbeblock müssen wir uns natürlich Cristiano "Bitte nur Wasser" Ronaldo zuwenden. CR7, der Cola-Feind! Was hat das für eine Häme ausgelöst, als Ronaldo mit einer einzigen Geste - dem Wegschieben von zwei Coca-Cola-Fläschchen auf einer EM-Pressekonferenz - und einem einzige Wort - "Agua!" - den Börsenkurs von Coca Cola um 1,6 Prozent und den Wert des Unternehmens um vier Milliarden Dollar einbrechen ließ! Stellungnahme von Coca Cola, Stellungnahme der Uefa ("Werbeeinnahmen sind wichtig für den europäischen Fußball"), und so weiter.

Gut, Börsenexperten hielten die Kursschwankung für einen normalen Vorgang, die Aktie sei an jenem Tag "erstmals ohne Bezugsrecht für die bevorstehende Dividende gehandelt worden" und deshalb weniger wert, sagten sie. Aber Börsenexperten trinken wahrscheinlich Agua in ihrer Freizeit. Will man uns jetzt auch noch verbieten, an Ronaldos Wunderkräfte an der Wall Street zu glauben?

Da halten wir uns doch lieber an den Ukrainer Andrej Jarmolenko: Der hat bei seiner Pressekonferenz die zwei Cola-Flaschen extra von links in die Mitte geschoben, dazu noch zwei Heineken-Flaschen von rechts, hey, Coca Cola, hey Heineken, rief er, meldet euch bei mir! So geht's! Andrej Jarmolenko ist schon jetzt der Freiheitskämpfer des Turniers! Wenn er mit der Ukraine demnächst ausscheidet, kann er sich gerne melden, dann essen wir zusammen eine Tütensuppe mit schön viel Glutamat.

© SZ/sjo/jkn
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