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Corona-Krise:Das Virus bringt den Weltsport zum Erliegen

Verkleidete Fußballfans protestieren gegen das Geisterspiel in Mönchengladbach.

(Foto: AFP)

In einer globalen Kettenreaktion wird der Spitzensport lahmgelegt, doch andere Branchen trifft es viel härter. Ein Sportverein kann schneller wieder hochgefahren werden als andere Mittelstandsbetriebe.

Niemand hat diese Entwicklung vorhersagen können. Wer anderes behauptet, ist ein Hochstapler. Oder einer, der über Jahrzehnte Crash!, Crash!, Crash! brüllt - und natürlich irgendwann recht bekommt. Denn der Crash kommt, immer, zuverlässig, nur kennt niemand das Datum, an dem er eintritt. Vor allem aber erkannte niemand diese toxische, globale Mixtur, die jetzt alle Bälle ruhen und alle Räder zum Stillstand kommen lässt: ein Virus, in die Welt gesetzt auf einem Fischmarkt in Wuhan; ein Streit um den Ölpreis zwischen Muskelmännern aus Russland und Saudi-Arabien; der wachsende Zweifel der Finanzmärkte an der Wiederwahl von Donald Trump.

In dieser globalen Kettenreaktion wurde auch dem Spitzensport der Saft abgedreht; er ist sehr abhängig von diesen Ländern, er hängt an deren Tropf. Corona bringt deshalb auch den Weltsport zum Stillstand: Die Sommerspiele in Tokio könnten auf 2022 verschoben werden, die Fußball-Europameisterschaft, die am 12. Juni in Rom beginnen sollte, steht vor der Absage. Die Formel 1 wird am Sonntag in Melbourne wohl nicht gestartet; ebenfalls lässt die populäre nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA vorerst niemanden in die Hallen.

Die Fußball-Champions-League 2019/20 könnte nach den Corona-Fällen bei Juventus Turin und Real Madrid in Kürze mitten im Achtelfinale für beendet erklärt werden. Und die deutsche Bundesliga wird noch versuchen, sich am 26. von 34 geplanten Spieltagen ohne Publikum übers Wochenende zu moderieren, aber bei den ersten Corona-Diagnosen dürfte nicht mal dies mehr gelingen. Spätestens zu Wochenbeginn ist mit einer Unterbrechung auf unbestimmte Zeit zu rechnen.

Prekärer ist es anderswo!

Ist der FC Bayern dann Meister? Gibt es überhaupt einen? Wer steigt auf, wer ab, wer qualifiziert sich für den nächsten Europacup, der ja irgendwann mal wieder gestartet werden könnte? Das sind Statutenfragen, über die heute schon gegrübelt wird, die aber mit etwas Abstand auch in Wochen und Monaten gelöst werden könnten. Akuter sind andere Fragen, die jenseits des Rasenrechtecks drängen: Können Kreditlinien noch bedient, Gehälter noch bezahlt werden, nicht nur für die Profis, für alle Angestellten? Wo drohen Entlassungen? Droht gar die Insolvenz?

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Quervergleiche sind in der Krise selten tröstlich, aber in dieser müssen sie zwingend gezogen werden, denn: Prekärer ist es anderswo! Der Sport ist zwar lahmgelegt, aber er hat einen existenziellen Vorteil zum Beispiel gegenüber der verarbeitenden Industrie. Er muss seinen Kunden nix verkaufen, der Kunde muss nur wiederkommen. Er muss seine Stammkundschaft auch nicht stets aufs Neue überzeugen wie der Kulturbetrieb, in dem jeder Film, jedes Theaterstück, jedes Buch meist schlecht bezahlter Autoren vor dem Risiko des Scheiterns steht.

Ein Sportverein kann schneller wieder hochgefahren werden als jeder andere Mittelstandsbetrieb. Denn der echte Fan behält seine Dauerkarte, das emotionale Band reißt auch in der härtesten Prüfung nicht. Vereinstreue ist Geschäftsgrundlage, bis runter in die vierte Liga. Wer's nicht glaubt, der höre beim TSV 1860 in München zu: Einmal Löwe, immer Löwe!

© SZ vom 13.03.2020/ebc
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