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Corona und Europas Fußball:Wird die paneuropäische EM ins Jahr 2021 verlegt?

Der AS Rom wiederum war in Sevilla erwartet worden, und eine Weile sah es sogar so aus, als würden die Römer eine Odyssee auf sich nehmen, um nach Andalusien zu kommen: Da die Spanier Flüge aus und nach Italien gestrichen hatten, wäre ein Umweg über das portugiesische Faro nötig gewesen. Dann setzten auch die Portugiesen den Flugbetrieb mit Italien aus. Am Donnerstag meldete dann die spanische Sportzeitung Marca, dass auch Champions League und Europa League vorerst ausgesetzt werden sollen. Eine Bestätigung gab es nicht. Stattdessen kündigte die Uefa für kommende Woche einen kontinentalen Fußballgipfel an.

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Am kommenden Dienstag wollen demnach die 55 Mitgliedsverbände, die Vorstände des Europäischen Klubverbands ECA, der Europäischen Ligen und ein Vertreter der Fußballergewerkschaft Fifpro per Videokonferenz über die Lage sprechen. Auch die EM 2020 steht inzwischen zur Disposition. Sie soll Mitte Juni in Rom beginnen und, nach einer Reise quer durch den europäischen Kontinent, Mitte Juli in London enden. Die Uefa hatte sich massiv gewehrt, die paneuropäische Easyjet-Meisterschaft zu verschieben; laut AP steht die Entscheidung, das Turnier in den Sommer 2021 zu verlegen, inzwischen aber unmittelbar bevor. Dies würde Luft schaffen, um die nationalen und kontinentalen Klub-Wettbewerbe zu Ende zu führen. Und die Klubs haben ein wichtiges Pfund, mit dem sie wuchern können: Sie sind es, die die Nationalspieler abstellen. Nicht erst bei der EM im Sommer, sondern bereits Ende März.

In der kommenden Länderspiel-Periode also, in der das Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einen Trip nach Madrid geplant hatte. Ausgerechnet. Mehr noch: Bundestrainer Joachim Löw wollte auf dem Vereinsgelände von Real Madrid trainieren und dort auch Pressekonferenzen abhalten, in Vorbereitung auf das Freundschaftsspiel gegen Spanien im Stadion von Atlético Madrid (26. März) und das Freundschaftsspiel gegen Italien in Nürnberg (30. März). Die Partie gegen die Italiener soll nun, wenn überhaupt, nur hinter verschlossenen Türen stattfinden. Was mit der Partie in Spanien passieren wird, war an diesem Donnerstag noch nicht abzusehen. Der DFB musste erst einmal die Nachricht verdauen, dass die Sportstadt Valdebebas, wo alle Mannschaften Real Madrids trainieren und mitunter auch nächtigen, bis auf Weiteres verriegelt ist. Verriegelt wie Italien. Wie die Heimat von Juve-Profi Rugani.

Dessen Erkrankung hatte am Mittwochabend noch für nachgerade plastisches Anschauungsmaterial zur Verwundbarkeit auch hochgezüchteter Fußballerkörper gesorgt. Anhand eines Fotos, das am vergangenen Sonntagabend entstanden war, nach dem Spiel gegen Inter Mailand, dem Derby d'Italia im zuschauerlosen Juventus-Stadium; ein Foto, das nach der Bestätigung der Diagnose Ruganis "viral ging", wie man neudeutsch sagt.

Ronaldo will Madeira erst mal nicht verlassen

Die Aufnahme erinnerte stark an Bilder, die normalerweise nach gewonnener Meisterschaft entstehen: alle auf einem Haufen, die vorne liegend, die hinten jubelnd, manche halb nackt, andere in ihren verschwitzten Unterhemden. Nur der Champagner fehlte. Die Turiner hatten 2:0 gewonnen, man stand nun wieder an der Spitze der Tabelle, einen Punkt vor Lazio Rom. Alle wussten, nach diesem Spieltag würde die Serie A ruhen, wegen Corona, mindestens bis zum ersten Aprilwochenende. Oben rechts im Bild: Rugani, im modischen T-Shirt, unverschwitzt. Er hatte wieder nicht gespielt, saß aber auf der Bank, man kann ja nie wissen. Ihm zur Seite: der frühere deutsche Nationalspieler Sami Khedira. Links unten, gerade noch knapp im Bild, sitzend: Cristiano Ronaldo mit nacktem Oberkörper. Ein bisschen abseits.

Aber nicht ganz so abseits wie jetzt.

Denn kurz nach dem Spiel gegen Inter setzte sich Ronaldo in einen Privatjet und flog nach Madeira, in die Heimat. Der Klub hatte ihm eine Bewilligung für zwei Tage zugestanden, damit er seine Mutter Dolores besuchen konnte, die eine Woche davor einen Schlaganfall erlitten hatte. Es geht ihr besser, doch nun ist absehbar, dass der Sohn nicht so bald nach Italien wieder zurückkommen wird. Die Gazzetta dello Sport glaubt zu wissen, Ronaldo habe seine ganze Familie in Funchal versammelt, um die Krise dort auszusitzen, auf der Azoren-Insel, weit weg von allem. Seine Partnerin Georgina hat in den sozialen Medien Fotos vom Swimmingpool gepostet, das Haus soll erst kürzlich fertig geworden sein.

© SZ vom 13.03.2020/schm
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