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Corona-Lockerungen:Die große Ernüchterung

Coronavirus - Golfplatzbetreiber will wieder öffnen

Ungewohntes Bild: Kürzlich schauten Polizeikräfte bei der Golfanlage Bergkramerhof in Wolfratshausen vorbei. Der dortige Präsident Josef Hingerl kämpft seit längerem mit teils provokanten Methoden um die Öffnung des Platzes.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Während sich Bayerns Golfer zumindest in Ansätzen darauf freuen können, bald wieder abzuschlagen, gestaltet sich die Rückkehr der Tennisspieler schwieriger. Hallen bleiben für sie geschlossen, und die Plätze im Freien sind noch nicht spielbereit.

Von Gerald Kleffmann

An diesem Wochenende werden sich Malte Uhlig und Helmut Schmidbauer eine spezielle Lektüre zu Gemüte führen. Die 11. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wird nun durch die 12. ersetzt, besonders das Kleingedruckte wird die Sportfunktionäre interessieren. Auch wenn das Werk nicht gerade Lesespaß verspricht. Nach der Ansprache von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder seien jedenfalls Uhlig, dem Präsidenten des Bayerischen Golfverbandes (BGV), "Details noch nicht ganz rübergekommen". Schmidbauer wiederum sitzt dem Bayerischen Tennis-Verband (BTV) vor, der auch von den Neuerungen betroffen ist. Mal vom Profifußball abgesehen, hatte es in Bayern ja kaum Sportarten gegeben, die intensiver um eine Wiederaufnahme kämpften wie Golf und Tennis.

Nun steht also fest: Formal dürfen Disziplinen wie diese beiden unter bestimmten Inzidenzwerten wieder ausgeübt werden, ab Montag. Die Begeisterung über die Lockerungen indes hält sich in Grenzen, selbst wenn Uhlig sagt: "Es ist positiv, dass überhaupt eine Entscheidung getroffen ist." Für den 71-Jährigen stellen sich zu viele Fragen: "Muss der Golfplatzbetreiber kontrollieren, wo jemand herkommt, wie hoch die Inzidenz ist? Muss er prüfen, ob jemand einen Test dabei hat?" Enttäuscht äußert sich Schmidbauer, 68, denn die Tennisspieler können draußen, selbst wenn es politisch erlaubt ist, aufgrund der Jahreszeit noch nicht spielen - und Hallensport bleibt untersagt. Für sie ändert sich vorerst: nichts. "Das war nicht der große Wurf, auf den wir gehofft hatten", sagt er der SZ.

Uhlig und Schmidbauer müssen sich zumindest nicht vorwerfen lassen, sie hätten zu wenig versucht. Sie schrieben Briefe an Politiker, appellierten an Ministerien, der BTV klagte gegen das empfundene "Tennis-Verbot" und kassierte vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eine Niederlage. Die Golfer können immerhin, wenn es Wetter und Zustand des Platzes zulassen, als Erste raus. Ist der Inzidenzwert unter 50 (Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen), sind Vierer-Spielgruppen möglich, bei einem Wert zwischen 50 und 100 Zweier-Gruppen. Ist der Inzidenzwert über 100, müssten die Bälle ruhen. Aber auch in diesen Fällen loteten einige ja schon das Machbare aus. Uhlig erinnert daran, dass in Grenznähe zu anderen Bundesländern Golfer, die in ihrem Heimatklubs vor verschlossenen Türen standen, nach Hessen oder Baden-Württemberg fuhren - und dort in Horden spielten.

"Die älteren Golfer waren schon im Dezember auf den Barrikaden"

Eine der grundlegenden Fragen, die oft genug Menschen während dieser Pandemie entzweit, lautet auch im Sport: Warum dürfen die etwas, was man selbst nicht darf? Uhlig, der 200 Anlagen und 140 000 Golfer repräsentiert, findet zum einen auch unverständlich, warum etwa Radfahrer Aerosole durch die Gegend pusten dürfen, seine Zunft aber auf leeren Feldern viel zu lange nicht. "Die älteren Golfer, die einen bestimmten Lebensrhythmus haben, waren schon im Dezember auf den Barrikaden", berichtet Uhlig. "Sie denken: Warum soll ich jetzt auf einen Spazierweg gehen, wenn ich auf meinem Golfplatz auch alleine unterwegs sein kann." Manchmal aber geht auch ihm das Verhalten einiger Golfsport-Vertreter zu weit.

In der Golfanlage Bergkramerhof spielen sich seit geraumer Zeit regelrechte Dramen ab. Der dortige Präsident und Geschäftsführer Josef Hingerl opponiert seit längerem gegen politische Beschlüsse, per Schreiben forderte er "Herrn Söder weiter auf, juristisch mit mir zu fechten", nahm Bußgeldbescheide in Kauf und versuchte mehrmals, seine Anlage zu öffnen, Lockdown hin oder her. Letztens rückten mehr als zwei Dutzend Polizisten an, um auf der Anlage nach dem Rechten zu sehen, auf der sich Jogger und Radler tummelten inmitten von Golfern. Hingerl hatte die Fläche quasi zum Park deklariert. "Wir Golfer haben uns genauso an die Regeln zu halten wie alle anderen auch", betont Uhlig aber und kritisiert: "Das alles bringt uns als Golfgemeinschaft nichts und ist schädlich für unseren Sport. Es heißt dann: Da schau her, das sind die Bessergestellten, die sich alles erlauben können!"

"Ehrlich gesagt, hätte Ludwig XIV. den Satz auch nicht besser sagen können"

Uhlig, das verheimlicht er aber nicht, ist deshalb nicht gleich ein Freund der politischen Entscheidungsträger, für Söder hat er schon mal eine Spitze parat. Dass das CSU-Oberhaupt zu verstehen gegeben habe, er würde andere Meinungen respektieren, aber auf seiner bestehen, kam nicht gut an: "Ehrlich gesagt, hätte Ludwig XIV. den Satz auch nicht besser sagen können", findet Uhlig. "Man muss doch auch die Bereitschaft zeigen, sich mit der anderen Seite konkret auseinanderzusetzen." Genau so denkt Schmidbauer, der nun seinen 2200 Vereinen und 300 000 Mitgliedern mitteilen muss, dass sie weiter warten müssen. "Wer hat schon einen Allwetterplatz?", fragt Schmidbauer frustriert. Eine zweite Klage hält er "für rausgeschmissenes Geld", denn: "Beim letzten Mal mussten wir acht Wochen auf eine Antwort warten. Bis wir diesmal eine erhielten, sind die Plätze längst offen."

Uhlig sieht immerhin nach zähen Monaten erste Hoffnungsschimmer: "Wir gehen davon aus, dass der Turnierbetrieb regulär ab Mai stattfindet." Wann er im GC Schloss Maxlrain das erste Mal auf den Ball haut, weiß er nicht: "Ich habe Geduld, ich kann warten." Eine hilfreiche Eigenschaft in diesen Tagen.

© SZ/jki
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