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Corona-Hilfe im Sport:Nicht vergessen: Es geht um Steuergeld

Alfons Hörmann

"Zu restriktiv" seien die Vorgaben, klagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

(Foto: Fabian Strauch/dpa)

"Zu restriktiv", "Mogelpackung": Vertreter des Spitzensports kritisieren die vom Staat angeboteten Hilfen. Dabei übersehen sie offenbar, worum es sich handelt.

Kommentar von Johannes Aumüller

In manchen Teilen des deutschen Sports waren in den vergangenen Wochen sehr unverständliche Äußerungen über die Corona-Hilfen des Bundes zu vernehmen. Im Sommer beschlossen die Parlamentarier für Vereine aus den ersten drei Spielklassen einen Unterstützungsfonds in Höhe von 200 Millionen Euro - nicht für die Fußball-Klubs aus erster und zweiter Bundesliga, aber für alle anderen. Doch als sich herausstellte, dass zunächst vergleichsweise wenige Vereine Hilfen beantragten und erhielten, setzte großes Geschrei ein. Zu kompliziert das Ganze; "zu restriktiv" seien die Vorgaben, klagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB); eine "Mogelpackung" nannte es gar Carsten Bissel, der Aufsichtsratsvorsitzende des Handball-Bundesligisten HC Erlangen.

Das waren erstaunliche Wortmeldungen. Immerhin, manchmal scheinen das manche Vertreter des Sports zu vergessen, geht es bei dieser Frage um das Geld des Steuerzahlers. Nun mag es der Sport gewohnt sein, lautstark nach Steuer-Millionen zu schreien - Olympia-Bewerbung! Spitzensport-Reform! -, ohne dass er es überzeugend begründen muss. Aber gerade in der aktuellen Zeit ist eine strenge Prüfung geboten. Es kann ja beispielsweise nicht sein, dass sich ein Verein, der schon vor der Pandemie strukturell pleite war, nun nur dank einer Corona-Zuwendung weiterhangeln kann.

Es gibt Bereiche, die deutlich härter getroffen sind als der Sport

Natürlich, die aktuelle Situation setzt vielen Vereinen aus dem professionellen und semiprofessionellen Betrieb sehr zu, weil die Zuschauer ausbleiben - vom Eishockey bis zum Tischtennis. Deswegen ist es richtig, dass notleidende Vereine für fehlende Ticket-Einnahmen eine Kompensation erhalten können: bis zu 80 Prozent ihrer eigentlichen Zuschauer-Erlöse, maximal 800 000 Euro. Richtig wäre es auch, wenn das nächstes Jahr so bleibt. Denn je nach Sportart und Verlauf der Pandemie wird 2021 manchen Verein mindestens so stark treffen wie 2020. Aber es muss unter klaren Kriterien geschehen, und es wären übrigens Darlehens-Lösungen angemessener als fixe Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Zugleich muss der (Profi-)Sport aufpassen, dass er sich in der ganzen Diskussion richtig einordnet. Auch in Zeiten der Krise ist es nicht die allererste Aufgabe des Steuerzahlers, angeschlagene Profisportvereine zu retten. Es gibt andere Bereiche, die deutlich härter getroffen sind. Frag nach bei vielen Künstlern oder Solo-Selbständigen. Und frag übrigens auch nach an der Basis des Sports, im Amateur- und Breitenbereich, wo gerade an vielen Orten das Angebot stillstehen muss, wo Millionen Kinder und Jugendliche nicht mal in Kleingruppen trainieren dürfen und Mitglieder sich zurückziehen - und wo Vereine oft noch viel mehr Mühe haben, an eine finanzielle Unterstützung zu kommen.

© SZ vom 13.11.2020/chge
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