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Finale der Copa Libertadores:Ein sagenhafter Gag

Santiago Bernabeu stadium is seen in Madrid

Eine Wahl die verstimmt: das Estadio Santiago Bernabeu in Madrid.

(Foto: REUTERS)

Das Rückspiel zwischen Boca Juniors und River Plate soll nach Madrid verlegt werden. Der Vorgang ist historisch bedenklich und offenbart die Abgründe der Branche.

Bei genauer Betrachtung wäre für dieses irre Finale, das einfach kein Ende findet, allenfalls noch ein Ort angemessen: Puerto Argentino. Die Stadt, die es gar nicht gibt. Sie geistert durch argentinische Wetterkarten, als ersehnte Zentrale der ebenso vergeblichen Islas Malvinas, die bei den Briten allerdings Falkland Islands heißen. In Wahrheit heißt Puerto Argentino deshalb natürlich Stanley, doch Argentiniens Fiktion überstand den Falkland-Krieg 1982. Magischer Realismus, höchst geeignet für River Plate gegen Boca Juniors. Aber nein, das ausgefallene Rückspiel um Südamerikas Champions League soll jetzt allen Ernstes nach Madrid exiliert werden.

Der Showdown der Erzfeinde aus Buenos Aires: am 9. Dezember im Estádio Santiago Bernabéu, bereitgestellt vom Madrider Krösus Florentino Pérez. Sagenhafter Gag. Dieser Wettbewerb, dessen Sieger so verzweifelt gesucht wird, nennt sich Copa Libertadores. Befreierpokal. Die Libertadores waren jene Rebellen, die vorneweg Spaniens Kolonialherren aus dem Subkontinent vertrieben. Und nun wird der Superclásico um die Copa Libertadores mitten im spanischen Königreich ausgespielt, weil die República Argentina es nicht auf die Reihe kriegt? Die toten Freiheitshelden von Bolívar bis San Martín drehen wahrscheinlich durch.

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Kurz zur Erinnerung: Beim Hinspiel im Viertel La Boca hatte es erst so geschüttet, dass der Rasen der Arena mit dem Kosenamen La Bombonera, Pralinenschachtel, zerfloss - und die Partie vertagt wurde, Ergebnis 2:2. Vor dem Rückspiel in Rivers Stadion Monumental ließen dann River-Hooligans Steine auf den Boca-Bus hageln, Polizisten versprühten Tränengas, Boca-Profis wurden verletzt. Darauf hin wurde das Match nach jeweils stundenlangem Durcheinander am Wochenende zweimal abgesagt.

Bei Boca finden sie nicht ohne Grund, dass River disqualifiziert werden und Boca die Trophäe kriegen müsste. Boca wurde 2015 schließlich auch aus dem Turnier verbannt, nachdem ein Boca-Randalierer River-Spieler mit Pfefferspray empfangen hatte. Doch die Fifa und ihre südamerikanische Geheimloge Conmebol wollen diese Karikatur eines Duells durchpeitschen. Vor Madrid war von Doha, Miami und Medellín die Rede, vermutlich stand auch der Mond zur Debatte, Puerto Argentino leider nicht. Buenos Aires, eine Metropole mit 13 Millionen Menschen und zwölf Erstligisten in ihrem Dunstkreis, derzeit Trutzburg des Weltgipfels G 20, wird eine Wiederholung des Lokalderbys nicht mehr zugetraut.

Die Argentinier sind verständlicherweise außer sich, darunter etwa 80 000 Kartenbesitzer für die abgesagte Begegnung sowie der tobende Diego Maradona. Inzwischen ist dieser längste Superklassiker aller Zeiten ein Superbeispiel für die Abgründe der Branche. Kriminelle in Fantrikots, mit ihnen verbandelte Funktionäre und Politiker, gierige Verbände. Eine Riege von Raffhälsen zwischen Menschen, die den Fußball lieben. Mauricio Macri war nicht zufällig Präsident von Boca Juniors, ehe er Bürgermeister von Buenos Aires und dann Präsident Argentiniens wurde. Bei einer Gala vor G 20 im Präsidentschaftspalast Casa Rosada wurde er gerade diskutierend mit Fifa-Boss Gianni Infantino gesehen, ehe Trump, Putin oder Merkel eintrafen.

Man könnte sich fragen, was ein Infantino beim Treffen der Staatenlenker verloren hat, so weit ist es gekommen mit diesem aufgeblasenen Geschäft. Auch beim Superclásico geht es nur noch um die Kasse und darum, noch rasch einen Südamerikameister für die Klub-WM ab 12. Dezember in den Vereinigten Arabischen Emiraten herauszupressen. Gegner für River oder Boca dort: Europapokalsieger Real Madrid. Das wäre dann immerhin eine Möglichkeit für einen schönen Befreiungsschlag im Namen der Libertadores.

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