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Argentinien bei der Copa:Wie so oft im Nationalteam geht Lionel Messi in struktureller Einsamkeit unter

"Ich weiß nicht, ob unsere erste Halbzeit so schlecht war", erklärte Messi allerdings, als er nach der Partie zu den ersten 45 Minuten befragt wurde. Sein Team habe sich wohl etwas mehr zurückgezogen und darauf gewartet, dass Kolumbien die Initiative ergreift. "Aber auch wenn sie den Ball hatten - zu klaren Chancen kamen sie nicht", fügte Argentiniens Kapitän hinzu.

Was er nicht sagte: dass er selbst, wie so oft, wenn er im Dress der Argentinier auftritt, in einer strukturellen Einsamkeit unterging. Vor dem Turnier basierten die Hoffnungen darauf, dass er auf dem Platz mit Spielern wie Giovani Lo Celso, Angel Di María und Sergio Kun Agüero hinreichend Allianzen würde schmieden können. Davon war erst nach der Pause etwas zu sehen, als die Argentinier, wie Trainer Scaloni sagte, sich dazu entschlossen hatten, "zwei, drei Dinge umzustellen". Sie kamen zu Chancen durch Leandro Paredes von Paris St.-Germain und durch Messi (65. Minute), der nach einer Glanzparade von Kolumbiens Keeper David Ospina den Ball aus kurzer Distanz per Kopf knapp neben das Tor setzte. Doch just in die beste Phase der Argentinier, die Scaloni mit skurrilen Wechseln torpedierte, platzte der in München nicht länger gewünschte James Rodríguez mit einer Genialität, die Roger Martínez (71.) mit einem Traumtor veredelte.

Noch nicht in völliger Resignation versinken

James nahm den Ball rechts auf Höhe der Mittellinie an und setzte Martínez, ganz links, mit einem grandiosen Flankenwechsel ein. Der Stürmer zog nach innen, war von seinem Bewacher nicht zu halten und zog mit rechts von der Strafraumgrenze ab: Argentiniens Torwart Armani hatte keine Chance, der Ball schlug am linken Pfosten ein. Den ersten kolumbianischen Sieg gegen Argentinien seit zwölf Jahren machte der für Radamel Falcao eingewechselte Duván Zapata (86.) perfekt.

Immerhin: Der Turniermodus erlaubt den Argentiniern, nicht schon jetzt in völliger Resignation zu versinken. Es kommen nicht nur die jeweils zwei besten Teams der drei Gruppen weiter, sondern auch die beiden besten Gruppendritten. "Wir haben es noch in der eigenen Hand", sagte Messi, der als Kapitän immer wieder bei den Journalisten stehen blieb - und dennoch alle mit einer unbeantworteten Frage zurückließ. Mit der Frage, ob er allein alle Probleme lösen könne. "Die Antwort wurde schon zu oft gegeben", schrieb die Sportzeitung Olé. Wie unter den Argentiniern nun voller Sarkasmus gewitzelt wird, scheint sich anzudeuten, dass Scaloni noch einige Zeit in seinem Traineramt verweilen wird. "Wenn ich den Pokal hole, höre ich auf", hatte er gesagt.

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