Perus Trainer Gareca:Garecas gefährliche Nähe zum Cali-Kartell

Der Triumph der Peruaner kam durch ein überragendes Umschaltspiel der Auswahl zustande, das die Gesichter insbesondere der Außenverteidiger Chiles noch deutlich verwitterter aussehen ließ als Garecas furchenreiches Antlitz. Überhaupt müssen die Chilenen das hübsche Wortkompositum namens Abwehrverhalten erst mal wieder neu buchstabieren lernen: Edison Flores konnte unbedrängt die Führung erzielen (21.), Yoshimar Yotun kam zum 2:0 (38.), weil Chiles Torwart Gabriel Arias einen übermotivierten Ausflug an die Eckfahne unternahm und sich dort von André Carrillo ausspielen ließ, der auf Yotun passte.

Kurz vor dem Ende hätte der Chilene Eduardo Vargas noch den Anschlusstreffer zum 1:3 erzielen können, doch bei seinem Versuch, den Ball wie einst Panenka ins Tor zu lupfen, scheiterte der frühere Hoffenheimer kläglich. Perus überragender Torwart Pedro Gallese, der auch hundertprozentige Chancen von Arturo Vidal und Alexis Sánchez vereitelte, hielt den Ball mit einer Hand fest. Und bereitete damit den Boden für einen Rekord.

Denn: Der frühere HSV- und Bayern-Profi Paolo Guerrero, dessen Dopingsperre (Kokain) für die Russland-WM 2018 ausgesetzt worden war, ließ Arias bei einem Konter aussteigen und erzielte sein insgesamt 13. Copa-América-Tor. Guerrero ist damit der beste noch aktive Goalgetter der Turniergeschichte. Als Architekt des peruanischen Erfolgs aber gilt Gareca, der Tiger, wie sie ihn zu seinen Zeiten als argentinischer Nationalstürmer nannten.

Am Ende hat "Pablos Liebe zum Fußball Gareca gerettet"

Er war nicht nur bei Boca Juniors und River Plate aktiv, von 1985 bis 1989 spielte Gareca auch in Kolumbien bei América Cali. Dieser Tage erfuhr er, dass er damals dem Tode geweiht war. Der legendäre Chef des Medellín-Kartells, Pablo Escobar, führte einen Krieg gegen das Cali-Kartell, das mit dem Verein América engstens verbandelt war. John Jairo Velásquez, genannt "Popeye" und einer der berühmtesten Killer in Diensten Escobars überhaupt, enthüllte in einem peruanischen Blatt, dass der Narco-Boss sich für ein Attentat auf seine Familie rächen wollte, Escobar machte dafür das Cali-Kartell verantwortlich. "Gareca war immer im Visier von Escobar, er wollte sein Auto in die Luft jagen", enthüllte Velásquez. Am Ende habe aber "Pablos Liebe zum Fußball Gareca gerettet".

Er habe von alledem keine Kenntnis gehabt, er habe in Kolumbien eine wundervolle Zeit verbracht, sagte Gareca. So wie jetzt in Peru, dessen Nationalelf er zum größten Erfolg seit Jahrzehnten geführt hat - unabhängig vom Ausgang des Endspiels gegen die Brasilianer.

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