Köln, Union und Freiburg im Europacup:Nebel stoppt Kölner Spiel in Tschechien

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Köln, Union und Freiburg im Europacup: Ein tschechisches Remake des Horrorklassikers "The Fog"? Nein, dies sind Spieler des 1. KC Köln, die trotz des Nebels zu ihren Fans gefunden haben.

Ein tschechisches Remake des Horrorklassikers "The Fog"? Nein, dies sind Spieler des 1. KC Köln, die trotz des Nebels zu ihren Fans gefunden haben.

(Foto: Radovan Stoklasa/Reuters)

In der Conference League muss die Partie des FC wegen eines Naturschauspiels abgebrochen und geschoben werden. Eine Klasse darüber gelingt Union Berlin in der Europa League der dritte 1:0-Sieg in Serie - und Freiburg ein spätes Tor gegen den aufkommenden Frust.

Conference League: Slovacko - Köln abgebrochen.

So mancher Fußballfan dürfte erschrocken gewesen sein, als die Nachricht vom Abbruch einer Partie mit Beteiligung des 1. FC Köln die Runde machte. Doch diesmal konnten die Fans - anders als vor einigen Wochen bei den Ausschreitungen in Nizza - nichts dafür. Das Spiel musste wegen dichten, hartnäckigen Nebels auf Freitagmittag (13 Uhr deutscher Zeit) verschoben werden.

Wenig Sicht und noch weniger Durchblick - für den 1. FC Köln wurde die Reise zur Conference-League-Partie beim 1. FC Slovacko zu einem denkwürdigen Erlebnis. Nicht nur die zweimalige Verlegung der ursprünglichen Anstoßzeit um 18.45 Uhr auf 19.15 Uhr und dann 20 Uhr wegen dichten Nebels sorgte für Diskussionen. Dass die dann doch mit großer Verspätung angepfiffene Partie in der siebten Minute von Schiedsrichter Giorgi Kruaschwilli aus Georgien vorzeitig abgepfiffen wurde, machte das Tohuwabohu perfekt.

"Das habe ich so noch nicht erlebt. Aber ich glaube, dass der Abbruch das Richtige ist", kommentierte Trainer Steffen Baumgart. Die Mannschaften machten sich warm, mussten wieder die Kabine, machten sich erneut warm - "da war irgendwann auch das Verletzungsrisiko zu hoch", sagte Baumgart. Für wenige Minuten wurde die Sicht etwas besser, der Schiedsrichter wagte den Anpfiff - musste bald aber doch abbrechen. "Ich bin anderthalb Jahre in Köln, und ich kann drei Bücher darüber schreiben" scherzte der Coach.

Köln, Union und Freiburg im Europacup: Das Schiedsrichtergespann probierte es, das Spiel doch anzupfeifen, doch der Versuch wurde nach wenigen Minuten gestoppt.

Das Schiedsrichtergespann probierte es, das Spiel doch anzupfeifen, doch der Versuch wurde nach wenigen Minuten gestoppt.

(Foto: Radovan Stoklasa/Reuters)

Mit Verweis auf den neuen Termin am Freitagmittag fügte er ironisch an: "Zum Glück war ich lange genug in der 2. Liga. Da weiß ich, wie 13 Uhr geht." Aufgrund des dichten Terminkalenders vor der WM in Katar gab es keine andere Wahl bei der Neuansetzung. Bereits in der kommenden Woche treten die Kölner (3. November) zum Vorrunden-Showdown daheim gegen Nizza an. In der Bundesliga trifft der FC am Sonntag in Köln auf Angstgegner Hoffenheim.

"Die Retourkutsche wird dann am Sonntag kommen. Aber wir müssen damit leben und das Beste daraus machen", sagte Baumgart aus Sorge vor zu geringer Regenerationszeit für seine Profis. Die Ausgangslage ist für den Bundesliga-Zehnten nun jedoch klarer als zuvor. Nach dem 2:1 über Partizan Belgrad (acht Zähler) am frühen Donnerstagabend übernahm das punktgleiche Team aus Nizza die Tabellenführung. Die Kölner und die Tschechen rangieren mit jeweils drei Punkten Rückstand dahinter. Nur der jeweilige Gruppenerste qualifiziert sich direkt für das Achtelfinale. Die acht Zweiten ziehen in eine vorgelagerte K.o.-Runde gegen die acht Europa-League-Absteiger ein.

Europa League: Union - Braga 1:0

Köln, Union und Freiburg im Europacup: Genauso cool wie zuletzt gegen Malmö: Robin Knoche verwandelt einen Elfmeter gegen Sporting Braga - und beschert dem Bundesliga-Tabellenführer den dritten 1:0-Sieg in Serie.

Genauso cool wie zuletzt gegen Malmö: Robin Knoche verwandelt einen Elfmeter gegen Sporting Braga - und beschert dem Bundesliga-Tabellenführer den dritten 1:0-Sieg in Serie.

(Foto: Michael Taeger / Jan Huebner/Imago)

Als WM-Kandidat Robin Knoche zum Elfmeter schritt, wollte Urs Fischer gar nicht hinsehen. Der Trainer von Union Berlin vergrub sein Gesicht in den Händen, erst als im Stadion An der Alten Försterei lauter Jubel ausbrach, hob Fischer an der Seitenlinie den Kopf und lächelte zufrieden. Auf Knoche war Verlass, der Innenverteidiger, der im vorläufigen WM-Aufgebot von Bundestrainer Hansi Flick stehen soll, sorgte mit seinem souverän verwandelten Strafstoß (68.) für das umjubelte 1:0 (0:0) des Bundesliga-Tabellenführers gegen Sporting Braga. "Das war pure Freude, Erleichterung. Gerade wenn man so ein Spiel hat, das nicht gerade chancenreich war. Wir haben den Lucky Punch gesetzt und es jetzt in der eigenen Hand", sagte Knoche.

Plötzlich ist das Weiterkommen in der Europa League für die Berliner ganz nah, mit einem Sieg in Brüssel am finalen Spieltag bei Tabellenführer Union Saint-Gilloise würde Union als Zweiter definitiv die Zwischenrunde erreichen. Dabei war der Bundesligist mit zwei Niederlagen denkbar schlecht in den Wettbewerb gestartet.

Gegen Braga, das das Hinspiel mit 1:0 gewonnen hatte, suchte Fischers Team umgehend den Weg nach vorn. Die technisch versierten Portugiesen konnten sich aber aus der Umklammerung elegant befreien, immer wieder überbrückten sie ansehnlich das Mittelfeld. Und hinten hatten sie Union im Griff.

Union kam stürmisch aus der Kabine. Die spielerischen Lösungen fehlten aber weiterhin, und so waren lange Bälle das häufig gewählte Mittel, um die portugiesische Abwehr zu überspielen. Angefeuert von ihren Anhängern, die wegen der Ausschreitungen von Malmö in Brüssel fehlen werden, wurden die Aktionen der Berliner hektischer. Doch nach einer Flanke von Janik Haberer sprang dann Bragas Fabiano der Ball an die Hand. Nach minutenlanger Kommunikation mit dem Videoassistenten schaute sich Schiedsrichter Craig Pawson die Szene dann selbst an - und entschied auf Strafstoß. Knoche blieb eiskalt. Und Union brachte das 1:0 fröstelnd über die Zeit.

Europa League: Freiburg - Piräus 1:1

Köln, Union und Freiburg im Europacup: Kann nicht jemand dieses Spiel in einer Nebelbank verschwinden lassen? Freiburgs Trainer Christian Streich guckt lieber nicht mehr hin.

Kann nicht jemand dieses Spiel in einer Nebelbank verschwinden lassen? Freiburgs Trainer Christian Streich guckt lieber nicht mehr hin.

(Foto: Frederick Florin/AFP)

Der SC Freiburg hat erstmals in dieser Europa-League-Saison Punkte abgegeben und dennoch vorzeitig das Achtelfinale erreicht. Der badische Fußball-Bundesligist spielte gegen den griechischen Rekordmeister Olympiakos Piräus am Donnerstag 1:1 (0:1). Da Verfolger Karabach Agdam im Parallelspiel beim FC Nantes ebenfalls nur ein 1:1 schaffte, haben die Freiburger den Gruppensieg vor dem letzten Spieltag schon sicher und ersparen sich so nach dem Jahreswechsel die Playoff-Runde. Youssef El-Arabi traf vor 33 600 Zuschauern in der 17. Minute für Piräus, Lukas Kübler gelang in der dritten Minute der Nachspielzeit noch der Freiburger Ausgleich. Piräus' Osseynou Ba sah in einer hektischen Schlussphase mit mehreren akrobatischen Paraden von Keeper Paschalakis noch gelb-rot.

Die Gäste, die seit Ende September vom Spanier Míchel trainiert werden, traten defensiv deutlich disziplinierter auf als noch unter dessen Landsmann und Vorgänger Carlos Corberán, mit dem sie das Hinspiel 0:3 verloren hatten. So hatten die Freiburger im ersten Durchgang zwar mehr Ballbesitz, aber so gut wie keine zwingenden Chancen. Die Führung des griechischen Rekordmeisters entstand aus einem von mehreren guten Kontern. Den ersten Schuss von Pep Biel konnte SC-Keeper Mark Flekken noch parieren, den Abstauber von El Arabi bekam er durch die Beine.

Köln, Union und Freiburg im Europacup: Erlösung in der Nachspielzeit: Lukas Kübler (links) jubelt vor Maximilian Eggestein und Christian Günter nach dem späten Tor zum 1:1.

Erlösung in der Nachspielzeit: Lukas Kübler (links) jubelt vor Maximilian Eggestein und Christian Günter nach dem späten Tor zum 1:1.

(Foto: Tom Weller/dpa)

Beinahe hätte Giorgos Masouras vor der Pause noch erhöht. Nachdem er an Flekken bereits vorbei war, schob er den Ball statt ins leere Tor aber ans Außennetz (23.). In der zweiten Hälfte traten die Freiburger vorne zielstrebiger auf und hätten den Ausgleich daher verdient gehabt. Kübler zwang Olympiakos-Torhüter Alexandros Paschalakis zu einer von mehreren exquisiten Paraden (59.), kurz später verpasste Doan eine Hereingabe knapp (61.).

Streich brachte noch mal frische Kräfte für die Offensive: erst Woo-yeong Jeong, dann Nils Petersen. Doch es zahlte sich zunächst nicht aus, Jeong (88.) vergab kurz vor Schluss per Kopf die Riesenchance zum 1:1. Alles lief auf ein 0:1 hinaus - bis Kübler doch noch nach einem Standard zum Ausgleich traf. Weil der Ball außer Reichweite von Paschalakis an den Pfosten flog und von dort ins Tor.

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