Confed Cup:Wenig "Ros-si-ja", viele Pfiffe

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Trainer Stanislaw Tschertschessow aus Russland bedankt sich nach dem Spiel bei den Fans. Die pfiffen. (Foto: dpa)
  • Gastgeber Russland scheitert nach dem 1:2 gegen Mexiko bereits nach der Vorrunde des Confed Cups.
  • Das russische Publikum ist nicht zufrieden, während Torwart Akinfejew entscheidend zur Niederlage beiträgt.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen des Confed Cups.

Von Johannes Aumüller, Kasan

Für einen Moment schien Igor Akinfejew zu zögern, doch dann blieb er stehen. Geradeaus wäre es weiter in diesem miesen Parcours an den Journalisten vorbeigegangen, an dessen Ende der rettende rote Mannschaftsbus stand. Für einen Moment sah es so aus, als hätte sich der Torwart und Kapitän der russischen Nationalelf am liebsten für diese Variante entschieden. Aber dann wollte er doch noch etwas sagen, zu diesem Abend, zu seinen Fehlern, zum Ausscheiden der Sbornaja.

Russland versus Mexiko 1:2 (1:1), das war das Ergebnis in der Gruppe A an diesem dritten Spieltag im Confed Cup in Tatarstans Hauptstadt Kasan. Mexiko ist damit als Gruppenzweiter hinter Portugal weiter. Die Heim-Mannschaft hingegen ist ausgeschieden, dabei wollte sie bei diesem Turnier so viel erreichen. Und jetzt fragen sich alle, wie das etwas werden soll bei der WM im nächsten Jahr. Die Sbornaja war insgesamt nicht so gut wie es notwendig gewesen wäre. Aber zu einem nicht unerheblichen Teil war dieses Aus auch die Schuld von Akinfejew. Beim 0:1 gegen Portugal war er bei Ronaldos Kopfballtor schlecht platziert, und nun gegen Mexiko war er gleich an beiden Gegentreffern beteiligt. "Die Fans können schimpfen so viel sie wollen", sagte der 31-Jährige von ZSKA Moskau. "Aber was soll ich machen? Losgehen und mich aufhängen?"

Erst einmal war Russland zuvor in Kasan aufgetreten

Zum ersten Mal bei diesem Confed Cup war bei einem Spiel der Sbornaja nicht nur am und im Stadion, sondern auch im Stadtzentrum Fan- und Fußballatmosphäre spürbar. Kasan ist auch für Russlands Mannschaft selbst ein ungewohntes Terrain. Erst einmal war sie überhaupt dort aufgetreten, 2013 war das, bei einem 4:1 gegen Luxemburg, das noch im alten Zentralstadion stattfand und nicht in diesem teuren Neubau auf der anderen Seite des Flusses. Bemerkbar viele russische Fans waren nicht aus Kasan, sondern aus anderen russischen Städten zu einem Kurz-Trip angereist. Und so versammelten sich viele von ihnen auf und neben der Uliza Baumana, der zentralen Fußgängerzone der Stadt, schon am Vorabend und ganz besonders in den Stunden vor der Partie.

Im Stadion war die Unterstützung immens groß, schon lange vor dem Anpfiff gab es ausdauernde "Ros-si-ja"-Rufe. Zur besonderen Motivation bekamen die Spieler dann noch ein Banner zu sehen, das über die komplette Gegengerade reichte: Sechs frühere russische Fußball-Helden waren darauf abgebildet, von Oleg Romanzow über Eduard Strelzow bis Lew Jaschin - so ausgewählt, dass sich aus den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen "Rossija" ergab. Das sollte helfen, diesen für den Halbfinal-Einzug unbedingt notwendigen Sieg zu erreichen.

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Trainer Stanislaw Tschertschessow brachte dafür wieder eine Doppelspitze, diesmal bestehend aus Fjodor Smolow und Alexander Bucharow. Zunächst übernahm zwar trotz Motivationsplakat, Anfeuerung und Doppelspitze Mexiko das Geschehen, doch langsam kam die Sbornaja ins Spiel. Nach sieben Minuten fiel Jurij Schirkow im gegnerischen Strafraum, aber dafür gab es keinen Elfmeter.

Nach knapp 20 Minuten fiel Smolow im Strafraum, aber auch dafür gab es keinen Elfmeter - auch wenn der Schiedsrichter einige Augenblicke nach der Szene das Spiel unterbrach und nochmal zum Seitenrand eilte, um sich via Monitor bestätigen zu lassen, dass nur ein kleiner Schubser vorlag.

Nach dem Aus der Russen pfeift sie das Publikum aus

Aber die Situation hatte Signalwirkung. Smolow hämmerte einen sehenswerten Distanzschuss an den Pfosten, und kurz danach behielt Alexander Jerochin in einer unübersichtlichen Situation den Überblick und passte zu Alexander Samedow. Der schob überlegt ein - 1:0 in der 24. Minute. Doch kaum waren die Fans in guter Stimmung, kam Akinfejews erster Fehler. Bei einem langen Freistoß postierte er sich falsch, und so musste er mit ansehen, wie eine Kopfball-Bogenlampe von Nestor Araujo über ihn ins Tor flog.

Russland ließ sich nicht beirren, hatte vor und direkt nach der Pause noch zwei gute Momente. Doch dann kam Akinfejews zweiter Fehler - und Mexiko ging durch einen kuriosen Treffer in Führung. Nach einem russischen Angriff drosch Hector Herrera den Ball einfach nach vorne, der Ball war lange in der Luft, doch Akinfejew zögerte, lief langsam Richtung Sechzehnterlinie und sprach sich nicht richtig mit dem zurücklaufenden Viktor Wassin ab. Und als der Ball knapp vor der Sechzehnmeter-Linie aufdotzte, war Hirving Lozano zur Stelle und köpfelte den Ball an den beiden verdutzten Russen vorbei aus dieser Distanz ins Tor.

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Kurze Zeit später sah es kurz so aus, als sei die Sache vollends gelaufen, aber einen Treffer von Moreno gab der Schiedsrichter nach Konsultation mit dem Video-Assistenten nicht. Doch nicht einmal diesen Moment konnten die Russen für ausreichend neue Motivation nutzen. Schirkow sah noch Gelb-Rot (68.), der eingewechselte Igor Smolnikow schoss den Ball bei einer vorzüglichen Gelegenheit übers Tor (72.), und Torwart Akinfejew durfte mit dem Schlusspfiff immerhin noch eine Parade zeigen. Dann pfiff das Publikum erst einmal ordentlich - und erst nach einigen Minuten gönnte es der Mannschaft noch ein paar tröstende "Ros-si-ja"-Rufe.

© SZ Digital vom 24.6.17 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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