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Comebacks in der Sportgeschichte:Albträume von eiskalten Schweden

Barças Wiederauferstehung gegen Paris ist spektakulär, aber der Sport bietet solche irren Wendungen immer wieder, das weiß auch Joachim Löw. Die größten Aufholjagden im Überblick.

Ob in Barcelona in dieser Nacht überhaupt irgendjemand geschlafen hat? Ob die Fußballgötter heimlich in Barça-Kluft ihre Entscheidungen treffen? Ob das alles überhaupt wahr ist, was sich da beim 6:1 gegen Paris in der Champions League abspielte? Diese Fragen beschäftigen heute jeden, der dieses Spiel verfolgt hat. Nach einem 0:4 im Achtelfinal-Hinspiel drehten die Katalanen in den letzten drei Minuten eine längst abgeschriebene Nummer - Neymar, Messi, Suarez, sie alle kugelten über den Rasen des Nou-Camp-Stadions. Denn: So eine Wiederauferstehung hat es in Europas Fußball noch nie gegeben.

Champions League Bis im Camp Nou die Mauern wackeln
Barcelona in der Champions League

Bis im Camp Nou die Mauern wackeln

Es ist vorbei für Barça - dachten alle. Doch dann vollzieht sich im Achtelfinale gegen Paris das größte Comeback der Champions-League-Historie. Einer scheint es vorher gewusst zu haben.   Von Thomas Hummel

Seit der Barça-Heldentat geht es wieder einmal um die Frage: Was war das erstaunlichste aller Sport-Comebacks? Nicht mehr für möglich gehaltene Siege und Niederlagen ereigneten sich schließlich auch in anderen Wettbewerben.

  • Der Gewinn des 34. America's Cup durch das Segel-Team aus den USA war 2013 eigentlich kaum mehr möglich. Ein 1:8-Rückstand, das ist im Segelsport im Grunde nicht aufzuholen, schließlich gibt es Dinge wie Wind und Wetter, die man einfach nicht in der Hand hat. Trotzdem sicherten sich die Gastgeber in San Francisco durch einen 9:8-Erfolg über Neuseeland noch die älteste und wichtigste Trophäe im Segeln.​
  • Als krasser Außenseiter geht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 1954 in das WM-Finale gegen die scheinbar übermächtigen Ungarn. Nach dem 3:8 des B-Teams in der Vorrunde scheint auch die beste Elf von Bundestrainer Sepp Herberger angesichts des schnellen 0:2-Rückstandes chancenlos zu sein. Doch Max Morlock und zwei Tore von "Boss" Helmut Rahn sorgen für die Wende im Endspiel und das "Wunder von Bern".
  • Deutschlands derzeit bester Golfer Martin Kaymer macht 2012 das Wunder von Medinah für das europäische Ryder-Cup-Team zur Realität. Nach den ersten beiden Tagen liegen die Europäer im Medinah Country Club im US-Bundesstaat Illinois schier aussichtslos mit 4:8 gegen die favorisierten US-Profis um Tiger Woods zurück. In den abschließenden zwölf Einzeln am Sonntag startet das Team Europa ein historisches Comeback. Kaymer locht den entscheidenden Putt für den Titelverteidiger ein und feiert mit seinen Kollegen den 14,5:13,5-Triumph über die US-Stars. In der Geschichte des Ryder Cups ist es das erste Mal, dass ein Team einen Vier-Punkte-Rückstand auswärts noch dreht.
  • Bei der Tour de France 1989 geht der Franzose Laurent Fignon als Führender in das abschließende Einzelzeitfahren von Versailles auf die Pariser Champs Elysées und steht dicht vor seinem dritten Tour-Gesamtsieg. US-Rivale Greg LeMond macht auf der 24,5 Kilometer langen Strecke jedoch noch 58 Sekunden auf Fignon gut und schnappt dem Mann mit der Nickelbrille und dem blonden Pferdeschwanz den Erfolg mit acht Sekunden Vorsprung weg. "Das ist zu viel für einen Menschen", sagt Fignon im Ziel.
  • Im Champions-League-Finale 2005 liegt der FC Liverpool zur Halbzeit in Istanbul 0:3 gegen den AC Mailand hinten, die Partie scheint gelaufen. Doch die "Reds" mit dem jetzigen Leverkusener Trainer Sami Hyypiä gleichen nach der Pause binnen sechs Minuten aus. Im Elfmeterschießen trifft als erster der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Dietmar Hamann. Liverpool gewinnt vom Punkt 3:2, Hamann wird von den Fans als Held gefeiert, weil er trotz eines im Spiel erlittenen Ermüdungsbruchs im Fuß bis zum Ende durchhält.
  • Der FC Bayern hat den von Oliver Kahn als "Henkeltopf" titulierten Champions-League-Pokal 1999 eigentlich schon sicher. Im Finale von Barcelona führen die Münchner gegen Manchester United lange 1:0 durch das Freistoßtor von Mario Basler. Doch in den letzten Zügen der Partie passiert das Unfassbare: Erst gleicht Teddy Sheringham aus, dann trifft der Norweger Ole-Gunnar Solskjaer zum Manchester-Sieg - die Bayern können ihre Pleite nicht fassen und knabbern noch Jahre später an diesem Moment.
  • Bei den British Open 1999 sieht der französische Golfprofi Jean Van de Velde mit drei Schlägen Vorsprung vor dem letzten der insgesamt 72 Löcher wie der sichere Sieger aus. Doch auf der 18. Bahn braucht Van de Velde sieben Schläge, weil er den Ball in einen Bach und gegen die Tribüne schlägt. Den silbernen Rotweinkrug gewinnt am Ende im Stechen der Schotte Paul Lawrie, der vor dem letzten Tag noch zehn Schläge Rückstand auf Van de Velde hatte.
  • Das deutsche Davis-Cup-Team mit Boris Becker und Michael Stich braucht im Halbfinale 1995 in Moskau nur noch ein winziges Pünktchen zum Final-Einzug gegen die USA. Neun Matchbälle hat Stich im entscheidenden letzten Einzel gegen Andrej Tschesnokow, trotz eigenen Aufschlags kann er keinen nutzen und verliert den fünften Satz nach einem Doppelfehler 12:14.
  • Für Steffi Graf scheint das Wimbledon-Finale 1993 gegen Jana Novotna verloren. 1:4 liegt die Deutsche im 100. Damen-Endspiel auf dem "heiligen Rasen" im dritten Satz zurück. Als Novotna die Chancen zur 5:1- und 5:2-Führung auslässt, entreißt Graf ihr noch den Triumph. Die Tschechin weint und ist mit den Nerven am Ende, die Herzogin von Kent tröstet sie bei der Siegerehrung.
Champions League Ja, wirklich: 6:1 für Barcelona!
Champions League

Ja, wirklich: 6:1 für Barcelona!

Kurz vor dem Abpfiff braucht der FC Barcelona drei Tore gegen Paris, um das Viertelfinale der Champions League zu erreichen - dann ereignet sich Unglaubliches.   Von Carsten Scheele