College-Titel für Niels Giffey:Später Lohn für seine Beharrlichkeit

NCAA Final Four semifinals - Niels Giffey

Der deutsche Überflieger im amerikanischen College-Basketball: Niels Giffey

(Foto: dpa)

Der Berliner Niels Giffey gewinnt mit seiner Mannschaft zum zweiten Mal die amerikanische College-Meisterschaft im Basketball. Für den 22-Jährigen endet nun seine Zeit an der Uni. Um seine Zukunft muss er sich allerdings keine Sorgen machen.

Von Joachim Mölter

Danach spielten sich dann wieder die üblichen Szenen ab: Es regnete Luftschlangen und Konfetti in den Farben des siegreichen Teams, ein Spieler küsste das Parkett, basketballtypisch kam hinzu, dass dieser Spieler - der für seine 22 Punkte und sechs Rebounds als bester Mann der Partie ausgezeichnete Shabazz Napier - dann auf eine Leiter kletterte und das Netz vom Korb abschnitt, als zweite, inoffizielle Trophäe neben der offiziellen, die es sowieso noch gab für ihn und sein Team, die sogenannten Huskies der University of Connecticut.

Diese Huskies hatten sich am Montagabend zum insgesamt vierten Mal nach 1999, 2004 und 2011 den prestigeträchtigen Titel der amerikanischen Studentensport-Organisation NCAA gesichert, mit einem 60:54 (35:31) im Endspiel gegen die Uni von Kentucky. Und so gewöhnlich dieser Erfolg auch gefeiert wurde, so außergewöhnlich waren die Begleitumstände gewesen, aus mehrerlei Gründen. Da war zum einen die Rekordkulisse für ein NCAA-Basketball-Finale von 79 238 Zuschauern (darunter die ehemaligen US-Präsidenten George Bush und Bill Clinton) im Football-Stadion von Arlington, ansonsten Heimstatt der Dallas Cowboys.

Und da war zum anderen der Umstand, dass an diesem Erfolg ein Deutscher maßgeblich beteiligt war, der Berliner Niels Giffey, 22. Er hat dieses Spektakel sogar schon zum zweiten Mal miterlebt: Wie Napier und der im Finale nicht eingesetzte Tyler Olander gehörte er zu dem Team, das bereits vor drei Jahren die College-Meisterschaft der USA gewonnen hat. "Aber dieses Jahr bin ich einer der wichtigen Akteure. Deshalb ist das noch mal ein ganz anderes Gefühl", sagte Giffey.

Vor drei Jahren steuerte er als Einwechselspieler vier Punkte und sechs Rebounds zum 53:41 über Butler bei, diesmal waren es zehn Punkte und fünf Rebounds als Mitglied der Startformation, darunter zwei Dreier zum 44:39 und zum 54:49, mit denen er jeweils Kentuckys Aufholjagden stoppte. Niels Giffey ist zwar schon (oder - je nach Lesart - erst) der fünfte Deutsche, der sich NCAA-Meister nennen darf nach Hendrik Rödl (1993 mit North Carolina), Christian Ast (1991 und '92 mit Duke), Magnus Pelkowski (1987 mit Indiana) und Enosch Wolf, seinem Teamkollegen von 2011. Aber so viel Verantwortung wie er bekam keiner: Abgesehen von Rödl spielten die anderen so gut wie keine Rolle in ihren Teams, schon gar nicht im Finale.

Aber Giffeys Stärke ist ja, dass er mit seinen 2,01 Metern variabel einsetzbar ist, auf den Positionen zwei und drei, als Shooting Guard oder Small Forward; in der Abwehr verteidigt er sogar auf der Vier, als Power Forward.

Sein alter Klub Alba Berlin buhlt um ihn

"Ich bin so stolz auf die ganzen Jungs, die bei diesem Team geblieben sind", sagte Niels Giffey nach dem Finale, und er meinte damit beileibe nicht nur seine Mitstreiter von 2011. Sondern alle, die der Mannschaft die Treue gehalten hatten in einer schwierigen Zeit. Der Studenten-Sportverband NCAA legt ja nicht nur Wert auf sportliche Leistungen, sondern auch auf akademische, und weil die an der University of Connecticut - kurz: UConn - zwischenzeitlich zu wünschen übrig gelassen hatten, waren die Basketballer im vorigen Jahr von der Meisterschaftsrunde ausgeschlossen worden.

Weil die aber wiederum als Bühne für die Talente gilt, die sich für einen Profivertrag empfehlen wollen, hatten etliche Spieler die Uni gewechselt. Giffey war geblieben, auch aus einer gewissen Loyalität heraus: Die in dem 11 000-Einwohner-Ort Storrs, 45 Kilometer östlich von Hartford, beheimatete UConn war praktisch das einzige College gewesen, das ihn seinerzeit haben wollte, als er sich entschloss, seine Basketball-Ausbildung in den USA fortzusetzen.

"Es geht nicht darum, die nächste Stufe zu erklimmen oder zu den Profis zu kommen, sondern darum, für deine Universität zu spielen, für deine Teamkameraden", erklärte er nach dem Finale. Wegen der vielen Abgänge waren die Huskies als Außenseiter in die K.o.-Runde gestartet - das machte den Triumph umso schöner.

Die College-Karriere von Niels Giffey ist nun beendet, länger als vier Jahre darf dort keiner spielen. "Ich habe noch keinen Plan", wird der Nationalspieler auf der Internetseite des Deutschen Basketball Bundes (DBB) zitiert: "Ich lasse den Sommer jetzt einfach auf mich zukommen und warte ab, welche Türen sich für mich öffnen werden."

Sein einstiger Klub Alba Berlin hat durchaus Interesse, ihn zurückzuholen. "In den nächsten Wochen werden wir in Ruhe über seine Situation sprechen. Er ist ja bei uns groß geworden", sagt Albas Sportdirektor Mithat Demirel, der noch viel Potenzial in dem 22-Jährigen sieht: "Im College wird man ja in ein System reingedrückt, da hat er sich in der Position des Verteidigers wiedergefunden und offensiv zu einem passiveren Spieler entwickelt." Das schätzt Demirel aber auch an Giffey: dass er sich klaglos einordnet. "Er ist ein Teamspieler, den man gern in seiner Mannschaft hat."

Genau das macht ihn natürlich auch für andere Klubs interessant.

© SZ vom 09.04.2014/schma
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