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Co-Trainer Peter Hermann:Der Schattenheld des FC Bayern

Hermann Heynckes

Wissbegierig, meinungsstark, aber keinen Drang in die Öffentlichkeit: Peter Hermann (l.) ist auch für Jupp Heynckes (M.) der ideale Assistent.

(Foto: Kolvenbach/imago)
  • Peter Hermann ist der vielleicht größte Schattenheld des deutschen Fußballs.
  • Für 14 Cheftrainer war er Assistent, das berühmteste Tandem bildete er mit Jupp Heynckes - und der machte es zur Rückkehr-Bedingung, dass ihm der FC Bayern Hermann zur Seite stellt.
  • Nachdem Hermann Heynckes vergangene Woche gegen Schalke auf der Trainerbank vertreten musste, darf er nun wieder die Assistenten-Rolle einnehmen.

Geplant hatte Frank Kramer einen gemütlichen Männerabend. In wenigen Tagen stand sein Amtsantritt als Trainer bei Fortuna Düsseldorf an, nun war er zu seinem künftigen Assistenten nach Hause gefahren. Einen entspannten Abend, so hatte sich Kramer das erste Treffen mit Peter Hermann vorgestellt. Nach fünf Minuten räumten sie den Tisch ab, holten Papier und Stifte, dann zeichneten sie Trainingsformen, bis tief in die Nacht hinein. Am nächsten Morgen gehörte auch Frank Kramer zu all denen, die den Mann bewundern, der selbst derart ungern bewundert wird, dass er vielleicht der größte Schattenheld des deutschen Fußballs ist.

An diesem Samstag wird alles wieder so sein, wie es Hermann, 65, am liebsten hat. Er darf seine Meinung äußern und er darf sich sicher sein, dass sie gehört werden wird, aber sobald es aus der Kabine rausgeht, um kurz vor halb vier, zum Bundesligaspiel des FC Bayern beim VfL Wolfsburg, werden all die Kameras sich wieder ausrichten nach dem Mann neben ihm, nach Jupp Heynckes. Es wird also nichts so sein wie vergangene Woche, als Hermann den fiebrigen Heynckes beim 2:1 gegen Schalke zu vertreten hatte, und als alle plötzlich auf ihn schauten, obwohl sie doch wissen, dass ihm das so unangenehm ist.

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"Das Fußball-Inhaltliche, das ist seins. Das Geschäft an sich dagegen schätzt er überhaupt nicht", sagt Kramer, der mit Hermann in Düsseldorf fünf Monate lang zusammenarbeitete und inzwischen die U 20-Nationalmannschaft betreut. Friedhelm Funkel, der von März 2016 bis zum vergangenen Herbst, bis zu Hermanns Wechsel nach München, mit ihm die Fortuna trainierte, sagt: "In unserer Branche wird das oft als Schwäche ausgelegt, wenn einer nicht gerne in der Öffentlichkeit steht. Bei Peter aber ist das eine Stärke: Er weiß, was er will und was er kann." Und natürlich ist Hermann als Assistent auch so beliebt geworden, weil sich die Cheftrainer sicher sein konnten, dass ihr Zuarbeiter nicht doch insgeheim auf den Job in der Verantwortung hofft. (Nachdem Kramer 2015 in Düsseldorf beurlaubt worden war, übernahm Hermann interimsweise; im ersten Spiel unter ihm gewann die Fortuna erstmals in jener Saison auswärts.)

14 Cheftrainern arbeitete Hermann in knapp drei Jahrzehnten zu, das berühmteste Tandem bildete er mit Heynckes, mit dem er 2013 das Triple gewann. Bevor dieser im Herbst seine Rückkehr nach München zusagte, machte er es zur ersten Bedingung, dass ihm der Verein Hermann zur Seite stellt - der FC Bayern überwies angeblich 1,75 Millionen Euro an die Fortuna. Seitdem gilt Hermann als teuerster Assistent der Welt. Heynckes' Forderung war eine, die Jürgen Gelsdorf gut verstand. Er hat sie schließlich erfunden. Im Frühjahr 1989 wurde Gelsdorf zum Trainer von Bayer Leverkusen befördert, als Nachfolger von Rinus Michels, dem er zuvor assisstiert hatte. Und er hatte als ersten Gedanken: Wenn, dann mit Hermann.

Zehn Jahre lang hatten Gelsdorf und Hermann in Leverkusen zusammengespielt, Hermann brachte es in dieser Zeit auf 118 Partien in der Bundesliga (plus zuvor zwei für den HSV). "Peter war immer wissbegierig, hatte eine klare Meinung", sagt Gelsdorf. Er beobachtete, dass es Hermann gelang, dass Team und Trainer ihm vertrauten. "Als Co-Trainer musst du auch mal überhören können, was die Spieler erzählen. Du darfst nicht alles dem Trainer weitergeben. Die Spieler haben gespürt, dass er allein für sie da ist, wenn sie ihn brauchen." Gelsdorf wiederum nahm Hermann ernst als fachlichen Zwischenmann, er glaubt, dass Hermann auch deshalb bis heute "mein bester Freund" geblieben ist. Mit ihren Familien sind sie gemeinsam in den Urlaub gereist; am Montag fährt Gelsdorf mit seiner Frau nach München, "damit der Peter wieder ein bisschen was aus der Heimat mitbekommt".

"Die Spieler haben mich gefragt, ob der eigentlich im Stadion übernachtet."

Damals, im Frühjahr 1989, entwarf Gelsdorf auch das Aufgabenprofil, das sich Hermann bis heute bewahrt hat. Gelsdorf durfte unter Michels nur Hütchen aufstellen und Linien ziehen; wenn ein Spieler fehlte, musste er im Trainingsspiel aushelfen. Gelsdorf selbst behielt sich als Cheftrainer zwar das letzte Wort vor, bis dahin aber erledigte er alles gemeinsam mit Hermann. Er ließ ihn auch mal das Training leiten, was Heynckes, Kramer und Funkel später sogar ganz ihrem Zuarbeiter überließen. "Egal, welches Thema du mit der Mannschaft angehen wolltest, er hatte sofort eine Lösung", sagt Kramer. Gelsdorf glaubt, dass es in Deutschland "keinen vergleichbaren Trainer mit diesem enormen Fußballwissen gibt". Tausende Spiele habe Hermann angeschaut, "die Spieler haben mich gefragt, ob der eigentlich im Stadion übernachtet". Manchmal versuchte Gelsdorf seinen Freund zu bremsen. "Dann habe ich gesagt: Musst du noch das Spiel der zweiten Mannschaft von Dingenskirchen sehen? Er antwortete: Keine Sorge, ich bleibe nur die erste Halbzeit." Also ließ Gelsdorf ihn fahren, obwohl er wusste, dass er bis zum Abpfiff bleiben würde.

"Es war wirklich verrückt: Peter wusste sofort was zu jedem Spieler", sagt Kramer. "Die Spieler, die heute den Kader der Fortuna bilden, hat maßgeblich Peter geholt."

Manchmal fragt Gelsdorf seinen Freund, ob er nicht aufhören wolle, um das Leben zu genießen. Er erzählt ihm dann, wie angenehm sein Leben sei, seit er sich vor zwei Jahren zurückgezogen habe. Hermann verspricht dann, dass auch für ihn diese Zeit kommen werde, auch einen gemeinsamen Urlaub hat er angekündigt. Für diesen Sommer haben sie jedoch noch keine Reise gebucht. Gelsdorf sagt: "Wir wissen ja alle nicht, wie es beim Peter weitergeht."

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