Club-Trainer Damir Canadi  Experte für Leidenschaft

Trainer für den Wiederaufstieg: Damir Canadi, 49.

(Foto: Manuel De Almeida/dpa)

Nürnberg verpflichtet den Österreicher Canadi, der zuletzt Atromitos Athen in den Europapokal führte.

Von Sebastian Fischer, Nürnberg/München

Als Robert Palikuca vor rund einem Monat als Sportvorstand des 1. FC Nürnberg vorgestellt wurde, war es eine relevante Information, wie man seinen Namen ausspricht: "Palikutscha", nicht etwa "Palikutza". Man wusste wenig über den Manager, der zuvor bei Fortuna Düsseldorf eher im Hintergrund gearbeitet hatte. Am Sonntag hat der Club nun den Trainer bekanntgegeben, dem in der kommenden Saison die Rückkehr in die Bundesliga gelingen soll, der Abstieg des Tabellenletzten stand bereits vor dem 1:5 in Freiburg am Samstag fest, genau wie der Abschied von Interimstrainer Boris Schommers. Und wieder ist es relevant, wie man den Nachnamen des Neuen ausspricht: mit Betonung auf dem ersten "a".

Damir Canadi, 49, der einen Zweijahresvertrag unterschreibt, wurde seit Wochen als Kandidat gehandelt. Doch bekannt dürfte er bislang vor allem Beobachtern des österreichischen und griechischen Fußballs gewesen sein. Zuletzt arbeitete der Österreicher für Atromitos Athen, er führte den Klub in den Europapokal - unter Aufwendung geringer finanzieller Mittel, was ihn für Nürnberg interessant gemacht haben dürfte. In Athen wollte er stets "in Transfers stark eingebunden sein", wie er neulich dem österreichischen Magazin ballesterer sagte. Er lobte den Wert von Leihgeschäften und sagte über die Spielweise seiner Mannschaft: "Wir sind sehr gut im Umschalt-Verhalten in beide Richtungen, und die Mannschaft bringt sehr viel Leidenschaft auf den Platz."

Palikuca, 40, lieh in Düsseldorf viele Spieler aus, um eine Mannschaft zusammenzustellen, die in dieser Saison nicht nur viel Leidenschaft auf den Platz brachte, sondern mit ähnlichen Mitteln wie Nürnberg Zehnter wurde. In Düsseldorf, heißt es, soll Canadi im Winter bereits im Gespräch gewesen sein, als die Fortuna zwischenzeitlich in Erwägung zog, sich von Friedhelm Funkel zu trennen. In Düsseldorf arbeitete Palikuca auch bereits mit Peter Hermann zusammen, dem Assistenztrainer des FC Bayern, der weiterhin als Sportdirektor in Nürnberg gehandelt wird. Dass er den Mitarbeiterstab erweitern dürfe, auch das nach Düsseldorfer Vorbild, dafür habe er "grünes Licht", sagte Palikuca in der vergangenen Woche. Den neuen Trainer kennt und schätzt er dem Vernehmen nach seit Jahren. "Wir haben uns bewusst für einen Neuanfang auf dieser Position entschieden", wird Palikuca nun in der Mitteilung vom Sonntag zitiert.

Canadi, der seinen niederländischen Assistenten Eric Oier mitbringt, hatte nach eigener Erzählung schon als junger Trainer in der viertklassigen Wiener Liga das damals ambitionierte Ziel, einmal in der deutschen Bundesliga zu arbeiten. Sein Ruf als Trainer litt ein wenig, als er im April 2017 nach nur fünf Monaten bei Rapid Wien beurlaubt wurde. In Athen hat er sich allerdings zuletzt einen Namen gemacht, der großen Respekt ausdrückt. Sie nannten ihn dort "Lehrer".