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Cleveland Indians im Baseball:Die Indianer ohne Häuptling

Ryan Raburn

Umstrittenes Logo: nach anhaltenden Kontroversen ändern die Cleveland Indians ihr Logo.

(Foto: AP)
  • Das Cleveland Indians aus der amerikanischen Baseball-Liga ändern ab 2019 ihr kontroverses Logo.
  • Der Indianerkopf im Comic-Stil wird durch ein simples "C" ersetzt. Dennoch möchte sich das Team die zukünftige Nutzung in Form von Werbematerial weiterhin offen halten.
  • Trotz massiver Proteste streben die Washington Redskins aus der NFL keine Änderung von Namen oder Logo an.

Von Kathrin Werner

Chief Wahoo grinst so breit, dass sein Lächeln auch ein Zähnefletschen sein könnte. Seine Haut ist tomatenrot, die Nase ein krummer Zinken, hinten im Haar steckt eine Feder. Der Comic-Indianer ist das Logo des Baseball-Teams Cleveland Indians und genauso bekannt wie umstritten. Nun muss der Chief, wie der Stammeshäuptling im Englischen heißt, weichen, er wird ersetzt von etwas Neutralem, an dem man sich kaum reiben kann: dem schnöden Buchstaben "C", passend zur Heimatstadt des Klubs.

Auch entlang dieses Maskottchens hat sich ein amerikanischer Kulturkampf entfaltet, und das vor Jahrzehnten schon. Rassistisch, sagen die einen - Tradition, sagen die anderen. Die einen haben nun gewonnen. Seit den Siebzigerjahren protestieren amerikanische Ureinwohner dagegen, dass ein Klischee von ihnen als Logo missbraucht wird. Sie seien Menschen, keine Maskottchen. Schließlich nutze auch niemand mehr Schwarze in Baströckchen als Markenzeichen. Es gab sogar etliche Klagen gegen Chief Wahoo vor Gericht - allerdings ohne Erfolg. Für die anderen, die oft weißen Fans der Mannschaft aus dem Mittleren Westen, war der Häuptling das Symbol der langen, großen Geschichte ihres Teams, das es 2016 sogar wieder in das Endspiel der Liga geschafft hat, die World Series. Chief Wahoo ist seit 1948 auf die Trikots aufgenäht.

"Ich verstehe nicht, warum sie das hinauszögern"

Von 2019 an ist das vorbei. Der Häuptling verschwindet von den Uniformen und aus dem Stadion. Der Klub will allerdings die Markenrechte behalten. In der Gegend um Cleveland herum will er weiterhin Werbematerial wie Baseball-Kappen mit dem Logo verkaufen, die Baseball-Liga MLB wird es allerdings nicht mehr landesweit vertreiben.

Mehrere Gruppen, die sich für die Rechte amerikanischer Ureinwohner einsetzen, begrüßten den Schritt - allerdings nicht die Tatsache, dass der Name "Indians" beibehalten wird, und auch nicht, dass das Logo zumindest zum Teil in dieser Saison noch sichtbar bleiben wird. "Ich verstehe nicht, warum sie das hinauszögern", sagte Philip Yenyo vom American Indian Movement of Ohio: "Es ergibt keinen Sinn. Es sei denn, sie wollen weiterhin damit Quasi-Blutgeld verdienen." Solange das Team Indians heißt, würden die Fans mit rot bemalten Gesichtern und Federschmuck im Stadion erscheinen.

Ein wenig war der Klub in den vergangenen Jahren schon von dem Comic-Indianer abgerückt. Als er 1994 in ein neues Stadium umzog, kam der Neon-Wahoo nicht mit, der jahrelang über der alten Arena leuchtete und ein Liebling der Fans war. Doch ganz abschaffen wollte Team-Eigentümer Paul Dolan den Chief Wahoo nicht. Zuletzt wurde es der MLB allerdings zu viel mit dem Comic-Indianer und dem ewigen Streit. Liga-Chef Rob Manfred will, dass sich der Sport an alle Amerikaner richtet, nicht nur an die Weißen, und hat Druck auf Dolan ausgeübt - das Logo sei einfach nicht mehr "angebracht". Nun sagte Dolan: "Es ist uns zwar bewusst, dass viele unserer Fans seit Langem an Chief Wahoo hängen, aber letztlich stimme ich mit Commissioner Manfreds Bestreben überein, das Logo 2019 von unseren Uniformen zu entfernen."

Etliche Universitäten, deren Teams einst nach Indianerstämmen oder Indianerklischees benannt waren, haben ihre Namen inzwischen geändert. Die St. John's University Redmen zum Beispiel heißen heute Red Storm, die Fighting Sioux der University of North Dakota treten seit 2015 als Fighting Hawks an. Der Eigentümer des Profi-Footballklubs Washington Redskins, Daniel Snyder, hingegen widersetzt sich weiterhin allen Forderungen, Namen und Logo zu ändern. Über den abwertenden Begriff "Rothaut" (Redskins) ärgern sich viele Ureinwohner besonders. Sogar der US-Kongress hat darüber bereits diskutiert. "Es ist unangebracht von Daniel Snyder, sich hinter der Tradition zu verstecken", sagte Harry Reid, der ehemalige Senator des Bundesstaats Nevada, und fragte: "Welche Tradition denn? Die Tradition von Rassismus?"

© SZ vom 31.01.2018/mwal
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