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Barcelona-Pleite im Clásico:Hauptsache, Messi bleibt

Real Madrid v FC Barcelona - La Liga Santander

Barcelona bibbert: Während die Stadt und der Klub über den Verbleib von Messi spekulieren, ließ sich der Kapitän im Duell mit Real ein neues Trikot reichen - bei strömendem Regen und Windböen fror er erbärmlich.

(Foto: Angel Martinez/Getty)

Durch das 1:2 bei Real gerät Barça in der spanischen Meisterschaft ins Hintertreffen. Doch der Klub tröstet sich mit der Hoffnung auf einen Verbleib von Lionel Messi - und streut verhaltenen Optimismus.

Von Javier Cáceres

Über Madrid fegte am Samstag ein veritabler Sturm, samt heftigen Niederschlägen und Böen, die laut spanischem Wetterdienst AEMET mit 54 Stundenkilometern über die Stadt jagten und doch biblisch anmuteten. Am Sonntag freilich war von einem ganz anderen Sturm die Rede; vom Sturm der Entrüstung, den der FC Barcelona auf die 1:2-Niederlage im Clásico beim Rekordmeister Real folgen ließ.

Barcelonas Trainer Ronald Koeman zum Beispiel, der mit geöffnetem Regenschirm und klammen Haaren vor einem Mikrofon stand und seinem Ärger freien Lauf ließ. "Wenn du Barcelona angehörst und das Spiel gesehen hast, dann musst du kochen!", sagte Koeman, und spielte auf kuriose Umstände einer Pleite an, die unter anderem bedeutete, dass Barça in der Meisterschaft nun einen Punkt hinter Titelverteidiger Real Madrid liegt.

Kurios zum Beispiel war, dass Schiedsrichter Jesús Gil Manzano bloß vier Minuten nachspielen ließ, wo er doch in der zweiten Halbzeit allein "zwei, drei Minuten" damit zugebracht hatte, die vom Regen gestörte Funkanlage in Ordnung zu bringen, mit der er mit dem Rest des Schiedsrichterteams kommuniziert. Oder auch und besonders, dass die Pfeife von Gil Manzano stumm blieb, als Barças eingewechselter Stürmer Martin Braithwaite von Real-Verteidiger Ferland Mendy im Strafraum gehalten worden und zu Boden gegangen war.

"Wofür gibt es in Spanien eigentlich einen Videoschiedsrichter?", wettert Barça-Trainer Koeman

"Man muss nur sehen, wie sich Braithwaites Körper dreht, als er fällt...", klagte Koeman, und meinte damit, dass die Kontorsion des dänischen Angreifers nur einen Schluss zuließ: "Klares Foul!" und damit: "Elfmeter!" Die erste grundsätzliche Frage, die ihn schon länger beschleicht ("Wofür gibt es in Spanien eigentlich den Videoschiedsrichter?"), beantwortete er insofern selbst, als er sagte, dass man den VAR "besser gleich abschaffen" solle.

Weil ein Journalist nicht ablassen wollte, stellte Koeman schließlich weitere Fragen: "War's für dich Elfmeter? Oder war's kein Elfmeter?" Doch weil er darauf keine klare Antwort erhielt, verließ Koeman die Bühne, erkennbar verärgert und mit einer Klage auf den Lippen: "Wenn du keine Farbe bekennen willst, bekennst du halt keine Farbe", blaffte er - und ließ den Journalisten mit offenem Mund stehen.

Trotz des Disputs: Koeman führte die Niederlage nicht monokausal auf Schiedsrichter Gil Manzano zurück, der erst am Vorabend nachnominiert worden war, sein Kollege Antonio Mateu Lahoz hatte sich verletzt. Der FC Barcelona sei in der ersten Halbzeit sowohl defensiv wie offensiv unzulänglich gewesen, bekannte Koeman, was nicht zu bestreiten war.

Unter anderem ging die Idee schief, den früheren Dortmunder Ousmane Dembélé als Mittelstürmer aufzubieten - und das, obschon Madrid bloß eine Behelfsabwehr aufstellte, mit Militão und Nacho als Innenverteidiger. Barça hatte zwar den Ball, Real Madrid aber schlug zu. Und setzte den Sieg aufs Gleis, als noch keine halbe Stunde gespielt war.

Einem Galopp von Federico Valverde übers halbe Feld ließ Lucas Vázquez eine scharfe Hereingabe folgen, die Kapitän Karim Benzema durch einen genialischen Absatzkick in ein sagenhaftes Tor verwandelte (13.). Beim zweiten Treffer hatte Barças Tormann Marc-André ter Stegen erst recht keine Chance: Bei einem Freistoß von Toni Kroos drehte Barça-Verteidiger Sergiño Dest dem Ball den Rücken zu - und lenkte diesen unerreichbar für den DFB-Schlussmann ins Tor (28.).

Barça konnte einerseits von Glück sprechen, dass Real Madrid diverse Chancen liegen ließ, und andererseits bedauern, dass Lionel Messi, 33, kurz vor der Halbzeit nur den Pfosten traf. Denn um ein Haar hätte er seine Werksammlung komplettiert. Ausgerechnet gegen Reals riesigen Torwart Thibaut Courtois hätte er fast erstmals in seiner Karriere eine Ecke direkt verwandelt.

Danach dominierten die Katalanen zwar das Spiel. Doch sie brachten lediglich noch den Anschlusstreffer durch Óscar Mingueza zustande. In der turbulenten Schlussphase, in der ter Stegen aufrückte, traf der 18-Jährige Ilaix Moriba nur die Latte. Das hieß unter anderem, dass Messi weiterhin seit Mai 2018 auf ein Clásico-Tor wartet. Letztmals traf er gegen Real Madrid, als Cristiano Ronaldo der spanischen Liga noch nicht den Rücken gekehrt hatte. So wie es Lionel Messi am Ende der Saison tun wird?

Darum waren die Fragen vor diesem Clásico ja auch gekreist, der Samstag könne das letzte Mal gewesen sein, dass Messi im Dress des FC Barcelona auf Real Madrid trifft. Im Sommer hatte er bereits versucht, aus Barcelona zu fliehen, er blieb gezwungenermaßen, sein Vertag läuft aus.

Es gab am Samstag auch noch eine Szene, die man mit ein wenig Phantasie sinnbildlich deuten konnte: Gegen Ende der zweiten Halbzeit zog Messi das Hemd aus, allerdings nur deshalb, weil er vor Kälte zitterte und durch das Wechseln des Trikots den Tremor in den Griff bekommen wollte. Und dennoch: Der ehemalige Profi Guillermo Amor, der nun so etwas wie der Außenminister Barcas ist, musste die Frage über sich ergehen lassen, ob das gewissermaßen Messis letzte Clásico-Szene gewesen sein sollte.

Messi will weder nach Manchester noch nach Paris umziehen, heißt es in Barcelona

Amor dementierte das. "Unser Wunsch ist es, dass er noch viele Clásicos spielt", sagte Amor, "er betreibt seine Arbeit mit großem Eifer, er ist konzentriert und will das Beste für Barça." Das war zwar nicht sehr apodiktisch, passte aber zum verhaltenen Optimismus, den der Klub offenkundig streut. Am Sonntag jedenfalls wartete die katalanische Zeitung Sport ohne nähere Quellenangabe, aber doch mit der sehr bestimmt vorgetragenen Nachricht auf, dass Messis "Vertragsverlängerung unaufhaltsam" sei. Sie werde "auf kleiner Flamme" dem Kochpunkt entgegengebracht.

Manchester City und PSG sind an Messi latent interessiert, Sport aber schrieb, dass Messi keinen Gefallen an Manchester finde und Paris auch nur für bedingt verführerisch halte. Und überhaupt: "Das, was seine Familie sagt, ist wichtiger als die Petrodollars." Das Vertrauen des Klubs in eine Einigung mit Messi sei so groß, dass man bereits die neue Saison mit dem Argentinier plane. Man warte nur auf die unabhängige Prüfung der Bücher; bekanntermaßen hat der Klub Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe.

Aber: Sobald man einen genauen Überblick über die Finanzlage habe, werde der Verein ein detailliertes Angebot unterbreiten, das einerseits die Krisensituation berücksichtige, also ein niedrigeres Salär vorsieht als zurzeit. Andererseits eine Perspektive jenseits des Karriereendes beinhalte. Ein paar Abstriche wird Messi wohl verkraften können. Seine jetziges Bruttojahresgehalt liegt satt über der 100-Millionen-Euro-Grenze.

© SZ/sjo/ska
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