European Championships:Endlich im Scheinwerferlicht

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European Championships: Hat noch Zeit, sich ordnungsgemäß für den Zieleinlauf zu beflaggen: Christopher Linke bejubelt seine erste internationale Medaille bei den Erwachsenen.

Hat noch Zeit, sich ordnungsgemäß für den Zieleinlauf zu beflaggen: Christopher Linke bejubelt seine erste internationale Medaille bei den Erwachsenen.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Achter, Fünfter, Vierter, Fünfter: Geher Christopher Linke ist schon lange Weltspitze, verpasste die Hauptpreise aber immer knapp. In München belohnt sich der 33-Jährige mit Silber über die 35 Kilometer - von denen er einst gar nicht so viel hielt.

Von Johannes Knuth, München

Auf den letzten Metern, die sich auf der langen Leopoldstraße in München noch ein wenig quälend länger anfühlen, hellte sich sein Gesicht auf. Vorne, da feierte Miguel Angel Lopez schon seinen Europameistertitel im Ziel, gut verpackt in der spanischen Flagge, aber von hinten, diese Gewissheit sank nun in den Geher Christopher Linke hinein, drohte keine Gefahr mehr. Platz zwei über 35 Kilometer Gehen war ihm sicher, seine erste internationale Medaille bei den Erwachsenen.

Linke hatte sogar Zeit, eine Flagge um seinen Kopf zu drapieren, wie eine schwarz-rot-goldene Schleppe flatterte sie hinter ihm her. Und die Freude erkaltete im Ziel nicht gerade, wie auch bei knapp 30 Grad? Rund drei Wochen zuvor, während der Weltmeisterschaften, hatte Linke herausgefunden, dass er sich mit Corona infiziert hatte, alle Chancen waren erst mal dahin. Er habe die vergangenen zwei Wochen wieder trainiert, sagte er am Dienstag, die Ärzte des Deutschen Leichtathletik-Verbandes hätten ihm aber geraten, sich "keine großen Hoffnungen zu machen". Nun ja. "Ich denke", sagte der 33-Jährige, "dass das Geheimrezept heute war, dass ich mir anders als in der Vergangenheit überhaupt keinen Druck gemacht habe, unbedingt eine Medaille holen zu müssen."

Bestzeit und WM-Norm bei knapp 30 Grad: "Das ist definitiv kein Glück", sagt Linke

Immer bei den Weltbesten dabei, immer knapp an den Hauptgewinnen vorbei, die die Aufmerksamkeit erst auf einen lenken - das war lange Linkes Leitthema gewesen. Er war schon bei der WM 2013 Achter über 20 Kilometer, Fünfter bei Olympia 2016 und der WM 2017, Vierter bei der WM vor drei Jahren im Glutofen von Doha, in Tokio Olympia-Fünfter über 20 Kilometer. Er hatte alles versucht, sich in einer Hitzekammer für die hohen Temperaturen präpariert, bei knapp 40 Grad und Luftfeuchtigkeit bis zu 80 Prozent. Mal waren es Verletzungen, dank derer er das Scheinwerferlicht verpasste, zuletzt Corona. Nun mischte er also die richtige Portion Gelassenheit unter. "Unter diesen Bedingungen heute WM-Norm und Bestzeit zu gehen", sagte Linke mit Blick auf seine 2:29:30 Stunden, "ist definitiv kein Glück." Für glückliche Zufälle sind 35 Kilometer, auf denen ein falsch ausgeführter Schritt zur Disqualifikation führen kann, tatsächlich zu lang.

Linke steht nun auch stellvertretend für ein Ressort, das allmählich die Ernte einfährt für jahrelange, verlässliche Aufbauarbeit. Carl Dohmann wurde am Dienstag Achter, Jonathan Hilbert Fünfter, der Tokio-Silbergewinner über 50 Kilometer hatte zuletzt ebenfalls einen Corona-Infekt überstanden. Die 50 Kilometer sind mittlerweile übrigens von den 35 Kilometer Gehen abgelöst, eine Entscheidung, mit der Linke vor drei Jahren im Gespräch wenig anfangen konnte. "Schade, dass es nur noch nach TV-Quoten, Spaß und Kurzweiligem geht", sagte er. Die Zuneigung zur neuen Distanz dürfte am Dienstag zumindest nicht kleiner geworden sein.

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