Christopher Froome Parallelen zur Karriere von Lance Armstrong

Zufall oder nicht, der aktuelle Fall weist Ähnlichkeiten zu zwei markanten Sündern der Neuzeit auf. Froome hatte seine Überdosis genommen, nachdem er im Rennen heftig zurückgefallen war - mit der Substanz im Körper rollte er bei der Vuelta sofort weit nach vorne. Der Amerikaner Floyd Landis war bei seinem Tour-Sieg 2006 aufgeflogen, nachdem er auf der 17. Etappe eine atemraubende Solofahrt hingelegt hatte. Tags zuvor war er völlig eingebrochen - und hatte sich deshalb, wie er später zugab, mit Testosteron vollgepumpt.

Parallelen weist Froomes Karriere auch zu der von Lance Armstrong auf. Beide waren bis Mitte zwanzig unauffällige Mitfahrer; die ersten Tour-Siege holten sie mit 28 Jahren. Armstrong war nach schwerer Krebserkrankung als Superman in die Radwelt zurückgekehrt und hatte sieben (mittlerweile aberkannte) Tour-Titel abgeräumt. Auch Froomes Erweckungserlebnis fand angeblich nach überstandener, schwerer Krankheit statt. Als der Mann, dessen unorthodoxer Fahrstil oft Kopfschütteln evozierte, im Herbst 2011 auf Platz zwei der Vuelta schoss, erklärte er den Coup damit, dass ihm zuvor eine langjährige Bilharziose-Erkrankung Energie geraubt habe; die habe er überwunden.

Bei Olympia 2012 in London gewann er Bronze, 2013 trat er mit dem ersten Tour-Triumph aus dem Schatten des Vorjahres-Siegers, seines Landsmanns Wiggins. Generell erstaunt, wie England, das bei Olympia 1996 in Atlanta nur einmal Gold gewann und Rang 36 der Nationenwertung besetzte, für die Heimspiele 2012 eine Gewinner-Generation quer durch alle Sportarten zu produzieren vermochte. Als Dritter hinter den USA und China feierte das Königreich 29 Goldmedaillen. Auch im Radsport, wo die Briten seit dem Dopingtod Tom Simpsons 1967 bei großen Rennen stets hinterher radelten, begann nun Britannias große Ära.

Jetzt ermittelt die UCI, die den Fall nur auf Druck transparent machte. Sky hilft dabei. Anders gesagt: im Sport nichts Neues.

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