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Christoph Daum beim FC Brügge:Siegen für den guten Ruf

Seit seinem glücklosen Engagement bei Eintracht Frankfurt ist Christoph Daums Ansehen in Deutschland ramponiert. Beim FC Brügge arbeitet der Fußballlehrer nun an seiner Reputation: Die Spiele in der Europa League gegen Hannover 96 sind eine gute Gelegenheit für Daum, sich in der Heimat zu präsentieren - und sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Der Fußballtrainer Christoph Daum kämpft dieser Tage mal wieder an mehreren Fronten. Auch wenn er jetzt den FC Brügge in Belgien trainiert, lässt ihn seine Wahlheimat Köln nicht los. Der 58-Jährige unterstützt via Presse den Kölner Fußballer Lukas Podolski bei dessen Provokationen gegen seinen Verein. Auch ihm, sagte Daum, habe man zu seiner Zeit als Trainer beim 1. FC Köln mehr versprochen als man habe einhalten können. Nur habe er loyal geschwiegen. Als Daum vor drei Monaten gerade neu in Brügge war, hatte er dem Kölner Express immerhin verraten: "Wäre ich nicht Trainer in Brügge geworden, hätte ich mich für das Präsidenten-Amt beim 1. FC Köln beworben."

Christoph Daum

Trainer mit Gewissen

Aber auch so ist Daum vorerst ein zufriedener Mann. Schließlich waren die ersten drei Monate in Belgien sportlich erfolgreich. Seine Mannschaft gewann in der Liga neun Spiele und verlor drei, sie ist nun Tabellenzweiter, wenn auch mit sieben Punkten Rückstand auf Anderlecht. Und Daum führte das unter dem Niederländer Adrie Koster zuvor zunehmend erfolglose Team in die Zwischenrunde der Europa League, wo man an diesem Donnerstag zum Hinspiel bei Hannover 96 gastiert (21 Uhr, Kabel 1).

Daum hat bislang alle Zwischenziele erreicht. Die wichtigste Saisonphase hat er allerdings jetzt erst vor Augen, nicht nur wegen der beiden Partien gegen 96. Dazwischen und danach bekommt es seine Mannschaft in der belgischen Liga mit den direkten Verfolgern Kortrijk, Genk, Lüttich und Cercle Brügge zu tun. Diese Spiele werden mit darüber entscheiden, ob Daum das selbstgesteckte Ziel Champions League weiterhin erreichen kann.

Christoph Daum kann ein bisschen Rehabilitation als Trainer ganz gut gebrauchen. Im Mai war er mit Eintracht Frankfurt in die zweite Liga abgestiegen, was dem Frankfurter Manager Heribert Bruchhagen nach eigener Aussage noch heute peinlich ist, weil er Daum doch den Klassenerhalt versprochen habe, und weil der Abstieg Daums Ansehen geschadet habe. Nach dem Desaster in Frankfurt wurde Daum zudem als Kandidat für das österreichische Nationaltraineramt ausgebootet. Vom Schweizer Marcel Koller. Jetzt lebt und arbeitet Daum also in Brügge und lobt dort das Potenzial der Mannschaft ebenso überschwänglich wie die Schönheit der Stadt und die Offenheit der Menschen. "Ich fühle mich, als wäre ich schon immer hier", sagte er gleich zu Beginn voller Pathos dem Klubfernsehen - "dabei bin ich erst eine Woche da".

Mein Freund Mourinho

Die Leute vom FC-Brügge-TV hängen dem eloquenten Trainer an den Lippen. Hier darf er seine liebsten Aphorismen über den Fußball und das Leben ungeniert zum Besten geben. "Du musst erst laufen lernen, bevor du springen kannst", erklärte er anfänglich seine Grundlagen-Arbeit mit den Brügger Spielern - und verwies nach zunächst dünnen Ergebnissen darauf, dass "mein Freund José Mourinho auch über ein Jahr daran gearbeitet hat, bis Real Madrid eine Stabilität aus der Abwehr heraus hatte".

Christoph Daum genießt die belgische Lebensart, pendelt im Weltkulturerbe-Altstädtchen zwischen seinem Häuschen, dem Restaurant De Vlaamsche Pot und dem Jan-Breydel-Stadion im Südwesten der Stadt. Einst feierte der FC Brügge 13 Mal die Meisterschaft, doch die bislang letzte liegt bald sieben Jahre zurück. In Daum glaubt Klubpräsident Bart Verhaeghe den Trainer für eine neue Erfolgsära gefunden zu haben. Daum selbst erklärt Hannover 96 vor dem Europa-League-Duell allerdings zum Favoriten.

Gegen die Niedersachsen will Christoph Daum die synergetische Qualität seiner Arbeit und des belgischen Fußballs beweisen. Der Trainer, der vor elf Jahren bereits für das deutsche Bundestraineramt auserkoren war, was dann aber bekanntlich nichts wurde, arbeitet in Brügge auch an seiner Reputation. Wie eigentlich immer seither. Eigentlich, verrät er, träume er ja von einem Engagement in der britischen Premier League. Das Präsidentenamt beim 1. FC Köln bleibt dann vielleicht eine Option für die fernere Zukunft.

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Sie kamen, verloren - und flogen